Auszeit Dita guckt tief ins Glas

Zeit, das Internet zu entdecken: Wo die Serie "Knight Rider" ihre lustigsten Fehler aufweist. Wie Fahrradtour-Geheimtipps zu einem Allgemeingut werden. Und wie Dita von Teese im Alkoholmarketing reüssiert.

David Hasselhoff scheint seine Alkoholprobleme im Griff zu haben. Inzwischen kramt er sie nur noch dann hervor, wenn sich das Medienboulevard sonst gar nicht für ihn interessiert. Das jedoch wäre misslich, schließlich wirbt er derzeit gleich für zwei Projekte: Eine "Knight-Rider"-Fortsetzung, in der ein junger Namenloser den Sohn des Michael Knight spielen soll - Sie wissen schon, Knight ist der lockenhaarige Statist, der dem altklugen Sportwagen K.I.T.T. die Stichworte gibt.

Außerdem plant Hasselhoff die eigene Rückkehr in der Rolle Knights, diesmal nicht im Fernsehen, sondern im Kino. Wenn das eine Vorstellung ist, die Sie nur mit Alkohol ertragen, ist das zwar verständlich. Sie sollten jedoch zur Suchtprävention erwägen, das berühmte Heimvideo von Hasselhoffs Tochter anzusehen. Das zeigt Hasselhoff so betrunken, dass ihn der Film zeitweilig das Sorgerecht für seine Kinder kostete.

Darauf an dieser Stelle zu verlinken wäre der Häme zu viel. Wir nehmen's lieber nostalgisch und erinnern an die Zeiten, als Hasselhoff ein großer Held war. Denn die eigentliche Sensation sind nicht seine aktuellen Projekte, sondern die Tatsache, dass der Fernsehsender "Das Vierte" derzeit tatsächlich die Originalserie "Knight Rider" wiederholt (werktags, 19:05 Uhr). Mehr dazu im letzten Teil dieser "Auszeit".

An Herbsttagen ist es am Computer besonders nett. Wird's draußen duster und novemberfeucht, leuchtet das Display umso freundlicher und der Doppelkernprozessor unter der Laptop-Tastatur wärmt die steifen Fingergelenke. Jetzt etwas Wärmendes trinken, das die Ohren glühen lässt, und ein paar Sporteleien fürs kommende Frühjahr durchspielen. Spätestens, wenn Sie anfangen, dabei versonnen "Stille Nacht" zu brummen, wird Ihr Chef auf Sie aufmerksam.

Aber nicht so, wie Sie sich das wünschen. Vielleicht hätten Sie sich besser unauffällig ein Schlückchen gegönnt, virtuell, am Computer, wo Sie den lieben langen Tag sitzen. Im Netz gibt es allerlei Hochprozentiges, und nie war es einfacher seine Umgebung zu entdecken, als mithilfe des Internets. Für beides machen wir in dieser "Auszeit" Vorschläge, wenn Sie versprechen, beim Surfen nicht zu singen. Schließlich gilt:

Lassen Sie sich nicht erwischen.

Trends, für Alk-Freunde

Edles und Tropfen: Der Blog von "Mixology" bietet allerlei ums Trinken

Edles und Tropfen: Der Blog von "Mixology" bietet allerlei ums Trinken

Mixology.eu

Das Jahr neigt sich bedenklich zur Weihnachtszeit. Sichere Anzeichen finden sich in den Zentren der Städte. Dort soll allerlei Tannengewächs, der Budenzauber der Marketender und eine aufgemotzte Straßenbeleuchtung dafür sorgen, dass die Kinderlein kommen. Am besten in Konsumlaune, Sie wissen schon: der Binnenmarkt.

Weihnachtsmarkt gleich Binnenmarkt lautet die profane Gleichung. Um diesem Spiel um schnöden Mammon doch etwas Geist einzuhauchen, wird in vielen Marktbuden Hochgeistiges ausgeschenkt: Meist das, was nicht als Wein verkauft werden durfte, mit viel Zucker und schön heiß.

Echte Alkoholkenner kann das nicht locken. Zum Kontrastprogramm muss man sich losreißen vom Strom der Konsumenten und sich vor den Rechner setzen. Unser Tipp: Der Blog "Mixology"  bietet fast alles zu Themen, wo etwas Prozenthaltiges die Kehle runterrinnt. Er ist dabei selbst für Leute unterhaltsam, die sich nicht beruflich damit beschäftigen. Dass es zu dem Blog auch eine Offline-Ausgabe in Hochglanz gibt, muss nicht weiter stören, denn mit Werbung fürs eigene Produkt halten sich die Blogger zurück.

