Balda Produktion wandert nach Asien

Der im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone geratene Handyausrüster Balda gibt seine Produktionen in Europa weitgehend auf. Die Werke in Deutschland und Ungarn, in denen Balda Gehäuse für Handys produziert, sollen verkauft werden. Das Unternehmen folgt stattdessen seinen Kunden nach Asien.

Bad Oeynhausen - Ziel sei es, die Sparte Balda Solutions Europa möglichst noch im laufenden Jahr zu verkaufen, teilte Balda  mit. Erste Sondierungsgespräche mit Interessenten liefen. "Es geht nicht um Entlassungen, sondern um einen Verkauf", betonte Firmensprecher Clas Röhl. Gleichzeitig will sich Balda stärker auf das vielversprechende Geschäft mit berührungsempfindlichen Bildschirmen und auf Asien konzentrieren. Balda liefert Touchscreens für das Mobiltelefon des US-Konzerns Apple .

Die Zukunft des Unternehmens liege in Asien, dort produzierten die wichtigen Hersteller von Mobiltelefonen, sagte Balda-Vorstandschef Joachim Gut. Tatsächlich war Baldas Europa-Geschäft in den vergangenen Monaten eingebrochen. Im vergangenen Jahr rutschte das Unternehmen in die Verlustzone. Zuletzt machte das Europa-Geschäft nur noch ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Auch im dritten und vierten Quartal werde der Bereich rote Zahlen schreiben, so Balda.

In Asien sei das Unternehmen dagegen "hervorragend aufgestellt", sagte Vorstand Gut und verwies auf beispielsweise auf die chinesische Touchscreen-Tochter TPK. Nach Röhls Angaben sollen die Gehäuse nun ebenfalls verstärkt in Asien hergestellt werden. Bisher fertigt Balda Solutions Europa in Bad Oeynhausen mit rund 500 Mitarbeitern, in Ungarn mit 150 eigenen Leuten und etwa 250 Mitarbeitern von Zeitarbeitsfirmen die Hüllen. Es gebe Interesse auch an den qualifizierten Mitarbeitern, betonte Balda.

Gewinner an der Börse

Die Sparte Balda Medical soll dagegen Teil des Konzerns bleiben. Dieser Bereich entwickele sich besser als geplant und werde im laufenden Jahr das Umsatzziel von 25 Millionen Euro deutlich übertreffen.

Trotz eines Gewinneinbruchs im ersten Halbjahr peilt Balda für das Gesamtjahr 2007 weiterhin ein positives Vorsteuerergebnis an. Auch für 2008 gelten den Angaben zufolge unverändert positive Erwartungen. Zuvor hatte das Unternehmen die Prognose für das Jahr 2007 gekappt, eine neue Prognose wurde nicht genannt. Ursprünglich plante Balda für 2007 einen Umsatz von 600 bis 650 Millionen Euro und einen Vorsteuergewinn von 50 bis 55 Millionen Euro.

An der Börse kam der angekündigte Verkauf der deutschen Werke gut an. Die Balda-Aktien gewannen zeitweise fünf Prozent an Wert und gehörten zu den größten Gewinnern im SDax . "Der Schritt ist folgerichtig nach der erkennbaren Schwäche des Bereichs im Halbjahr", sagte ein WestLB-Analyst.

Das Unternehmen hatte sich bereits 2006 von Firmenteilen und damit von 1000 seiner 1600 Mitarbeiter in Deutschland getrennt. Der Zulieferer reagierte damit unter anderem auf die Pleite seines Kunden BenQ Mobile. Erst im vergangenen Jahr war Balda in das Touchscreen-Geschäft eingestiegen und hatte zu Jahresbeginn mit dem neuen Handy iPhone von Apple den ersten Großauftrag in dem Bereich an Land gezogen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters