Microsoft XP verdrängt Vista

Microsofts Betriebssystem Windows Vista wird nach wie vor von vielen Unternehmen verschmäht. Deshalb will der Softwarekonzern sein altes System Windows XP jetzt länger als geplant auf dem Markt anbieten.

Redmond - PC-Hersteller wie Hewlett-Packard  (HP) und Dell  könnten ihre Computer bis zum 30. Juni 2008 mit dem Betriebssystem Windows XP statt mit Vista ausstatten, teilte Microsoft  am Freitag mit. Der Konzern habe sich auf Wunsch seiner Kunden für die Verlängerung entschieden, hieß es.

"Es geht darum, den Leuten mehr Flexibilität zu geben", sagte Microsoft-Manager Shanen Boettcher. Mit der Verlängerung hätten die Kunden jetzt 18 Monate Zeit für eine Umstellung.

Noch Anfang der Woche wollte der weltgrößte Softwarekonzern wie ursprünglich geplant das Geschäft mit XP im kommenden Januar einstellen. Bislang legen die großen Computerhersteller wie Fujitsu-Siemens, HP und Dell ihren Vista-Rechnern vielfach zumindest eine DVD mit XP zum sogenannten Downgrade bei, da nach wie vor eine große Nachfrage nach dem älteren Betriebssystem besteht.

"Vor allem kleinere Unternehmen benötigen zusätzliche Zeit, um ihre Anwendungen auf das neue Betriebssystem anzupassen", sagte HP-Manager John Dayan. Wenn eine Firma nicht über das nötige technische Personal verfüge, sei ein Umstieg deutlich komplizierter.

In Schwellenländern will Microsoft die "Starter Edition" von Windows XP sogar noch bis Mitte 2010 anbieten. Das neue Betriebssystem Vista benötigt deutlich mehr Prozessorleistung und Speicher als sein Vorgänger. Mit Vista hatte Microsoft nach vielfachen Verzögerungen Anfang des Jahres nach mehr als fünf Jahren einen Nachfolger für Windows XP veröffentlicht. Die Computerindustrie hatte sich von der neuen Software eine deutliche Belebung des Geschäfts erhofft, wurde aber enttäuscht.

Während manche Branchenbeobachter die anhaltende Nachfrage nach XP als Niederlage für Vista werten, spricht Microsoft von einer natürlichen Übergangsphase. "Während sich der Umsatz mit Windows Vista weiter stark entwickelt, haben wir erkannt, dass manche Kunden noch mehr Zeit benötigen", sagte Microsoft-Manager Kevin Kutz dem Branchendienst "C'net". Die in der Branche erhoffte Ankurbelung der PC-Nachfrage durch das neue Betriebssystem ist nach Erkenntnissen der Marktforscher von Gartner allerdings bislang weitgehend ausgeblieben.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx