Alcatel-Lucent Ultimatum für Russo

Alcatel-Lucent ist eine französisch-amerikanische Welt-AG: Groß, beileibe nicht integriert und andauernd in Nöten. Kürzlich wurde die dritte Gewinnwarnung in zehn Monaten ausgegeben. Nun setzt der Verwaltungsrat die Chefin unter Druck. Sie hat einen Monat Zeit für einen Restrukturierungsplan.

Paris - Der Verwaltungsrat des Netzwerkausrüsters Alcatel-Lucent  hat einer Zeitung zufolge Chefin Patricia Russo ultimativ aufgefordert, einen Restrukturierungsplan vorzulegen. Dies sei vor einer Woche beschlossen worden, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Verwaltungsratskreise. Russo habe bis zum 30. Oktober Zeit, ihre Vorschläge auszuarbeiten. Ihr Posten werde dabei nicht in Frage gestellt.

Der französisch-amerikanische Telekomunikationsausrüster sucht nach Wegen einer schnelleren Integration der vormals selbstständigen Unternehmensteile. Wie der Konzern am Freitag mitteilte, steht der Integrationsplan zur Disposition. Mit Blick auf die am 13. September ausgesprochene Gewinnwarnung sollen Schritte zur Verbesserung der Finanzentwicklung eingeleitet werden. Damit reagiert das Unternehmen laut einer Alcatel-Lucent-Sprecherin auf entsprechende Presseberichte.

Die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" hatte am Freitag berichtet, beim Telekomausrüster seien weitere Kostensenkungen, zusätzliche Stellenstreichungen - zu den ohnehin schon geplanten - und der Wegfall einiger Produktlinien geplant. Dies habe CEO Patricia Russo auf einer außerordentlichen Boardsitzung am 21. September eingeräumt. Trotz der geplanten Einstellung bestimmter Produkte habe CFO Jean-Pascal Beaufret vor Analysten gesagt, dass nicht an den Verkauf größerer Vermögenswerte gedacht sei, hieß es weiter.

Nicht nur mit dem Ultimatum zur Vorlage eines Restrukturierungsplans steht Patricia Russo unter Druck. Sie sei überdies aufgefordert worden, die Schwerpunkte künftiger Entwicklungs- und Absatzbemühungen zu skizzieren. Auch mit einer Änderung der Führungsstruktur sei sie betraut worden, hieß es weiter.

Alcatel-Lucent war im Dezember durch eine Fusion entstanden. Der Konzern hat angekündigt, bis 2009 etwa 12.500 seiner 80.000 Stellen abzubauen. Er hat drei Gewinnwarnungen innerhalb von weniger als zehn Monaten ausgegeben.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dow jones