Bundesliga Kirch verhandelt mit Commerzbank

Das überraschende Comeback Leo Kirchs in der Fußball-Vermarktung muss noch finanziert werden. Der Unternehmer verhandelt mit der Commerzbank über eine Bürgschaft. Derweil stellen mehrere Vereine den Vertrag mit der Deutschen Fußball-Liga in Frage.

Hannover/Berlin - Die Commerzbank  verhandelt mit dem Medienunternehmer Leo Kirch über eine Finanzierung für dessen Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL). "Wir prüfen in der Tat ein mögliches Engagement, wir haben aber noch keine Entscheidung getroffen", sagte ein Commerzbank-Sprecher dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus habe aber keine Bürgschaft für Kirch abgegeben, noch bestehe in irgendeiner Weise eine Verpflichtung zu einer Bürgschaft. Er widersprach damit einem entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus".

Das Blatt hatte am Samstag in seiner Online-Ausgabe berichtet, die Commerzbank habe für Kirch die Bankgarantie für den jüngst erzielten Abschluss DFL über die Bundesliga-Rechte ab 2009 übernommen. Für die Garantie der von Kirch zugesagten 500 Millionen Euro pro Saison kassiere die Bank eine Million Euro pro Jahr, hieß es.

Schon in der vergangenen Woche war die Commerzbank als Bürge Kirchs genannt worden. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte der "Wirtschaftswoche" laut Vorabmeldung, ein "international renommiertes Finanzinstitut" werde die Erlösgarantie geben. Die Kirch-Firma Sirius werde "rechtzeitig" bekanntgeben, um welche Bank es sich handelt.

Die DFL hatte am Dienstag die Fernsehrechte an der Bundesliga ab der Spielzeit 2009/2010 für sechs Jahre an Leo Kirch und dessen neu gegründete Firma Sirius als Zwischenhändler vergeben. Dabei hatte es geheißen, die zugesicherten Einnahmen von insgesamt drei Milliarden Euro würden durch eine Bankgarantie abgesichert. Kirch und DFL machten bisher aber keine Angaben, welche Bank die Garantie übernehmen werde.

Unmut in der Bundesliga

Unmut in der Bundesliga

In der Bundesliga wächst der Unmut über den Deal. Mehrere Vereinsvertreter kritisierten die Entscheidung der DFL, die Vermarktung der Bundesliga-TV-Rechte von 2009 bis 2015 an die Kirch-Agentur Sirius zu übertragen. Der Hamburger SV will nach Angaben der "Bild am Sonntag" den Vertrag sogar juristisch prüfen lassen.

Die Hamburger hatten bei der Abstimmung als einziger der 36 deutschen Proficlubs gegen die erneute Zusammenarbeit mit Kirch gestimmt. Auf die Frage, ob er juristisch gegen den Abschluss vorgehen werde, hatte der HSV- Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) noch mit "Nein" geantwortet.

"Ich stelle grundsätzlich in Frage, ob man das Agenturmodell braucht. Ich hätte eine Menge Sympathie dafür, alles selbst auszuverhandeln", bekräftige Hoffmann in der "Süddeutschen Zeitung" seine Kritik. Er halte es für "komplett falsch", einen Entschluss dieser Tragweite in solcher Eile durchzuziehen. Die Argumentation der DFL-Geschäftsführung, dass das Angebot von Kirch bei zeitlicher Verzögerung kurzfristig zurückgezogen werden könnte, habe sich ihm nicht erschlossen, so Hoffmann.

Auch Hertha BSC monierte das Agenturmodell und den Verzicht auf die Ausschreibung der Rechte. "Es ist zu hinterfragen, ob die Kirch-Agentur die einzige ist, die die Vermarktung der Fernsehrechte übernehmen kann", erklärte Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller der "Berliner Morgenpost". Der Berliner Club hatte sich mit sechs anderen Vereinen bei der Abstimmung enthalten. 28 Proficlubs stimmten für den Vertrag. "Wir sahen uns außerstande, wegen der Kurzfristigkeit der Informationen und der wirtschaftlichen Bedeutung eine Zustimmung zu erteilen", begründete Schiller das Abstimmungsverhalten.

Neben der langen Laufzeit von sechs Jahren wird bei den Vereinen vor allem die Verteilung der TV-Honorare kritisch diskutiert. Die Kirch-Tochter Sirius hat der DFL pro Saison 500 Millionen Euro garantiert. Dafür muss die Firma eine Bankbürgschaft vorlegen. Wird beim Verkauf der Rechte mehr Geld erlöst, profitiert davon vor allem Kirch. Bei einem Betrag bis 600 Millionen Euro kassiert er 90 Prozent, danach ist er mit 50 Prozent beteiligt.

"Sagen wir mal, 2013 generieren wir 750 Millionen Euro. Bei 750 Millionen verdient Kirch 165 Millionen Euro. Die Liga 585. Da hatten einige Bedenken", erläuterte Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen in der "Bild am Sonntag" ein Rechenbeispiel.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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