Auf "Mixology " findet man den einen oder anderen Bar-Tipp (leider meist nur für Berlin), Hinweise auf neue Produkte ("Jim Beam Rye im Maxxium Portfolio") und reihenweise Szene-News ("Gault Millau Barkeeper des Jahres 2008"). Am unterhaltsamsten sind die zahlreichen Meldungen aus dem Marketingbereich.

Meist geht es um neue Werbekampagnen. Etwa, dass Striptease-Künstlerin und Ex-Playboy-Model Dita von Teese Markenbotschafterin von Cointreau wird; dass die tschechische Biermarke "Pilsner Urquell" seit neuestem "Ohne Lemon - ohne Cranberry - ohne Bullshit" wirbt; und wie der neue Werbespot von Vodka Celsiy ausschaut. Den kann man sich gleich im Original ansehen. Daneben werden schon mal Handelsangebote weitergereicht: "Wer braucht große Mengen Grapefruit von einer türkischen Trade-Agentur?"

Oder man greift gleich selbst zum Cocktailshaker. Im Forum des Blogs tauschen sich Barmänner und -frauen aller Couleur über Rezepte aus, über Zutatenprobleme und Geschmackstrends. Mit ein bisschen Glück gibt es dort sogar Neues zu entdecken. Ein Forumsteilnehmer schreibt: "Hab' was erfunden, will eine professionelle Meinung dazu." Hauptzutaten sind Gin und Honigmelone, eine Mischung, die sicher keinen Weihnachtsmarktverdacht weckt.

Allerdings gehört für den geneigten Leser auch ein wenig Experimentierfreude dazu, denn Mengenangaben wollte der Cocktailzauberer nicht ins Netz stellen. Andererseits: Was die Marktfrau in den Glühwein kippt, das weiß auch nur das Christkind.

Radwege, für Frühbucher

Stock und Stein: "Bikemap" und "Runmap" erleichtern vor allem den Austausch über schöne Routen

Stock und Stein: "Bikemap" und "Runmap" erleichtern vor allem den Austausch über schöne Routen

Bikemap.de und Runmap.de

Jetzt wird es wieder hart: Morgens auf dem Weg zur Arbeit ist es noch dunkel, abends auf dem Heimweg schon wieder. Draußen ist es nasskalt. Die Straßen sind übersät mit grauen, glitschigen Laubresten, die schon rein optisch ein Fehltritt sind. Genügend Gründe, um Laufschuh und Fahrrad stehen zu lassen und sich eine Auszeit zu gönnen.

Wem es dabei langweilig wird oder wer nicht gar nichts tun kann, lässt seine sportlichen Erlebnisse an der frischen Luft Revue passieren - oder plant welche für den Frühling. Die Portale Bikemap.de  und Runmap.de  bieten Rad- und Lauffans dafür eine geeignete Spielwiese.

Radler können bei Bikemap.de Radtouren anlegen oder nach passenden Routen suchen. Die Grundlage dafür schafft das Kartenprogramm Google Maps. Per Navigation auf der Karte oder direkter Ortseingabe lassen sich in der Wunschregion die angelegten Touren anzeigen. Aktuell sind es rund 6300, der Großteil von ihnen befindet sich in Deutschland.

Läufer und Nordic Walker finden in dem Schwesterportal Runmap.de ein adäquates Pendant. Da es erst im Oktober online ging, sind allerdings erst 400 Strecken verzeichnet. Wie bei Bikemap.de sind auch hier Distanz und Belag der Strecken aufgeführt; in vielen Fällen gibt es eine kurze Tourbeschreibung.

Die Radrouten sind zusätzlich in verschiedene Steigungskategorien eingeteilt, die von "Flach wie Holland" bis "Steil" reichen. Nützliches Zusatzfeature: Wie flach oder steil die Strecke tatsächlich ist, errechnet das Programm bei Erstellen der Tour selbst. Von jeder Tour gibt es ein Höhenprofil, auf dem zumindest grob zu erkennen ist, ab welchem Kilometer es anstrengend wird.

Ein Manko sind die Routennamen: Benennungen wie "Büroweg" oder "Joggingrunde" sind bei der Routensuche nicht unbedingt hilfreich. Allerdings liefern die Touren "Winterrunde" oder "Winterausdauerrunde" Beweise dafür, dass hartgesottene Radfahrer auch in die Pedale treten, wenn es draußen ungemütlich ist.

