Microsoft Warum wurde der CIO gefeuert?

Nach gerade einmal zwei Jahren bei Microsoft wurde IT-Chef Stuart Scott am Mittwoch überraschend entlassen. Die Hintergründe der fristlosen Kündigung sind unklar. Spekuliert wird über eine Büroaffäre, WC-Sonderwünsche und iPhones.

New York - Gerade mal zwei Jahre im Amt, und schon wieder arbeitslos: Das hatte sich Stuart Scott wohl anders vorgestellt. Im Jahr 2005 hatte der Manager nach 17 Jahren bei General Electric  gekündigt und ging nach Redmond zu Microsoft , um dort den Posten des IT-Chefs zu übernehmen. Nun wurde er überraschend gefeuert.

"Wir können bestätigen, dass Stuarts Anstellung bei Microsoft nach einer Untersuchung hinsichtlich der Verletzung von Unternehmensrichtlinien beendet wurde", teilte ein Microsoft-Sprecher etwas kryptisch mit. Weitergehende Details wurden auch auf Nachfrage verschiedener US-Medien nicht genannt.

Noch im Oktober war Scott gemeinsam mit Microsoft-Geschäftsführer Kevin Turner auf der "Information Week 500"-Konferenz aufgetreten und hatte dort über seine Arbeit zur Vereinheitlichung der verschiedenen IT-Bereiche bei dem Softwarekonzern gesprochen. Turner lobte dabei ganz besonders Scotts Erfolge bei der Zentralisierung und Entschlackung der Microsoft-IT. Innerhalb seiner zwei Jahre bei der Firma habe Scott die Zahl der Rechenzentren von 26 auf 5 reduziert und gleichzeitig 1000 überflüssige Programme entfernt.

Mit einem iPhone erwischt?

Im Microsoft-Blog von Seatllepi.com mäkelt ein anonymer User, Scott sei bereits während seiner Zeit bei General Electric als Radikalsanierer aufgefallen, der nicht vor Entlassungen zurückschreckt, um Kosten zu senken. Gleichzeitig habe er versucht den Neubau separater Toilettenräume für die Manager durchzusetzen.

Jetzt aber konnte man sich offenbar gar nicht schnell genug von diesem Topmanager, der außerdem die Position eines Vizepräsidenten bekleidete, trennen. Seinen Eintrag auf Microsoft Presse-Webseiten hat man kurzerhand verändert. Dort wird er jetzt als "Stuart L. Scott, (ehemaliger) Corporate Vice President und CIO" geführt. Eine Notiz vom 5. November weist darauf hin, dass Scotts Anstellung Anfang November endete.

Logisch, dass jetzt die Spekulationen sprießen, weshalb der offenbar sehr erfolgreiche Manager die Firma so kurzfristig verlassen musste. Meist allerdings strotzen die Mutmaßungen nur so von Ironie und Sarkasmus. So etwa bei der britischen "Ars Technica" die vermutet, Scott könne mit einem iPhone in der Hand erwischt worden sein. Oder, schlimmer noch, man habe in einer dunklen Ecke seines Hauses einen Linux-PC gefunden.

Affäre mit einer Mitarbeiterin?

Affäre mit einer Mitarbeiterin?

Den wahren Grund für Scotts fristlose Entlassung will nun aber "Valleywag" herausgefunden haben. Ein anonymer Tippgeber habe berichtet, Scott habe zeitgleich mit einem anderen Vizepräsidenten einen sogenannten "Emergency Family Leave" genommen, einen kurzfristigen Sonderurlaub aus familiären Gründen. Eine Analystenfirma habe nun herausgefunden, es gebe nur einen Vizepräsidenten, in der Firma, der Scott unterstellt sei - und der sei weiblich.

Die wieselflinke Folgerung der Blogger: Scott könnte ein Verhältnis mit seiner Untergebenen - die angeblich vor einem Jahr völlig überraschend befördert wurde - gehabt haben. Das hätte gegen Microsofts puritanischen Verhaltenskodex verstoßen, und zu seiner sofortigen Entlassung geführt. Andernorts hatte es - weit schlichter - geheißen, der Ex-CIO habe sich geweigert seinen PC auf Vista aufzurüsten.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Das Verfahren jedenfalls erinnert an die Entlassung von Martin Taylor. Taylor, der maßgeblich für die Vermarktung des Windows Live Messenger verantwortlich war, wurde kurz nur einen Tag nach dessen Vorstellung überraschend aus seinem Amt entlassen.

Vier CIOs in vier Jahren

So oder so: Microsofts Verschleiß an IT-Chefs nimmt beängstigende Formen an, meldet David Hunter in seinem Blog "Hunterstrat". Scott war demnach bereits der vierte CIO, der die Firma innerhalb der letzten vier Jahre verließ.

Ein Nachfolger für Scott wurde übrigens noch nicht benannt. General Manager Shahla Alv und Vice President Alain Crozier werden nach Angaben des Konzerns zunächst den Aufgabenbereich des IT-Managers übernehmen.

SPIEGEL ONLINE

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