Freenet Zerschlagung rückt näher

Die Aufspaltung des Telefonanbieters Freenet wird immer wahrscheinlicher. Das Unternehmen hat entsprechende Übernahmeverhandlungen mit den Wettbewerbern Drillisch und United Internet bereits aufgenommen. Die Aktien der drei beteiligten Unternehmen haussieren.

Hamburg - Drillisch und United Internet sind über eine gemeinsame Zwischenholding größter Aktionär der Freenet AG. Als Teil einer möglichen Gesamttransaktion soll Drillisch das Mobilfunkservice-Providergeschaeft von Freenet erwerben, hieß es am Mittwoch. Voraussetzung sei allerdings, dass Freenet  mehrheitlich übernommen werde.

Laut Informationen aus Branchenkreisen sind die Verhandlungen weit gediehen, mit einem Abschluss der Verträge sei noch Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres zu rechnen. Das Mobilfunkgeschäft von Freenet - der ehemaligen Mobilcom - solle an Drillisch  gehen, das DSL-Geschäft an United Internet , sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Die drei Unternehmen teilten gemeinsam nur mit, sie hätten konkrete Gespräche über eine "mögliche strategische Partnerschaft" aufgenommen. Dabei verhandele Drillisch im Rahmen einer "möglichen Gesamttransaktion" exklusiv mit Freenet über den Kauf des Mobilfunkgeschäfts. Der Verkauf stehe aber unter dem Vorbehalt, dass Freenet unter ein neues Konzerndach komme.

"Strategische Partnerschaft"

Näher kommentieren wollten die Unternehmen die Mitteilung nicht. Die Aktien aller drei Unternehmen legten jeweils um mehr als fünf Prozent zu.

Für eine Anteilsaufstockung oder Übernahme von Freenet hat Drillisch  zusammen mit United Internet die Gemeinschaftsfirma MSP gegründet. Zudem will sich Drillisch mit einer - derzeit laufenden - Kapitalerhöhung Spielraum verschaffen, um bei Freenet weiter aufzustocken.

MSP hält sechs Prozent an Freenet, kann aber bis Ende November weitere 18,5 Prozent übernehmen, die bei der Beteiligungsgesellschaft Vatas liegen. Drillisch und andere Freenet-Anteilseigner machen sich seit längerem für eine Aufspaltung des erst vor wenigen Monaten aus der alten Freenet und Mobilcom verschmolzenen Unternehmens aus Büdelsdorf in Schleswig-Holstein stark gemacht. Freenet-Chef Eckhard Spoerr hatte seinen Widerstand gegen eine Zerschlagung letztlich aufgegeben.

United Internet  ist vor allem an den DSL-Kunden von Freenet interessiert, um seine Position auf dem hart umkämpften Breitbandmarkt zu stärken. Wie ein Sprecher bestätigte, hat ein Bankenkonsortium um die WestLB und die BayernLB der Gesellschaft eine Kreditlinie von 500 Millionen Euro eingeräumt.

Drillisch will mit dem Erwerb des Mobilfunkgeschäfts den Abstand zum größten Mobilfunkserviceprovider debitel verringern. Ende Juni hatte Freenet 1,22 Millionen DSL- und 5,24 Millionen Mobilfunk-Kunden unter Vertrag. Am Donnerstag will die Gesellschaft ihre Bilanz für das dritte Quartal vorlegen.

Auch für die übrigen Aktivitäten der Norddeutschen haben sich Interessenten gemeldet: An den Freenet-Töchtern Strato (Webhosting) und Next-ID (Mehrwertedienste) ist laut früheren Angaben aus Branchenkreisen die Vodafone-Tochter Arcor interessiert. Allerdings würden die Preisvorstellungen auseinanderklaffen, hieß es. Während Arcor für Strato rund 400 Millionen Euro biete, verlange Freenet-Chef Eckhard Spoerr rund 600 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit reuters und dpa