"Knight Rider", für Bekenner

Mensch und Maschine: Auf "Sprittwoch" haben bemerkenswert alberne Macher bemerkenswert gut zugeschaut

Mensch und Maschine: Auf "Sprittwoch" haben bemerkenswert alberne Macher bemerkenswert gut zugeschaut

Knightrider @ Sprittwoch

Tiefgang lauert oft da, wo man nicht damit rechnet. So ist die Zeichnung der Charaktere in der 80er-Jahre-TV-Serie "Knight Rider" so differenziert und subtil, das mancher Hinweis bis heute von der Filmkritik nicht erschöpfend entschlüsselt wurde.

Hilfe leistet Hauptdarsteller David Hasselhoff. In "Knight Rider" spielte er Michael Knight, den Mann, der mit Unterstützung seines Kumpels K.I.T.T der Gerechtigkeit auf die Sprünge hilft. K.I.T.T. war dabei der beste Freund, den sich die fernsehguckenden Schuljungen der 80er vorstellen konnten: Ein Pontiac, schwarz, mit allerlei Bond-mäßigen Gimmicks und einem Computer, der gewitzter ist als das Herrchen.

Vor wenigen Tagen also zeigte uns Hasselhoff eine völlig unbekannte Facette K.I.T.T.s auf: Die Karre ist schwul. Hat er wirklich gesagt, bei einer Rede im Dubliner Trinity College. Es gebe, so der Darsteller zu diesem Coming-Out, "ein paar nicht jugendfreie Ausschnitte" in der Serie. Jedenfalls habe ihn K.I.T.T. andauernd gefragt: "Möchtest du, dass ich dich nach Hause bringe, Michael?" Wie konnten den Zuschauern jahrelang diese lasziven Zwischentöne entgehen!

Ist der gaga? So ganz nicht. Es handelt sich um eine geschickt lancierte Meldung. Denn David Hasselhoff wirbt für einen "Knight-Rider"-Kinofilm und die Fortsetzung der Serie, beides nicht aufregend genug, um Aufmerksamkeit zu wecken. Die verdient zweifelsohne die Originalserie, wie die Macher der Website "Sprittwoch"  zeigen. Minutiös schreiben sie für jede Folge die Fehler und schlichten Blödheiten von "Knight Rider" im Minutenrhythmus auf.

"Knight Rider", für Hingucker

Fehler? Jaha: Die Serie war zwar erfolgreich, dennoch wurde am Budget geknapst, wo es nur geht. Und das sieht man. In praktisch jeder Einstellung.

"Sprittwoch" belegt das mit Szenenfotos und mit Kommentaren, die an Häme nichts vermissen lassen. Da ist zum Beispiel das Stunt-Double von Hasselhoff, ein korpulenter Mittvierziger, der von den Autoren liebevoll "Bums-Bums" genannt wird. Ein Gutteil der Stunts der Serie wird mit Modellen nachgespielt, was der Action oft einen gewissen Playmobil-Charme verleiht. Und schließlich hagelt es Anschlussfehler, etwa wenn sich innerhalb einer Szene, von einem Schnitt zum anderen, das Armaturenbrett von K.I.T.T. umbaut.

Dabei kann man eine Menge entdecken, zum Beispiel, warum in US-Actionfilmen Autos nie einfach nur ineinander krachen, sondern gern das eine über die Kante des anderen fliegt und sich anschließend überschlägt. Kostprobe: "Sind US-Autos irgendwie spitzer, schanzenartiger gebaut? Nein. Bild 1 zeigt deutlich die oberen Kanten der Flughilfen über dem Dach des stehenden Autos und über dem aufgetürmten Misthaufen. In Bild 2 präsentiert sich dann noch der komplette Unterbau einer solchen Rampe."

Dazu kann man sich bequem durch zahlreiche Screenshots klicken. Welchen Spaß zum Beispiel die Einzelbildanalyse eines Crashs macht, lässt ein Satz wie dieser erahnen: "Die Metallwände des Trucks werden in der Mitte durch einfache Planen abgelöst, damit K.I.T.T. leichter durchfliegen kann. Praktischerweise hat der Truck auch nur Pappkartons mit Popcorn geladen."

Jedes Szenenfoto demonstriert, wie billig das gemacht ist. Fans als auch Spötter der Serie können hier eine geradezu kindliche Entdeckerfreude an den Tag legen. Fast wie am Weihnachtsabend.

Zur Karnevalsauszeit: Die Hände zum Himmel

Zur vorvorigen Auszeit: Ein Kübel Übellauniges

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