Börsengang Alibaba und die gierigen Käufer

"Internet + China = Kursfeuerwerk": Nach dieser Formel investieren viele Anleger derzeit ihr Geld. Der chinesische IT-Konzern Alibaba, auf dessen Plattform man von frischen Eiern bis Traktoren alles kaufen kann, hat zum Börsengang mehr als 150 Prozent zugelegt. Platzt die Blase in Kürze, oder wird Alibaba mit seinen Klonseiten bald den Markt beherrschen?

Hamburg - Ob frische Eier, Sicherheitstüren oder Traktoren: Bei Alibaba  bieten unter anderem Mittelständler ihre Waren feil und kaufen sie ohne Zwischenhändler ein. Der Börsengang des chinesischen Unternehmens mit dem simplen Konzept hat bei Anlegern eine Hysterie ausgelöst, die an die 2000er Internetblase erinnert.

Zum Börsengang am heutigen Dienstag hat Alibaba.com schon mal 165 Prozent zugelegt, die Aktie kletterte vom Ausgabepreis von 13,50 Hongkong Dollar bis auf 30 Dollar. Analyst Kitty Chan von Celestial Asia Securities sprach trotz guter Gewinnaussichten von einem "übertrieben hohen Kurs". Immerhin liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei mehr als 200. Zum Vergleich: Das durchschnittliche KGV im Dax  liegt bei etwa 12.

Verglichen mit den Kursgewinnen von Alibaba am Dienstag und Petrochina am Montag, das binnen eines Tages zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufstieg, ist der Kursanstieg des Börsenlieblings Google noch als gemächlich zu bezeichnen. Die Marktkapitalisierung von Google liegt derzeit bei rund 220 Milliarden Dollar. Die Aktien von Alibaba waren 257 Mal überzeichnet. Anleger, die Papiere ergattert hatten, fuhren beim größten IT-Börsengang seit Google einen märchenhaften Zeichnungsgewinn ein.

Nur mit 17 Prozent an die Börse

Dabei hat Alibaba.com heute lediglich 17 Prozent seiner Aktien an die Börse gebracht. Die Kaufanträge institutioneller Investoren, darunter Yahoo  und die American International Group , sollen sich auf insgesamt 100 Milliarden Dollar summiert haben. Der Gewinn, den Alibaba für das laufende Jahr prognostiziert, beläuft sich nur auf einen Bruchteil davon, nämlich 58 Millionen Dollar.

Worin liegt also das vermeintliche Potenzial, das Finanzstrategen in Alibaba sehen?

Das Internet-Start-up zeigt in der Tat einige Parallelen zu Google und Co. Der Kopf hinter Alibaba ist der 43-jährige Jack Ma, den manche auch den chinesischen Bill Gates nennen. Er gründete das Unternehmen 1999 in seinem Wohnzimmer. Im Gegensatz zu Gates ist Ma allerdings kein eingefleischter Computerfreak – der Englischlehrer hatte erst vier Jahre vor Gründung seiner Firma auf einer USA-Reise zum ersten Mal einen PC zu Gesicht bekommen.

Mas Idee war simpel: Er gründete eine Handelsplattform für kleine und mittelständische Unternehmen, auf denen sie ihre Waren anbieten. Einkäufer können sich so bequem und ohne Zwischenhändler den passenden Lieferanten suchen.

Erfolgreich mit Ebay-Klon Taobao

Erfolgreich mit Ebay-Klon Taobao

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mit diesem Business-to-Business-Konzept inzwischen mehr als 24 Millionen Mitglieder gewonnen, wovon ein Großteil (21 Millionen) auf der chinesischen Webseite registriert ist. Sie bieten und kaufen auf der Webseite Alibaba.com  jegliche Art von Produkten, sei es Hightech oder nur frisches Gemüse. Täglich melden sich rund 11.000 Firmen bei Alibaba an. Die meisten von ihnen zahlen eine jährliche Gebühr zwischen 250 und 10.000 Dollar.

2003 gründete Ma den chinesischen Ebay-Klon Taobao, der im Heimatland weitaus erfolgreicher ist als das amerikanische Vorbild. In China kein Einzelfall, denn ausländische Unternehmen haben es auf dem chinesischen Internetmarkt schwer. Die Chinesen mögen die heimischen Angebote am liebsten.

Yahoo gekapert

Nach der Gründung des Online-Zahlungssystems Alipay angelte sich Ma 2005 mit Yahoo  einen internationalen Fisch. Für eine Drittelbeteiligung zahlte Yahoo den Chinesen eine Milliarde Dollar. Dafür mussten die Amerikaner allerdings in den sauren Apfel beißen und ihre chinesischen Webaktivitäten an Alibaba abtreten. Angesichts der heutigen China-Interneteuphorie ein schwerer Schlag für Yahoo. Einen kleinen Trost spendet die Alibaba-Beteiligung nun mit dem Börsengang, von dem auch Yahoo profitieren wird.

Jüngstes Mitglied der Alibaba Group ist seit vergangenem Januar das Unternehmen Alisoft, das Software für kleine und mittelständische Firmen herstellt und vertreibt. Bislang sind die Anwendungen allerdings lediglich auf chinesische Unternehmen zugeschnitten.

Die Einnahmen aus dem Börsengang, so lässt Alibaba verlauten, sollen in weitere Übernahmen und den Ausbau der technischen Infrastruktur investiert werden. Nach Yahoo böte beispielsweise der chinesische Google-Ableger einen gehörigen Übernahmehappen. Welche Reaktion die Formel "Alibaba + Google + China" an der Börse auslösen würde, ist heute nur zu erahnen.

Märchenhafter Aufstieg: Was Alibaba bietet

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