Netzwerke Klebstoff für die Daten

Die ständige Erreichbarkeit von Mitarbeitern sowie der uneingeschränkte Zugriff auf Firmendaten stellen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen dar. Netzwerke verknüpfen die verschiedenen Endgeräte und bilden so den Klebstoff, der Sprach- und Videodaten miteinander verbindet.
Von Klaus Walter

Manager kommunizieren heute laut den Marktforschern von Sage Research im Schnitt mit sechs verschiedenen Endgeräten. Dennoch führen schlechte Erreichbarkeit und nicht abgestimmte Kommunikationsmethoden einer Forrester-Studie zufolge bei 27 Prozent der befragten Unternehmen zu Terminschwierigkeiten und deutlicher Verzögerung von Geschäftsabläufen.

Unified-Communications-Ansätze sollen Abhilfe schaffen. Es kristallisieren sich Strategien zur Integration und Verknüpfung der verschiedenen Geräte und Anwendungen wie Groupware oder Portalapplikationen über eine einheitliche Plattform heraus. Ziel ist es, die Zusammenarbeit über Ländergrenzen, Abteilungen und Wertschöpfungsketten hinweg zu vereinfachen und kosteneffizient zu steuern.

Die Idee dahinter ist nicht neu: Seit fast 20 Jahren werden die Vorzüge integrierter Kommunikation diskutiert, aber der anfängliche Hype scheiterte zunächst an der Technik. Die Konvergenz der Netze, Applikationen und Prozesse ermöglicht die logische Verknüpfung sämtlicher Unternehmensinformationen, unabhängig von Formaten und Anwendungen. So ist Unified Communications der nächste logische Schritt, der bestehende Grenzen in den Köpfen und auf allen technischen Ebenen aufheben soll.

Konvergenz der Daten

Zu den Technologien lassen sich acht Kategorien zählen, darunter die Livekommunikation über Telefonate, Conferencing, Messaging sowie Portal- und Businessapplikationen wie ERP (Enterprise Ressource Management) und CRM (Customer Relationship Management).

Besonders zu berücksichtigen sind Verzeichnisdienste. Diese werden konsolidiert und Masterdirectories aufgebaut, was einen direkten Einfluss auf die Geschäftsprozesse aufgrund der dort gespeicherten Rechte und Rollen hat. Für den Einsatz von Unified Communications (UC) bedeutet das zum Beispiel, dass Daten aus unterschiedlichen Quellen, Mitarbeitern und Teams virtuell über Portaltechnologien in Konferenzräumen zugänglich gemacht werden.

Aktuell diskutieren sowohl Systemintegratoren auf der Prozess- und Applikationsseite, aber auch Hersteller von Routing- und Switchingprodukten sowie Carrier den Trend aus drei unterschiedlichen Perspektiven. Im Kern eines daraus entstehenden Dreiecks steht der Kunde, der sich einheitliche Lösungen für eine effizientere Kommunikation wünscht. Das Stichwort ist die Konvergenz zwischen Netzwerk, Applikationen und Prozessen. Dabei bildet das IP-Netzwerk eine Art Klebstoff, der Video- und Sprachdaten verbindet. IP-Netze sind der Kern und die Basis von UC-Strategien.

IP wird zum Standard

IP wird zum Standard

Aktuelle Kundenprojekte belegen, dass sich globale Unternehmen für die integrierte Kommunikation rüsten: Netze werden zentralisiert und weltweit auf IP als Standard-Kommunikationsprotokoll migriert. Diese Harmonisierung muss auf der einen Seite für Voice over IP (VoIP) mit Quality of Services einhergehen, aber vor allem mit der Routing- und Switchingtechnologie des Carriers abgestimmt sein. Eine Integration von weltweit standardisierten Softswitch-Technologien des Carriers zu gängigen Groupware-Anwendungen ist hier die notwendige Voraussetzung.

Auf den IP-Netzen bauen VoIP-Anwendungen, Instant Messaging (IM), Presencelösungen, E-Mail-Systeme mit entsprechenden Kalenderfunktionen sowie unterschiedliche Prozess- und geschäftkritische Anwendungen auf. Bei den Groupware-Applikationen handelt es sich meist um Standardsoftware. Die Herausforderung wird künftig in der Verknüpfung von Unified Communications zu Front- und Backofficeapplikationen liegen.

Laut Gartner werden sich künftig ganzheitliche, auf Prozesse zugeschnittene IT-Strategien durchsetzen, mit einem gesonderten Fokus auf Ad-hoc-Kommunikation und den der Zusammenarbeit. Übertragen auf die aktuelle Situation bedeutet dies, dass Groupware-Funktionalitäten sich nicht nur auf E-Mail beziehen, sondern vielmehr um Instant-Messaging-, Webconferencing- und VoIP-Anwendungen ergänzt werden.

Hohes Marktpotenzial

Dieser Verschmelzung in kleinen Schritten wird von Marktbeobachtern viel Bedeutung beigemessen: Laut Radicati Group beziffert sich der Gesamtmarkt von Unified Communications allein auf der Seite der Serviceprovider in den nächsten drei Jahren auf 19,8 Milliarden Dollar.

Die Herausforderung im Kleinen hat jedoch einen größeren Rahmen: Je mehr Kanäle gebündelt werden, umso komplexer wird es, die Rechtskonformität bei der Bereitstellung, Archivierung, dem Abruf und der Verteilung der Inhalte aus allen Kommunikationsprozessen zu gewährleisten. Compliance und Unified Communications sind jedoch kein Widerspruch, wenn die UC-Strategie in eine unternehmensweite zentrale Sicherheitsstrategie eingebunden ist.

Kulturelle Unterschiede

Kulturelle Unterschiede

Der Trend geht zu integrierten Strategien und Lösungen. Laut der im Januar 2007 veröffentlichten Gartner-Studie "A Framework for Unified Communications" wirkt sich die integrierte Kommunikation positiv auf die Produktivität der Mitarbeiter, der Teams und des Gesamtunternehmens aus. Die verschiedenen Kommunikationsmethoden werden gesteuert, verwaltet und integriert.

Erreicht wird dies zum einen durch die Bereitstellung integrierter UC-Frameworks für alle Mitarbeiter sowie die Konvergenz und Integration verschiedener Medien, Netze, Telefoniesysteme und Anwendungen. Zum anderen ist die konsolidierte Steuerung dieser Systeme entscheidend.

Ein umfassendes Vertrauen in die integrierte Kommunikation wird zunächst jedoch die Ausnahme bleiben. Vielmehr könnten sich UC-Strategien wie der VoIP-Einsatz entwickeln: sukzessive und anfänglich in Kombination mit traditionellen Kommunikationsmethoden wie zum Beispiel der Festnetztelefonie.

Aktuell scheint es, als wäre das Management des gesamten Sprach- und Datenverkehrs über WAN, LAN und per Fernzugriff von mobilen Geräten die Herausforderung einer UC-Strategie. Unterschiede in der Zusammenarbeit, die oft auch kulturell bedingt sind, fassten Frost & Sullivan, Verizon Business und Microsoft  in ihrer Studie "Meetings around the world" 2006 zusammen: In den USA wird vermehrt allein gearbeitet, E-Mails werden bevorzugt, während Europäer Teamwork schätzen und häufiger den persönlichen Kontakt suchen.

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