Webtelefonie Günstig, aber nicht gratis

Auch wenn viele Anbieter damit werben, wirklich kostenlos ist die Internettelefonie natürlich nicht. Doch im Vergleich zum klassischen Telefongespräch ist die neue Technik zumindest günstiger - und inzwischen auch genauso einfach zu bedienen.

Berlin - Telefongespräche übers Internet nähern sich in der Bedienung immer mehr ihrem klassischen Vorbild an. Spezielle Telefone und Adapter ermöglichen auch Telefonate, ohne vorher den PC hochzufahren. Zudem locken scheinbar günstige Preise die Kunden. Als nächstes setzt die Technik zu einem weiteren Sprung an: aufs Handy.

Bei der Telefonie übers Netz wird die Sprache wie im Internet üblich in Daten verwandelt und paketweise verschickt. Entfernungen spielen keine Rolle. Eher entscheidend ist die Geschwindigkeit des Internetzugangs, denn Sprache zu übertragen erzeugt viele Daten.

"Wichtig ist hier nicht nur der oft beworbene Downstream, sondern auch der Upstream", sagt Thorsten Neuhetzki, Telekommunikationsexperte beim Internetportal Teltarif.de. Wer telefoniert, empfängt nicht nur Daten aus dem Internet (Downstream), sondern sendet sie vor allem auch (Upstream). Bei einem handelsüblichen DSL-Anschluss sind diese beiden Werte sehr unterschiedlich. 64 Kilobit je Sekunde (wie bei analogen Telefonen und Modem) können zu eng werden, sagt Neuhetzki. Auch 128 Kilobit je Sekunde (ISDN-Standard) sind manchmal zu wenig, sofern das Internet parallel für weitere Dinge gebraucht wird. Wer die Telefonie regelmäßig nutzt, kommt zudem um einen Pauschaltarif (Flatrate) kaum herum.

Fast wie ein herkömmliches Telefon

Einer der wohl bekanntesten Vertreter in Sachen Internettelefonie ist die US-Firma Skype . Ein Telefonat funktioniert hier ähnlich, wie manche Internetnutzer es vom "Instant Messaging" kennen: Man lädt sich eine spezielle Software herunter, gibt sich einen Nutzernamen und kann sich dann mit anderen Nutzern dieses Programms verbinden. Was ICQ und andere vor allem für Text sind, ist Skype für die Internettelefonie, auch Voice over IP (VoIP) genannt.

Während die Betreiber von Skype die genaue Funktionsweise der Software geheim halten, ist die Internettechnik SIP (Session Initiation Protocol) ein offener Standard. Dadurch gibt es bereits entsprechende Lösungen in Form von passenden Telefonen oder Adaptern. Ein bekanntes Beispiel ist das Fritz Box Fon der Firma AVM, das nicht nur für den Computer den Zugang zum Internet vermittelt, sondern auch ein normales Telefon zum Internettelefon machen kann. Ist die Box einmal konfiguriert, unterscheidet sich das Telefonieren kaum vom klassischen Weg. Oft kombinieren DSL-Anbieter ihre Produkte mit Internettelefonie, auch ohne klassischen Anschluss.

Wer lieber ein eigenes Gerät für VoIP nutzen oder die Technik nur ausprobieren will, verwendet am einfachsten eine Kombination aus Mikrofon und Kopfhörer: das Headset. Daneben gibt es Telefone, die an den Computer angeschlossen werden, beispielsweise per USB. Die Verbindung stellt dann eine Software auf dem Rechner her. Nachteil dieser Lösungen: der PC muss eingeschaltet sein, damit man telefonieren kann.

VoIP fürs Handy

VoIP fürs Handy

Anders sieht es aus, wenn das Telefon eine Basisstation hat, die selbst ans Internet angeschlossen ist und über ein Mobilteil wie bei einem schnurlosen Telefon verfügt. Manche Geräte verstehen sich dabei zugleich auch mit dem normalen Telefonnetz. Und nicht zuletzt gibt es Telefone, die ein drahtloses Netzwerk nutzen, um ins Internet zu gehen. Der Clou: Solche W-Lan-Telefone können im Prinzip jedes drahtlose Netzwerk für die Telefonie nutzen. Nur wenn eine vorherige Anmeldung per Webbrowser notwendig ist, müssen sie draußen bleiben.

Für den Nutzer gibt es beim Gebrauch von Skype und SIP kaum Unterschiede. Ähnliche Geräte gibt es inzwischen für beide Varianten der Internettelefonie. Für beide gilt: Kostenlos sind Telefonate nur zum Teil, auch wenn die Werbung anderes suggeriert. Zum einen fallen grundsätzlich Kosten für den Internetzugang an, ohne den gar nichts geht. Zum anderen sind Gespräche bei Skype beispielsweise nur zwischen den Nutzern kostenlos, das aber in diesem Fall weltweit.

Bei SIP-Angeboten telefonieren meistens mindestens die Kunden desselben Netzes gratis miteinander. Geht das Gespräch aber ins normale Festnetz oder gar zum Handy, werden Gebühren fällig.

Apropos Handy: Auch hier kündigt sich die Internettelefonie an. Eine neue Gerätegeneration von Mobiltelefonen kann ebenfalls drahtlose Netzwerke nutzen und mit entsprechender Software zum Internettelefon werden. Noch aber ist das nur für wenige Handykunden überhaupt eine Alternative. Denn entsprechende Geräte gibt es bislang vor allem im Bereich der Geschäfts- und Multimediahandys. Dass W-Lan auch bei günstigeren Geräten Einzug halte, sei aber wohl nur eine Frage der Zeit, vermutet Neuhetzki.

Jan Tißler, ddp

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