T-Systems Notfalls als Juniorpartner

T-Systems sucht nach einem Partner, so dringend, dass die Deutsche-Telekom-Tochter auch auf Mitsprache verzichten würde. Dafür stimmt das Unternehmen seine Mitarbeiter auf einen weiteren Stellenabbau ein.

Frankfurt am Main - Die Partnersuche der Deutschen Telekom  für ihre Geschäftskundensparte T-Systems nähert sich offenbar einem Abschluss. "Es gibt sehr konkrete Verhandlungen mit mehreren potentiellen Interessenten", sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Gespräche konzentrieren sich nach seinen Angaben auf das Geschäftsfeld Systems Integration (SI) mit rund 15.000 Mitarbeitern. Auch für zwei andere Teilsparten mit zusammen 4000 Beschäftigten prüfe der Konzern eine Auslagerung. Die Telekom will mehr Stellen für hochqualifizierte Softwarefachleute im Ausland ansiedeln, um die im Vergleich zu Wettbewerbern zu hohen Kosten zu drücken.

"Wir benötigen einen starken internationalen Partner für den Bereich Systems Integration. Das übrige Geschäft der netzzentrierten Lösungen aus Informations- und Kommunikationstechnik verbleibt bei T-Systems und wird ausgebaut", sagte Eick. Die Systemintegration und Anwendungsentwicklung sollen zusammen mit dem Partner erfolgen, der Netzbetrieb würde komplett bei der Telekom bleiben. In der Partnerschaft sei die Telekom bereit, sich auch mit der Rolle des Juniorpartners zufrieden zu geben. "Rein theoretisch" könne ihr Anteil sogar Null betragen, sagte Eick.

France Telecom als Vergleichsgröße

Die Planungen für T-Systems könnten im Konzern Arbeitsplätze kosten und sogar Entlassungen nach sich ziehen. Eick deutete eine längerfristige Zielvorgabe für die Senkung der im internationalen Vergleich ungewöhnlich hohen Arbeitskosten im Gesamtkonzern an. Als Maßstab nannte er die France Telecom , wo die Personalkosten etwa 17 Prozent des Umsatzes beanspruchen.

Bei der Deutschen Telekom waren es im vorigen Jahr ohne die Sonderlasten durch das laufende Stellenabbauprogramm gut 22 Prozent. Bei unverändertem Umsatz müsste der Bonner Konzern seine Personalausgaben um mehr als ein Fünftel reduzieren, um den Vergleichswert der Franzosen zu erreichen.

Bisher war es der Telekom gelungen, den Personalabbau sozialverträglich durch Angebote für ein Ausscheiden aus dem Konzern zu bewältigen. "Dieser Weg hat für uns Priorität. Er wird aber immer schwieriger, weil die Zahl der Beschäftigten abnimmt, die sich durch solche Angebote angesprochen fühlen", deutete Eick einen Strategiewechsel an.

Als erste könnten ihn die rund 55.000 Mitarbeiter von T-Systems zu spüren bekommen. "Wir haben betriebsbedingte Kündigungen bei T-Systems nie ausgeschlossen", sagte Eick. Etwa 4.600 Beschäftigte sind bereits angeschrieben worden, um ihren Sozialstatus abzufragen. Sie werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie im kommenden Jahr möglicherweise von einer Kündigung betroffen sein könnten. Das laufende Personalumbauprogramm sieht für T-Systems den Abbau von 5500 Mitarbeitern bis Ende 2008 vor. Es ist bislang von 5100 Beschäftigen angenommen worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx