Motorola Im Innovationsloch

Mit seinem superflachen Klapphandy Razr landete der US-Konzern Motorola einen Überraschungserfolg. Über 50 Millionen Exemplare wurden seit der Markteinführung vor drei Jahren verkauft. Keines der Nachfolgemodelle konnte bisher mit dem Designhandy mithalten. Die jetzt vorgestellten Geräte bilden da leider keine Ausnahme.

Hamburg - Der Erfolg des Motorola-Handys Razr ist legendär. Einen würdigen Nachfolger zu finden, fällt dem US-Konzern jedoch schwer. Jetzt hat Motorola  neun neue Modelle vorgestellt, die zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommen sollen. Deren primäres Merkmal: Einfallslosigkeit.

Als herausragendes Beispiel kann die Luxusausführung des Razr2 dienen. Schon in der Grundversion ist dieses Handy nichts anderes als eine technisch aufgewertete Kopie des Ur-Razr. Die wurde jetzt mit einer hauchdünnen Schicht aus 18-karätigem Gold überzogen. Die Rückseite hat der Hersteller zudem mit Schlangenleder-Imitat belebt. Als "in Gold gebadet und in schlangenlederartige Haut gekleidet" bezeichnet Motorola diese Kombination, die Goldkettchenträger sicher begeistern wird.

Damit nicht genug, stellt Motorola eine Mittelklasse vor, die pragmatisch gemeint sein mag, doch leider Befürchtungen weckt, Entwicklern und Designern seien die Ideen ausgegangen. Eine andere Theorie: Die Firma lässt ihre Produkte jetzt passgenau auf bestimmte Preispunkte hin entwickeln. Über den Funktionsumfang bestimmen die benötigten Komponenten, die Grundlage bildet ein Einheitschassis, fast so wie im Automobilbau.

Motorola nimmt sich dieses Prinzip zu Herzen und stellt unter dem Motto "Mobiltelefone für Alltagskommunikation" seine neue W-Serie vor. Deren herausragendes Merkmal: Verzicht. Das untere Ende bilden W156 und W160. Beides Geräte mit Schwarzweiß-Display. Wichtigste Eigenschaften: ein eingebautes UKW-Radio und zehn mitgelieferte Klingeltöne.

Wenigstens ein Highlight

Wenigstens ein Highlight

Die darüber angesiedelten Geräte unterscheiden sich hauptsächlich durch ein Farbdisplay, SMS-Fähigkeiten oder vorinstallierte Spiele von diesem Standard. Einziger Lichtblick: Das W377. Dem haben die Designer wenigstens eine peppige Farbe, ein knalliges Pink, gegönnt. Ansonsten ist es technologisch eher auf dem Stand des Ur-Razrs.

Doch es gibt noch Hoffnung. Mit dem Moto U9 hat Motorola  auch eine Neuvorstellung im Programm, die sich zumindest optisch ein wenig vom Einerlei abhebt. Das als Nachfolger des Motorola "Pebble" anzusehende Gerät dient sich mit Speicherkartensteckplatz und MP3-Player als Musikhandy an, das ohne Umwege Daten mit Microsofts Windows Media Player abgleichen kann.

Das Highlight des U9 ist allerdings sein Design. Vor allem im geschlossenen Zustand macht das Handy eine gute Figur. Denn das Außendisplay ist so geschickt in die Oberfläche eingearbeitet, dass es auf den ersten Blick gar nicht als solches erkennbar ist. Firmen wie Sony  haben solche Tricks bereits genutzt, um beispielsweise MP3-Player optisch aufzumöbeln.

Trotzdem bleibt die Frage, was denn nun noch von Motorola zu erwarten ist. Schließlich gehört die Firma zum Urgestein, hat mit dem StarTac, dem Modell 3200 und dem Razr Handygeschichte geschrieben. Da muss doch noch mehr drin sein, als ein paar Mittelklasse-Funktelefone.

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