Comeback Kirch ist wieder da

Mehr als fünf Jahre nach dem Zusammenbruch seines Imperiums engagiert sich Leo Kirch wieder auf dem deutschen Medienmarkt. Der 80-Jährige steigt bei EM.Sport ein, der ehemaligen Skandalfirma EM.TV. Mit dem Deal will sich Kirch offenbar ein neues Sport- und Medienkonglomerat schaffen.

München - Die Gesellschaft des Medienunternehmers Leo Kirch, KF 15, wird im Zuge eines Tauschgeschäfts etwa 11,5 Prozent der Anteile an EM.Sport Media  übernehmen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Im Gegenzug übertrage Kirchs Gesellschaft KF 15 ihre bisher verdeckt gehaltenen Anteile an dem Schweizer Medienkonzern Highlight Communications  an EM.Sport. Für die Transaktion zahlt EM.Sport 66,4 Millionen Euro. Insgesamt hat der Deal einen Wert von 163 Millionen Euro.

EM.Sport-Chef Werner Klatten ist zufrieden mit dem neuen Großaktionär. "Leo Kirch ist ein visionärer Unternehmer", so Klatten. Zudem sei er bekannt dafür, seine Beteiligungen langfristig zu halten.

Über eine Rückkehr des 80-jährigen Kirch auf den deutschen Medienmarkt wurde bereits seit einiger Zeit spekuliert. Der einstige Medienmogul bastelt offenbar an einem neuen Imperium.

Kern des neuen Konglomerats sind Highlight und EM.Sport. Zu Highlight gehören unter anderem die Rechteagentur Team und die Filmfirma Constantin . Das Unternehmen ist bereits mit knapp 15 Prozent an der ehemaligen Skandalfirma EM.TV beteiligt. EM.Sport wiederum hält durch den aktuellen Deal rund 36 Prozent an Highlight. Zu dem Münchener Unternehmen gehören der Sportsender DSF, der Bundesliga-Produzent Plazamedia und das Internetportal Sport1.

Herrscher über Rechte, Produktion und Sender

Auf lange Sicht will EM.Sport die Mehrheit an Highlight übernehmen. "Wir haben das Ziel, am Ende die Umsätze zu konsolidieren", sagte Klatten. Der EM.Sport-Chef und Highlight-Verwaltungsratschef Bernhard Burgener arbeiten schon seit längerem an einer engeren Verbindung der beiden Firmen.

Mit seiner direkten und indirekten Beteiligung an beiden Unternehmen herrscht Kirch über Sportrechtehandel, Produktion und Sender – das ist einzigartig auf dem deutschen Markt. Denkbar wäre sogar, dass neben dem DSF auch der Bezahlsender Premiere  wieder in Kirchs Imperium zurückfällt.

Keine Konkurrenz zu Premiere

Keine Konkurrenz zu Premiere

Erst zu Beginn der Woche teilte EM.Sport mit, bei der Premiere-Tochter Premiere Star mit insgesamt 5 Prozent eingestiegen zu sein. Für die Anteile sei ein einstelliger Millionen-Betrag gezahlt worden. Zudem werde der Dienstleistungsvertrag zwischen der EM.Sport-Tochter Plazamedia und Premiere  vorzeitig bis Ende 2013 verlängert. Plazamedia wickelt für Premiere Sportsendungen ab wie etwa Übertragungen der Fußball-Champions-League oder der Formel 1.

Auch das DSF profitiert von dem Deal. Der Sender habe für einen niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrag von Premiere ein Sportrechte-Paket zur Verwertung im frei empfangbaren Fernsehen, im Pay-TV und im Internetfernsehen erworben, hieß es.

Klatten will seine Zusammenarbeit mit Premiere auch weiterhin ausbauen. Deshalb werde EM.Sport auch nicht für die Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga bieten, so der EM.Sport-Chef. Nur die Free-TV-Rechte will sich das Unternehmen bei der neuen Bieterrunde für das DSF sichern.

Mit seiner Transaktion vereint Kirch Teile seines einstigen Medienimperiums wieder unter seinem Dach. Das was einst durch die Pleite zunichte gemacht wurde, entsteht nun wieder in kleinerem Rahmen von Neuem: ein Sport- und Medienkonzern unter der Führung von Kirch.

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