SAP-Chef Kagermann Der neue Ellison?

Fast fünf Milliarden Euro will SAP-Chef Henning Kagermann für die Softwarefirma Business Objects ausgeben. Der Preis erinnert an die Milliardenkäufe von Kagermanns Erzfeind Larry Ellison. Will SAP jetzt ebenso wie Oracle überwiegend mit fremder Hilfe wachsen?

Hamburg - "Unser Wachstum schaffen wir aus eigener Kraft", verkündete SAP-Chef Henning Kagermann noch im Mai auf der Hauptversammlung in Mannheim. Der Softwarekonzern wolle anders als Erzfeind Oracle  ohne große Zukäufe auskommen und lieber organisch wachsen.

Kein Wunder, dass die aktuellen Übernahmepläne die Anleger verunsichern: Rund 4,8 Milliarden Euro will SAP  für die französisch-amerikanische Softwarefirma Business Objects  ausgeben - das ist der größte Zukauf in der Geschichte des Unternehmens. Nach Bekanntgabe der Pläne fiel die SAP-Aktie um 5 Prozent auf knapp 40 Euro und blieb auch im Handelsverlauf der größte Verlierer im Dax.

"Der offensichtliche Widerspruch zu der bisherigen Strategie hat die Investoren kalt erwischt", meint Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck & Co gegenüber manager-magazin.de. Dennoch interpretiert der Analyst die Übernahme nicht als Strategiewechsel: "SAP hat einfach eine sich bietende Gelegenheit wahrgenommen", so Kitz. Schließlich passe Business Objects gut in die Produktpalette des Softwarekonzerns. Außerdem sei SAP in Frankreich schon immer schwach gewesen.

Verpasste Chance?

Auch Kagermann sieht in dem Zukauf keinen Wechsel der bisherigen Strategie. SAP werde "mit der Transaktion sein Wachstum im Bereich Geschäftskunden beschleunigen und zugleich den Weg des erfolgreichen organischen Wachstums weiter beschreiten", erklärte der Konzernchef.

Dass die Anleger dies anders sehen und an der Börse für einen kräftigen Kursrutsch sorgten, sollte Kagermann allerdings zu denken geben. Neben der Aufgabe der bisherigen Linie stößt auch der hohe Kaufpreis den Anlegern übel auf. Bislang hatte SAP nie mehr als 400 Millionen Dollar für eine Übernahme gezahlt.

Und auch diese Firma hätte der Konzern billiger haben können. Im März dieses Jahres wäre das Papier noch für 26 Euro zu haben gewesen; jetzt zahlt SAP mit 42 Euro fast das Doppelte. "Unsere Prioritäten lagen bisher woanders, sodass wir einfach keine Managementkapazitäten für eine Übernahme frei gehabt hatten", erklärt Kagermann den späten Zugriff.

Dass diese Kapazitäten nun mir nichts, dir nichts da sein sollen, mag nicht jeder glauben. Ulrich Trabert vom Bankhaus Metzler befürchtet, dass die Anleger nun möglicherweise die Glaubwürdigkeit der Konzernführung in Frage stellen.

"Übernahme wird sich lohnen"

"Übernahme wird sich langfristig lohnen"

Auch die Gewinn- und Umsatzwarnung von Business Objects, die das Unternehmen am Sonntagabend kurz nach Veröffentlichung des SAP-Übernahmeangebots für das dritte Quartal herausgegeben hat, verunsichert die Anleger. "SAP hätte hierbei intelligenter vorgehen sollen und zum Beispiel den Kaufpreis an bestimmte Bedingungen wie den Gewinn im kommenden Jahr knüpfen können", so Experte Kitz.

Insgesamt bewerten die Analysten die Übernahme allerdings nicht so negativ wie die Börse am Montag. "Das ist sicherlich kein Deal, der Begeisterung hervorruft, aber dennoch wird sich die Übernahme langfristig für SAP lohnen", glaubt Trabert.

Schließlich müssen sich die Walldorfer neue Marktsegmente suchen, damit das Wachstum nicht an Dynamik verliert. Im Kerngeschäft mit Lizenzen für Großkunden stößt SAP  an seine Grenzen, der Markt ist weitgehend abgegrast. Dennoch hat sich Kagermann vorgenommen, bis 2010 das Marktpotenzial zu verdoppeln. Deshalb konzentriert sich SAP nun zunehmend auf kleinere Firmen. Erst vergangenen Monat stellten die Walldorfer ihre neue Mittelstandssoftware namens Business By Design vor.

Dank Business Objects verdoppelt sich die Kundenanzahl von SAP nun mit einem Schlag auf rund 80.000 Unternehmen. "Von den rund 44.000 Business-Objects-Kunden sind allerdings nur etwas mehr als die Hälfte wirkliche Neukunden, da ein großer Teil der Unternehmen bereits SAP-Produkte nutzen", relativiert Experte Kitz.

"Anleger müssen Geduld haben"

Neben dem vergrößerten Kundenstamm baut SAP mit der Übernahme auch seine Produktpalette aus. Business Objects gilt als Pionier im Bereich Business Intelligence. Die Software der 1990 gegründeten Firma bereitet Managern Informationen über die Geschäftslage auf und soll so dazu beitragen, Entscheidungen schneller treffen zu können. Diese Lösungen zur strategischen Unternehmenssteuerung bietet SAP bislang nicht an, obwohl der Bereich Business Intelligence zu den am stärksten wachsenden Märkten auf dem Markt für Unternehmenssoftware gilt. "Wir vereinen zwei Unternehmen, die jeweils Marktführer in komplementären Bereichen sind", begründet Kagermann den Zukauf.

Was der SAP-Chef nicht erwähnt, ist der heiße Atem von Oracle-Chef Ellison, den Kagermann im Nacken spürt. Oracle übernahm schon im Frühjahr den Business-Objects-Konkurrenten Hyperion für rund 2,4 Milliarden Euro. Für seine Bemühungen, Marktführer SAP vom Thron zu stoßen, gab Oracle seit 2005 insgesamt 15 Milliarden Euro aus.

Für die Anleger von SAP dürfte es deshalb eine grauenhafte Vorstellung sein, sollte der Softwarekonzern seine Einkaufstour im Oracle-Maßstab fortsetzen. Schon jetzt steht fest, dass das kommende Jahr für SAP ein Jahr mit vielen Belastungen wird. Zu den hohen Ausgaben für die neue Mittelstandssoftware kommen die Kosten für die Übernahme und Integration von Business Objects. "Die Anleger werden bis 2009 warten müssen, bis sich die Übernahme finanziell positiv auswirkt", erwartet Experte Kitz.

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