Onvista-Verkauf "Da kann man nicht nein sagen"

Satte 40 Prozent Aufschlag will das französische Unternehmen Boursorama den Onvista-Aktionären für ihr Finanzportal zahlen. Ein Angebot, das kaum jemand erwartet hätte, aber dennoch gerechtfertigt scheint.

Hamburg – Neun Jahre lang haben sie Onvista  zu dem führenden Finanzportal Deutschlands aufgebaut, nun lassen sich die drei Gründer ihren Ausstieg ordentlich versilbern: 20,60 Euro pro Papier bietet der französische Onlineanbieter Boursorama  den Großaktionären Michael Schwetje, Fritz Oidtmann und Stephan Schubert, das ist ein Aufschlag von fast 40 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Freitag.

Für die drei Gründer ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. "Wenn ein Gebot kommt, das sowohl die bisherige Entwicklung als auch die künftigen Erwartungen entsprechend reflektiert, und zudem noch eine satte Prämie beinhaltet, kann man das nicht ausschlagen", so Vorstandschef Schwetje im Gespräch mit manager-magazin.de.

Auch der vierte Großaktionär von Onvista, Burda Digital Ventures, musste angesichts des Angebots von Boursorama nicht lange überlegen. Der Risikokapitalgeber stieg bereits Ende 1999, also noch vor dem Börsengang, bei dem Unternehmen ein und hält derzeit rund 21 Prozent an Onvista. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, streicht Burda Digital Ventures bei einem Verkauf somit einen satten Gewinn ein.

Mit so einem hohen Kaufpreis, der das Unternehmen insgesamt mit 138 Millionen Euro bewertet, haben selbst Experten nicht gerechnet. "Unser Kursziel lag bei 15 Euro", erläutert Wais Samadzada, Analyst von SES Research gegenüber manager-magazin.de. Einen Preis von über 20 Euro hätte Onvista am Kapitalmarkt noch lange nicht gesehen.

Doch der hohe Preis ist in den Augen des Analysten gerechtfertigt. "Für Boursorama ist es viel günstiger, ein führendes Finanzportal in Deutschland zu kaufen, als selbst ein eigenes aufzubauen", so Samadzada. Schließlich sei Onvista einwandfrei aufgestellt.

1100 Prozent mehr Gewinn

1100 Prozent mehr Gewinn vor Steuern

Allein für das erste Halbjahr 2007 hat das Unternehmen sensationelle Zahlen vorgelegt. Der Umsatz verdoppelte sich auf 11,3 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) explodierte um mehr als 1100 Prozent auf 2,9 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben mit 1,9 Millionen Euro immer noch 210 Prozent mehr als im Vorjahr.

Verantwortlich für das gigantische Wachstum war sicherlich auch die Hausse am Kapitalmarkt. Doch mit der Erschließung neuer Geschäftsfelder versucht Onvista  seit einiger Zeit, die Abhängigkeit vom Börsenumfeld zu verringern. Die Onlinevermarkter-Tochter Ligatus beispielsweise sorgt für Umsätze im Bereich Onlinewerbung. Und die Mitte des Jahres gestartete Adressbrokerage-Webseite Namendo soll mit dem Verkauf von Adressen an Headhunter Einnahmen generieren.

Für Boursorama, einer Tochter der französischen Bank Société Générale , dürften dies allerdings eher Randbereiche sein. Das 1995 gegründete Unternehmen betreibt in Frankreich ebenfalls ein Finanzportal sowie die Onlinebank Boursorama Banque.

Neue Onlinebroker-Kunden dank Onvista

In Deutschland ist der Anbieter bereits mit dem Onlinebroker Fimatex aktiv, mit dem Onvista verschmolzen werden soll. Boursorama  will mit den beiden Unternehmen einen Anbieter nach dem französischen Vorbild aufbauen. "Onvista kann die Akquisition von Onlinebroker-Kunden erheblich vorantreiben", begründete Boursorama-Chef Vincent Taupin die Übernahme.

Für Ligatus und Namendo könnte in diesem Konzept kein Platz sein. Bis jetzt ist dazu allerdings noch keine Entscheidung gefallen. "Boursorama will sich die Bereiche erst einmal genau anschauen und dann schauen, ob und wie die Aktivitäten in die Geschäftsstrategie des Unternehmens passen", so Onvista-Chef Schwetje.

Womöglich müsste Schwetje sogar selbst den Verkauf organisieren. Schließlich läuft der Vertrag des Onvista-Chefs noch bis September 2008. "Wenn man ein Unternehmen mehrere Jahre lang aufbaut, ist man sicherlich ein bisschen wehmütig, wenn man es in andere Hände gibt", so der Gründer. Bisher sei aber noch nicht entschieden, ob es zu einer Aufspaltung käme.

Momentan kann sich Schwetje deshalb auch über 2008 hinaus eine Zukunft bei Onvista vorstellen. Der ansehnliche Kaufpreis "entschädigt" halt für vieles.