Obermann-Bilanz Zum Feiern reicht's nicht

Seit einem Jahr steht René Obermann an der Spitze der Deutschen Telekom. In dieser Zeit hat der Manager viel bewegt: die Personalkosten reduziert, das Auslandsgeschäft gestärkt und Randbereiche abgestoßen. Doch auf vielen anderen Baustellen ist die Lage nach wie vor prekär.

Bonn - Eine Atempause gibt es für René Obermann nicht: Ein Jahr nach seinem Amtsantritt bei der Deutschen Telekom  sind die Herausforderungen für den Topmanager keineswegs geringer geworden. Der größte europäische Telekommunikationskonzern steht mitten im Umbruch. Der scharfe Konkurrenzkampf im Inland, Kundenschwund, neue Techniken sowie die staatliche Regulierung halten Obermann unter Dampf. Dabei hat der Telekom-Chef beim ehemaligen Monopolunternehmen bereits einen beispiellosen Um- und Abbau von Arbeitsplätzen in Gang gesetzt und dem Konzern ein neues Gesicht gegeben.

Doch das Großreinemachen ist noch nicht beendet. "Das ist ein langsamer und mühsamer Weg", sagt Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck & Co. Neben dem harten Sparkurs im Inland muss Obermann nach Ansicht des Telekom-Analysten vor allem im Ausland neue Wachstumsquellen erschließen.

Dennoch ist die Jahresbilanz des 44-jährigen Managers beachtlich: Wer über seine Berufung an die Spitze des rosa Riesen im November 2006 noch die Nase rümpfte, wurde eines Besseren belehrt. Obermann ist der erste Telekom-Chef, der richtig zupackt und dabei auch den Konflikt mit Arbeitnehmervertretern, Kapitalgebern oder Politikern nicht scheut. Alternativlos nennt er seine Strategie - vor allem sein Sparprogramm und den Umbau des schwächelnden Festnetzes. Tatsächlich läuft die Telekom Gefahr, im Wettbewerb zerrieben und in der Branche zu einem Übernahmekandidaten zu werden.

Der Anfang ist gemacht

"Er packt den Stier bei den Hörnern", urteilt Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) über den Telekom-Chef. Gleichwohl habe das Unternehmen immer noch zu viel Personal. Außerdem müsste eine Wachstumsstrategie im Ausland entwickelt werden, meint Schmitz. Aber der Anfang sei gemacht. "Dass Obermann auch unattraktive und unpopuläre Maßnahmen ergreift, wie der Konflikt mit Verdi gezeigt hat, das rechne ich ihm hoch an", betont Schmitz.

Tatsächlich hat der erste Telekom-Streik seit der Privatisierung des Unternehmens die Nation im vergangenen April und Mai in Atem gehalten. Verdi fürchtete durch die Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern aus der Festnetzsparte in Servicegesellschaften einen sozialen Kahlschlag. Die Streikauswirkungen blieben begrenzt und am Ende einigten sich die Tarifpartner auf einen Kompromiss. Die Gewerkschaft verhinderte das Schlimmste und die Telekom kommt trotz Zugeständnissen auf ein ordentliches Einsparvolumen von mehr als 700 Millionen Euro.

Derzeit läuft noch ein Stellenabbauprogramm, das Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke auf den Weg gebracht hatte. Das Programm sieht vor, dass bis 2008 insgesamt 32.000 Telekom-Mitarbeiter den Konzern verlassen. Und schon arbeitet der Vorstand an weiteren Einsparplänen. Durch die Trennung von Randaktivitäten - wie unlängst die Abgabe von Vivento Technical Services mit 2000 Mitarbeitern an den Netzwerkausrüster Nokia Siemens - werden weitere Jobs verschwinden.

T-Aktie dümpelt vor sich hin

T-Aktie dümpelt vor sich hin

Auch die mittelfristig geplante Umstellung der Netztechnik auf eine moderne Produktionsplattform auf Internetbasis dürfte zahlreiche Stellen kosten. So kursieren inzwischen Gerüchte über den Abbau von 35.000 weiteren Arbeitsplätzen. Derzeit stehen noch 150.000 Frauen und Männer im Inland auf der Gehaltsliste des Unternehmens.

Im internationalen Geschäft hat Obermann inzwischen wieder die Initiative ergriffen. In den USA übernahm die Telekom einen regionalen Mobilfunkbetreiber und stärkte die US-Tochter von T- Mobile. Und in Holland erwarben die Bonner von France Telecom  deren Tochterfirma Orange . Es gehe für die Telekom darum, sich auf den Auslandsmärkten neue Wachstums- und Ertragsquellen zu erschließen, sagt Telekom-Analyst Kitz, der von Obermanns Strategie überzeugt ist. Er "setzt sein Programm konsequent um".

Tatsächlich hat der Vorstandschef auch keine Wahl. Denn der Schuh drückt ihm noch an anderer Stelle. Obermann muss Erfolge zeigen, um den schwächelnden Kurs der T-Aktie  wieder auf Trab zu bringen und die Kapitalgeber zufriedenzustellen. Seit seinem Amtsantritt hat sich der Kurs kaum bewegt. Die T-Aktie notiert seit Monaten zwischen 13 und 14 Euro. Die Gemütslage der Kleinanleger bringt DSW-Aktionärsschützer Schmitz kurz und knapp auf den Punkt: "Das ist ein einziges Trauerspiel".

Die Tage vor dem einjährigen Dienstjubiläum wurden für Obermann hektisch: Die Telekom führt als exklusiver Partner Apples Multimediahandy iPhone in Deutschland ein und gab die Teilnahme an der Mobilfunk-Allianz um Google  bekannt - beides Projekte, die den zukunftsträchtigen Datenumsatz ankurbeln sollen. Auf die Seite eins der "Bild-Zeitung" schaffte es Obermann zudem, weil bekannt wurde, dass er und die TV-Moderatorin Maybrit Illner ein Paar sind.

Peter Lessmann, dpa

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