Freenet-Übernahme Drillisch hat es eilig

Der Mobilfunkdienstleister Drillisch treibt die Zerschlagung des Rivalen Freenet voran. Zusammen mit seinem Partner United Internet wolle das Unternehmen in wenigen Wochen einen Abschluss erzielen, heißt es. Grund für die Eile sollen milliardenschwere Verlustvorträge sein, für deren Nutzung Ende des Jahres eine Frist abläuft.

Hamburg - Drillisch-Chef Pascalis Choulidis wolle sich noch am Montag mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr treffen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Abschluss solle noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden, um die milliardenschweren Verlustvorträge aus dem gescheiterten UMTS-Abenteuer der alten Mobilcom  nutzen zu können. Ende 2007 endet dazu eine wichtige Frist.

Anleger reagierten mit Käufen: Die im TecDax  gelistete Aktie von Freenet  legte mehr gegen Mittag rund 11 Prozent zu, das Papier von Drillisch  gewann mehr als 5 Prozent an Wert.

Wie berichtet hat sich Drillisch mit dem Internetanbieter United Internet  verbündet, um Freenet aufzuspalten. Den am Wochenende bekannt gewordenen Plänen zufolge will sich Drillisch die Mobilfunkaktivitäten von Freenet einverleiben. Das Internetgeschäft soll an United Internet gehen. In dieser Konstellation würde United Internet von dem Freenet-Verlustvortrag von drei Milliarden Euro profitieren. Diesen Vorteil wolle man "im Preis berücksichtigen", hieß es aus den Kreisen. Weder Drillisch noch United Internet und Freenet wollten sich am Montag äußern.

Drillisch und United Internet haben ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, in das Drillisch 24,5 Prozent an Freenet eingebracht hat. Insgesamt hatte Drillisch zuletzt fast 30 Prozent der Freenet-Anteile gehalten. United Internet zahlt 151 Millionen Euro als Bareinlage und Gesellschafterdarlehen ein. Ausschlaggebend für den Schritt sei neue Strategie des Freenet-Managements, die Geschäftsfelder Mobilfunk und Festnetz/Internetgeschäft zu trennen, hatten die Partner am Wochenende mitgeteilt.

Drillisch  setzt sich schon länger für eine Aufspaltung der erst vor wenigen Monaten nach langwierigem Rechtsstreit mit Kleinaktionären aus Mobilcom  und Freenet  fusionierten Gesellschaft ein. Mit Drillisch an einem Strang zogen zuletzt der Finanzinvestor Florian Homm und der Fonds Hermes. Homm hat sich inzwischen von Aktien des börsennotieten Hedge-Fonds Absolute Capital Management getrennt, der an Freenet beteiligt ist. Hermes ist ebenfalls Freenet-Aktionär.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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