Samstag, 14. Dezember 2019

Spam Das Geschäft mit dem E-Müll

Spam-Mails sind lästig, Viren gefährlich - das ist hinlänglich bekannt. Doch was verdienen die Produzenten des Datenmülls? Eine Untersuchung zeigt, dass sogar "Minijob-Spammer" monatlich Tausende Euro verdienen.

Hamburg - Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Ob Papier, Glas oder Bioabfälle - sie haben für alles einen extra Behälter parat und entledigen sich diszipliniert und umweltbewusst ihres Unrats. Mit bestimmtem Müll haben allerdings sogar die Bundesbürger ihre liebe Müh: Täglich werden sie mit digitalem Datenabfall, auch Spam genannt, förmlich überschwemmt. Der digitale Abfalleimer quillt über, der E-Müll landet im regulären Posteingang und muss von Hand aussortiert werden. Eine nervtötende Angelegenheit, die Unternehmen zudem Millionen kostet.

Und die virtuelle Müllkippe wächst: Der Anteil der Spam-Nachrichten unter den weltweit verschickten E-Mails wird auf rund 80 Prozent geschätzt, Tendenz steigend. Doch während ein Großteil der Internetnutzer unter der Last des Müllbergs stöhnt, ist das Geschäft mit Spam und mit Malware, also Programmen, die auf dem Rechner unerwünschte Funktionen ausführen, für einige wenige äußerst rentabel. Mit dem Abfangen von Adress- und Kontodaten (Phishing) sowie dem Aufspielen von Viren verdienen sie ihren Lebensunterhalt.

Vertraut man einer Untersuchung des Internetsicherheitsanbieters G-Data, verdienen "Minijob-Spammer", die nur 20 Stunden pro Monat arbeiten und dabei 400 Millionen Spam-Mails versenden, problemlos 7000 Euro im Monat. Auch für den Auftraggeber lohnt sich demnach das Geschäft mit dem Datenabfall: Der Versand von 20 Millionen Spam-Mails kostet gerade einmal 350 Euro. In der Produktpalette gibt es auch das Programm für den Eigenversand der Müllmails inklusive fünf Millionen Adressen. Kostenpunkt: 140 Euro.

Auch für sogenannte DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service), bei denen Rechner so lange mit Anfragen bombardiert werden, bis sie arbeitsunfähig sind, haben sich fragwürdige Geschäftsleute Schnäppchenangebote einfallen lassen. Die ersten zehn Minuten eines DDoS-Angriffs sind für den Auftraggeber oftmals kostenlos, damit er sich von der Leistungsfähigkeit des Anbieters überzeugen kann. Danach wird der Untersuchung zufolge pro Stunde (20 Dollar) oder Tag (100 Dollar) bezahlt.

Die Recherchen ergaben zudem, dass private User-Daten regelrecht verschleudert werden. Zehn Millionen E-Mail-Adressen sind demnach bereits für 100 Euro zu haben. Im Vergleich dazu kosten Kreditkarteninformationen ein kleines Vermögen: Sie sind durchschnittlich drei Euro wert. "Wie auf jedem anderen Markt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis", erklärt Ralf Benzmüller, Leiter der G-Data Security Labs, die Schnäppchenpreise für die sensiblen Daten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung