ProSiebenSat.1 Warum Google gefährlich ist

Guillaume de Posch setzt trotz des Renditedrucks durch die Investoren KKR und Permira auch künftig auf Expansion. Der ProSiebenSat.1-Chef erwartet weitere Übernahmen auf Europas Fernsehmarkt, überlässt im Poker um die Fußball-Bundesliga das Feld der Konkurrenz und sieht die größte Herausforderung für TV-Anbieter im Internet.

Hamburg - Guillaume de Posch ist ein Zahlenmensch. So bezeichnen die Medien den für seine Sparmaßnahmen bekannten Manager, so definiert er sich auch selbst. "Aber nicht nur", sagt der Vorstandsvorsitzende des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1  am Montagabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten .

Im persönlichen Gespräch wird schnell deutlich, dass seine angedeutete Leidenschaft abseits der Zahlen dem Sport gehört. Der drahtige Belgier, der jünger wirkt als 49 Jahre, schwärmt für Rugby und bedauert, dass diese Sportart in Deutschland so wenig Beachtung findet - trotz der derzeit in Frankreich ausgetragenen Weltmeisterschaft.

"Gegen Fußball hat Rugby in Deutschland leider keine Chance", so de Posch. Doch auch für diese Sportart kann er sich begeistern, er ist Fan von Bayern München: "Diese Mannschaft zählt etwas in Europa. Und Franck Ribery ist der neue Superstar der Bundesliga", schwärmt de Posch über den französischen Nationalspieler im Dienste des deutschen Rekordmeisters - seine Augen leuchten.

Doch mit seiner Freude am FC Bayern schließt sich auch der Kreis zum Zahlenmenschen, denn der Verein spielt derzeit im Uefa-Cup. Und für diesen Wettbewerb hat sich der Privatsender ProSieben die Übertragungsrechte der Heimspiele bis zum Achtelfinale gesichert. Spielt Bayern München erfolgreich, freut sich also nicht nur de Poschs Fußballherz, auch die Einschaltquoten stimmen dann bei dem Sender, der zuvor nicht im Fußball engagiert war. Um die Bundesliga-Rechte will er aber nicht mitbieten, das sei im Free-TV nicht finanzierbar.

"Am Ende des Tages" - so die liebste Redewendung des Fernsehmanagers - sind die Quoten enorm wichtig für de Posch, der in ganz Europa die Verantwortung für 24 Pay-TV, 22 Radio- und 24 werbefinanzierte TV-Sender trägt. In Deutschland sind das neben ProSieben und Sat.1 auch Kabel 1, N24 und Neun Live. Für ein weiteres Wachstum der Gruppe schließt der Manager Zukäufe, vor allem in Osteuropa, nicht aus. Die Konsolidierung auf dem Fernsehmarkt gehe weiter.

Dabei gilt für de Posch die Aussage "Qualität ist für uns Quote. Wenn Qualität keine Quote bringt, ist für uns das Spiel vorbei." Schnell ergänzt er, dass die Rendite genauso wichtig für ihn sei wie die Programminhalte. Wer von den Sparplänen des TV-Konzerns betroffen ist, glaubt das sofort. Doch immerhin gibt ProSiebenSat.1 in Deutschland in diesem Jahr rund 650 Millionen Euro für eigene Produktionen aus, für 450 Millionen Euro werden zudem Lizenzen eingekauft.

"Die Balance ist gefährdet"

"Die Balance ist gefährdet"

Deutlich grenzt sich de Posch vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen ab, das für ihn fast ausschließlich für Information und Sport steht. "Hier sehe ich die Balance gefährdet", sagt de Posch und mokiert sich über den Wechsel des Comedy-Leichtgewichts Oliver Pocher, der bei ProSieben bekannt wurde, zur ARD: "Wenn Pocher plötzlich dorthin geht, dann habe ich meine Zweifel".

Gleiches gelte auch für Bruce Darnell, Heidi Klums Laufstegtrainer und Jurymitglied der Sendung "Germany's Next Topmodel" (ProSieben), der den gleichen Weg wie Pocher eingeschlagen hat.

Doch als Hauptgefahr für ProSiebenSat.1, auf dem privaten Fernsehmarkt in Europa seit dem 3,3-Milliarden-Euro-Zukauf der Sendergruppe SBS die Nummer zwei hinter RTL, identifiziert de Posch das Internet.

"Die Googles und Yahoos dieser Welt sind die größte Herausforderung für die Fernsehbranche", so der TV-Experte, "ich bin überzeugt, dass die Internetfirmen massiv in den Bewegtbildbereich drängen." Da die Inhalte immer wichtiger werden, hält de Posch sogar den Kauf einer Fernsehkette durch ein Unternehmen wie Google  für möglich.

Zur Stärkung seines Internetgeschäfts setzt de Posch auf die Plattform Myvideo.de und das kürzlich erworbene Billiger.de, weitere Akquisitionen im Onlinebereich sind geplant. Wichtig sei, den Kunden nicht nur das Fernsehen, sondern auch das Internet als Werbeumfeld anzubieten.

"Alle unsere Inhalte sollen in Zukunft komplett digital werden", so der Vorstandschef. Eine neue IT-Software ist dazu notwendig, die eigene Produktionssparte PSP bracht dafür jedoch Hilfe von außen. Hier verhandelt der Konzern mit Unternehmen wie IBM Deutschland, Siemens , Thomson  und Red Bee (vormals BBC Broadcast) - daraus macht de Posch in Hamburg kein Geheimnis: "Eine Lösung soll bis Ende des Jahres gefunden werden."

Zukunft in Unterföhring

Zukunft in Unterföhring

Den Einstieg von Finanzinvestoren in sein Unternehmen hat er schon hinter sich, Permira und KKR  besitzen bei ProSiebenSat.1 die Mehrheit - der Zahlenmensch blieb jedoch an der Unternehmensspitze, auch um Sparmaßnahmen durchzusetzen und so die Milliardenschulden abzubauen, die sich durch den Kauf der europäischen Sendergruppe SBS angehäuft haben.

120 Millionen Euro Bußgeld durch das Kartellamt kamen kürzlich nach dem Vorwurf illegaler Preisabsprachen dazu. "Das wird unser Ergebnis in Deutschland dieses Jahr belasten", sagt de Posch. Für Probleme sorgt auch der Sender Sat.1 - Umsatz und Ergebnis waren hier zuletzt rückläufig.

Für die Integration von SBS nennt de Posch einen Zeitraum von "12 bis 18 Monaten". Die Frage, ob danach seine Aufgabe bei der Sendergruppe mit Sitz in Unterföhring bei München erfüllt sei, verneint der seit 2004 an der Konzernspitze stehende Manager. Seine Zukunft sieht der Vater von drei Kindern weiterhin bei ProSiebenSat.1 - auch, wenn er im Februar 2008 seinen 50. Geburtstag feiert und damit aus der gern für das Fernsehen als werberelevant genannten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen fällt.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.