Gebrauchte PCs Auch die Alten bringen's noch

Die Alten sind auf dem Vormarsch. Das gilt nicht nur für die hiesige demografische Entwicklung, sondern auch für das Geschäft mit Gebraucht-PCs. Denn wer nicht unbedingt das neueste Modell benötigt, kann beim Computerkauf viel Geld sparen.

Hannover/Berlin - Der Markt für Gebrauchtgeräte wächst. Für viele Anwender, die den Rechner nur für die Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, das Internet oder E-Mail benötigen, reicht ein älteres Gerät mit 800 Megahertz Taktfrequenz, sagen Computerfachleute.

"Wer keine grafisch aufwendigen Programme nutzt, kann einen vier, fünf Jahre alten Desktopcomputer kaufen", sagt Jaroslav Smycek von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. "Bei moderneren Anwendungen sollte der Desktop nicht älter als zwei Jahre sein."

Der Verein ReUse Computer in Berlin - ein ehemaliges Projekt der Technischen Universität - hat sich auf Gebrauchtgeräte spezialisiert. ReUse Computer kauft alte PC-Bestände auf, vor allem von Firmen, macht die Geräte wieder flott und verkauft sie mit einjähriger Garantie weiter. Nur für 3D-Spiele und andere Programme mit anspruchsvoller Grafik brauche man einen aktuellen Rechner, sagt Vorstandsmitglied Muharrem Batmann.

Zudem schont der Gebrauchtkauf die Umwelt: Je mehr gebrauchte Geräte verkauft werden, desto weniger neue Rechner müssen hergestellt werden. Und auch der Elektroschrott nimmt nicht ganz so schnell zu.

Der Preis für einen gebrauchten Computer bemisst sich wie bei Neugeräten anhand der Eckdaten des Rechners: Größe der Festplatte, Prozessorgeschwindigkeit und Arbeitsspeicher. Zudem sollte man sich überlegen, welche Laufwerke gebraucht werden, ob beispielsweise ein DVD-Brenner wichtig ist oder nicht. Ältere Geräte haben mitunter auch weniger USB-Anschlüsse oder keinen Schlitz für Speicherkarten aus Digitalkameras.

Gebrauchte Desktopcomputer kosten laut Verbraucherschützer Smycek ab 50 Euro. "Die neuen gibt es ab 400 Euro." Bei Notebooks ist die Ersparnis nicht ganz so hoch: "Für ein gebrauchtes Zweijahresgerät zahlte man vor einem Jahr noch etwa 500 Euro - lege ich 200 Euro dazu, habe ich einen neuen." Grund für den geringen Preisunterschied ist der starke Preisverfall bei den Neugeräten. Und wer vor drei Jahren 1200 Euro für seinen Laptop ausgegeben hat, möchte ihn jetzt nicht für nur 200 Euro verkaufen.

Macbook für knapp 2000 Euro

Macbook für knapp 2000 Euro

Auch der Markt für gebrauchte Apple-Computer wächst. "Viele Mac-User verkaufen ihre Geräte bei Ebay  oder an Bekannte", sagt Georg Albrecht, Pressesprecher von Apple Deutschland. Apple  bietet im Internet und in ausgewählten Läden aber auch selbst Gebrauchtgeräte an. Ein Macbook der neueren Serie mit einem 17-Zoll-Monitor koste gebraucht nur 1900 statt neu 2737 Euro, so Albrecht.

Beim Kauf eines gebrauchten Rechners sei die Vereinbarung einer Garantie sehr wichtig, sagt Verbraucherschützer Smycek. Händler bieten die gesetzliche Sachmängelhaftung an, die bei Gebrauchtgeräten auf ein Jahr verkürzt werden kann. "Aber auch beim Privatkauf sollte eine Mängelhaftung von mindestens drei Monaten vereinbart werden, damit vom Käufer versteckte Mängel erkannt werden können."

Außerdem sollten Käufer unbedingt auf Vollständigkeit achten. Ein fehlendes Netzteil beispielsweise kann den Preis im Nachhinein noch nach oben treiben. Eine fehlende Tastatur kostet dagegen nicht viel. Bei Desktopcomputern können kaputte oder fehlende Teile auch recht schnell ausgetauscht und erneuert werden. Bei Laptops ist das anders, warnt Verbraucherschützer Smycek: "Beim Notebook kann man kaum etwas ersetzen, wenn es Schaden genommen hat. Selbst wenn es ginge, sind die Reparaturkosten immens hoch."

Batmann von ReUSe Computer rät, beim Gebrauchtkauf auch auf das Betriebssystem zu achten. "Wenn kein Windows installiert ist, muss man das selbst zu Hause haben oder kaufen - das kostet dann aber extra." Besitzer eines neueren Druckers oder eines Organizers sollten zudem überprüfen, ob die Geräte auch mit dem auf dem Rechner vorhandenen Betriebssystemen kompatibel sind.

Wer nach Gebrauchtgeräten sucht, wird sowohl im Internet als auch in der Tageszeitung schnell fündig. Zudem lohnt ein Blick in regionale Internetbörsen. Hin und wieder gibt es "Computerflohmärkte" in Städten und Gemeinden. Sie werden meist in den regionalen Zeitungen angekündigt.

Vivien Leue, dpa