manager-lounge Gut geplant, gut vernetzt

Millionen Menschen sind in virtuellen Netzwerken miteinander verbunden. Aber nicht nur für die Karriere taugt die Vernetzung. Für Unternehmen etwa lohnt es sich, themenspezifische Netzwerke für Kunden und Mitarbeiter zu gründen. Wichtig dabei ist es, gut zu planen und seine Ziele genau zu kennen.
Von Susanne Theisen-Canibol

Hamburg - Im Global Village der Online-Plattformen kann der berufliche Erfahrungsaustausch mit dem Branchenexperten in Sydney leicht zwischen den virtuelle Besuch bei einer früheren Studienkollegin und die Verabredung in der Kneipe um die Ecke am nächsten Abend mit Kollegen gelegt werden. Die Konzentration in der Medienberichterstattung auf die großen Netzwerke OpenBC/Xing, LinkedIn, Viadeo, MySpace oder Studi-VZ aber lässt den Eindruck entstehen, dass online-gestützte soziale Netzwerke in erster Linie das breite Massenpublikum im Blick haben und auch nur dafür geeignet seien.

"Ganz falsch", sagt Castulus Kolo. Der Professor für Medienmanagement an der Macromedia Fachhochschule der Medien in Stuttgart ist überzeugt, dass sich soziale Netzwerke künftig in sehr vielen Themenumfeldern etablieren werden: "Für einen Sport- oder einen Kunstverein kann sich die Anlage eines Online-Netzwerks ebenso lohnen wie für eine berufsständische Organisation."

Nach einer Studie der Gesellschaft für Kommunikation (GfK) und der Marketingagentur Robert & Horst aus dem Jahr 2006 wünschen sich regelmäßige Nutzer von Online Social Networks einen virtuellen Erfahrungsaustausch zu den Themen Businesskontakte (63 Prozent), gefolgt von den Themenfeldern Kunst/Kultur/Musik (42 Prozent), Sport (33 Prozent), Lokales (31 Prozent) und Politisches (25 Prozent).

Informationsaustausch mit hohem Qualitätsanspruch

Eine ganz neue Entwicklung hat Kolo ebenfalls im Blick: Für Unternehmen lohnt es sich, themenspezifische soziale Netzwerke für Kunden und Mitarbeiter zu starten. Jens Hoppe, Geschäftsführer der Münchener Contens Software GmbH, stellt generell einen Trend zu geschlossenen Netzwerken überall dort fest, wo es um Informationsaustausch mit hohem Qualitätsanspruch geht: "Interne Firmennetze und exklusive Netzwerke, für die man sich qualifizieren muss, kommen immer stärker."

Insbesondere Mitarbeiter in Großunternehmen profitieren davon, wenn sie in einem internen Netzwerk mit wenigen Klicks herausfinden können, welcher Kollege beispielsweise Niederländisch spricht, über Auslandserfahrungen im Baltikum verfügt oder schon einmal mit einem bestimmten Dienstleister zusammengearbeitet hat. "Seit jeher stellen wirklich gute Tipps einen Wert dar. Deshalb werden diese mit Personen getauscht, zu denen man einen Bezug hat und von denen man vielleicht irgendwann einmal etwas zurückbekommen kann - das gilt auch für Online Social Networks", stellt Hoppe fest.

Neue Netzwerke stehen dabei vor der Herausforderung, die technisch und kostenmäßig angemessene Lösung zu finden. Jeder Anbieter kann für diese Zwecke White-Label-Lösungen nutzen. Die alte OpenBC-Plattform beispielsweise ist heute technische Grundlage für über 50 deutschsprachige Premium-Netzwerke - vom Music People Network für Professionals aus Musik, Film und Medien über ein Businessportal für die Region Berlin-Brandenburg bis hin zu Alumni-Communities.

Welchen Nutzen hat der Anwender?

Welchen Nutzen haben die Anwender?

Auch die manager-lounge, der exklusive Business-Club von manager magazin im Web, hat eineinhalb Jahre lang diese Online-Plattform genutzt. Der Vorteil: Anbieter können auf eine gelernte Netzwerk-Mechanik zurückgreifen und das Modul ihrem Corporate Design anpassen. Der Nachteil: Diese Lösungen sind nicht individuell konfigurierbar.

Eine interessante Alternative hierzu ist es, sich in ein bestehendes Netzwerk einzukaufen. Dabei profitiert man nicht nur von bewährter Technik und speziell zugeschnittene Konfigurationen. Vielmehr erwirbt man damit auch einen Kundenstamm, der das Networking-Angebot gleich von Beginn an attraktiv macht.

Anbietern, die spezielle Bedürfnisse adressieren wollen, rät Castulus Kolo allerdings dazu, eine eigene Plattform zu bauen. Bei der Konzeption und Umsetzung des Online-Netzwerks für die manager-lounge hat er die Erfahrung gemacht, dass "der Erstellungsaufwand überschaubar" ist. Allerdings sei es empfehlenswert, die Projektanforderungen sehr präzise zu formulieren, will man Sackgassen, aufwändige Fehlerbehebungen und nachträgliche Modifikationen vermeiden.

"Für den Business-Club benötigten wir eine Plattform, die ausbaufähig ist, flexible Lösungen mit Mehrwert erlaubt, Content Management mit verschiedenen Zugriffrechten zulässt und den alleinigen Zugriff auf Daten gewährleistet", berichtet Patrick Smague. "Außerdem wollten wir das alles in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum kostengünstig realisieren." Als damaliger Vorstand der manager-lounge AG hatte Smague Anfang des Jahres in enger Zusammenarbeit mit Kolo die Konzeption vorangetrieben.

Klare Vorstellungen und ein ausgearbeitetes Konzept

Bei so komplexen Anforderungen bietet es sich an, das Netzwerk mit einem Dienstleister umzusetzen, der auf bereits vorhandene Grundmodule aufsetzen kann. "50-70 Prozent der Features eines Online Social Networks lassen sich mit vorproduzierten Elementen abbilden", weiß Jens Hoppe. "Damit kann man die Zeit zum Livegehen eines klar definierten Geschäftsmodells erheblich verkürzen."

Das Salz in der Suppe sind allerdings immer wieder Kernfeatures, die den eigentlichen Mehrwert eines Netzwerks ausmachen und projektspezifisch entwickelt werden müssen. Bei der manager-lounge waren diese zentralen Elemente ein spezieller Registrierungsprozess sowie regionale Veranstaltungen, die über die Plattform gebucht und abgerechnet werden können. Bei einem Wissenschaftlernetzwerk etwa ist eine Publikationsdatenbank als Kernfeature denkbar, bei einem Sportlernetzwerk Verabredungsfunktionen und Turnierplanung, bei einer Plattform mit Reisefokus eine Tipp-Datenbank mit Geodaten-Integration.

Grundvoraussetzung für die Installierung eines erfolgreichen Online Social Networks sind letztendlich aber sehr klare Vorstellungen der Netzwerkprozesse und ein ausgearbeitetes Konzept. Vor allem eine Frage muss nach Ansicht von Jens Hoppe von Anfang an im Mittelpunkt stehen: Welchen Nutzen hat der Anwender und ist dieser Nutzen für ihn relevant? Wer darauf nachvollziehbare Antworten hat, wird ein erfolgreiches virtuelles Netzwerk entwickeln können - unabhängig davon, wie groß die Community ist.

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