E-Books Digitale Schmöker

Zukunftsmusik sind E-Books schon lange nicht mehr. Die Technik steht und auch die Verlage haben die digitale Lektüre längst als Einkommensquelle entdeckt. Dennoch will der Markt nicht richtig in Schwung kommen. Der Grund: Die Branche tut sich mit den Rechten schwer.

Frankfurt am Main - Viele Verlage machen mit digitalisierter Lektüre gute Geschäfte. Nur der Buchhandel ist sich über das Konzept, wie die Datenliteratur in das Sortiment integriert werden kann, noch nicht einig. Als Ausrichter der Buchmesse ging der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zwei Tage vor der Eröffnung mit der Meldung an die Öffentlichkeit, dass "für den Buchladen viele das Todesurteil aussprechen". Ob es so weit kommt, steht aber alles andere als fest.

Grundlage der Einschätzung des Börsenvereins ist eine von ihm selbst durchgeführte Umfrage, an der sich über 1300 Verlagsleute aus 86 Ländern beteiligten. Tatsächlich vermutete von ihnen nur ein knappes Viertel (23 Prozent), dass der "klassische Buchladen" in 50 Jahren aus der Verlagslandschaft verschwunden sein könnte. 56 Prozent waren dagegen der Ansicht, es werde sich kaum etwas Wesentliches ändern. Den Untergang des "klassischen Buchs" prophezeiten gar nur 11 Prozent der Fachleute.

Branchenintern glaubt man offenbar nicht, dass das "Todesurteil" für den Buchhandel gefällt ist. Einhellig wird die Digitalisierung des Buchs zum E-Book nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung verstanden. Große und kleine Verlage sind bereits vor Jahren in das neue Geschäft eingestiegen. Zum Beispiel der Campus-Verlag in Frankfurt am Main. "Wir vertreiben E-Books seit 2002 und wollen deren Umsatzanteil demnächst auf 10 Prozent steigern", sagt Franziska Hildebrand, Rechte-Managerin bei Campus.

Campus und andere Verlage hätten solche Margen schon jetzt gern erreicht, aber die Branche tut sich schwer beim Rechtehandel mit E-Books. Über finanzielle Implikationen für digitale Rechte bei Einkünften aus Downloads, Subskription, Pay-per-View (Zahlung pro Betrachtung) oder zugeschalteter Werbung herrscht bei Partnern oft heillose Verwirrung. "Besonders schwierig wird es, wenn wir Rechte aus dem Ausland einkaufen wollen", sagt Hildebrand. Ohne Rechtevereinbarung zur Digitalisierung kauft Campus in Deutschland gar nicht mehr ein.

"Unsere Rechtsabteilung schreibt alle paar Wochen die Verträge um", stöhnt Hildebrand. Sind die Vertragsprobleme endlich geklärt, ist der E-Book-Absatz ganz einfach. Auf ihren Homepages stellen die Verlage Sach- und Fachbücher und zunehmend auch Belletristik ein, die gegen Bezahlung kapitelweise gelesen oder komplett heruntergeladen werden können. Wer bei Campus in dem Ratgeber "Simplify your Love" erst kostenlos geblättert hat, kann sich anschließend beispielsweise in das Kapitel "Das Liebeszelt" für 3,56 Euro online vertiefen.

Für insgesamt 16,91 Euro ist die abendfüllende Lektüre über die Vereinfachung des Liebeslebens komplett aus dem Internet als PDF zu empfangen, sähe ausgedruckt dann aber auf dem Nachttisch weniger schmuck aus als der gebundene 367-Seiten-Band, der im Buchhandel für 19,90 Euro zu haben ist.

Größere Verlage haben meist Hunderte von Büchern im Programm, die sie auch per Internet häppchenweise oder als Vollversion anbieten. Der britische Fachverband kam in seinen Empfehlungen für seine Mitglieder jüngst zu dem einfachen Schluss, dass auch Buchhändler künftig über eine Internetpräsenz E-Books im Angebot haben sollten. Ihr Marktvorteil bestünde dann in einem nicht verlagsgebundenen Sortiment, was für den Printbereich schon immer galt.

Überschneidungen der Vertriebskanäle müssten nicht problematisch sein. Sie bestehen längst. Bei Campus konnte sich auch schon vergangenes Jahr jeder den gebundenen Liebesratgeber zum Buchhändlerpreis direkt per Post bestellen. Der Buchhandel verzeichnete 2006 trotzdem ein Umsatzplus.

Stefan Höhle, ddp