Mediaplayer Die besten Microsoft-Alternativen

Was in Brüssel jahrelang Politiker und Gerichte beschäftigte, ist im Netz längst in Vergessenheit geraten: Durch alternative Abspielprogramme wie den Real Player, Winamp oder Quicktime hat der Windows Media Player von Microsoft seine Vormachtstellung eingebüßt. Ein Überblick über die besten Alternativen.

Hamburg - Never change a winning Team. Nach diesem Grundsatz scheinen PC-Hersteller auch drei Jahre nach dem ursprünglichen Urteil der EU gegen Microsoft  zu handeln. Von der damals verlangten Entkopplung des Windows Media Player aus dem Betriebssystem Windows ist jedenfalls nichts zu sehen. Ein "Windows Light", ohne Mediaplayer aber dafür zum selben Preis wie die Normalversion, will eben niemand haben.

Aber ohnehin hat die Realität das Verfahren in Brüssel, das diese Woche mit einer Bestätigung des damaligen Urteils sein vorläufiges Ende fand, längst überholt. Bereits mit dem Service Pack 1 hielt in Windows XP das Miniprogramm "Programmzugriff und -Standards festlegen" Einzug. In Vista heißt es schlicht "Standardprogramme". Mit dessen Hilfe kann man festlegen, dass der Windows Media Player eben nicht mehr das Standardprogramm zum Abspielen von Musik und Filmen sein soll. Darüber, wie viele Anwender von dieser Funktion Gebrauch gemacht haben, sind allerdings keine verlässlichen Zahlen bekannt.

Flash-War statt Formatkrieg

Ohnehin dürfte die Zahl jener, die über dieses Kontrollprogramm den Media Player abschalten, verschwindend gering sein. Das ist auch in Ordnung so, denn wer beispielsweise möchte, dass beim Doppelklick auf eine MP3-Datei nicht das Windows-Programm, sondern beispielsweise iTunes gestartet wird, kann das auch festlegen, ohne den Media Player gleich ganz zu deaktivieren. Einige Programme fragen nach der Installation sogar, ob man sie als Standardplayer für bestimmte Dateiformate festlegen will.

Im Internet jedoch, haben die proprietären Abspielformate à la "Windows Media" oder "Quicktime" ohnehin längst an Boden verloren. An ihre Stelle trat stattdessen Adobes Flash-Format, wie es beispielsweise das Videoportal YouTube zur Darstellung multimedialer Inhalte verwendet. Flash wird von vielen Webbrowsern standardmäßig installiert. Sollte das nicht der Fall sein, kann es mühelos als Plug-in nachgeschoben werden. Microsoft versucht nun mit "Silverlight" ein Flash-Konkurrenzprodukt zu platzieren - ist hier aber wie so oft der ewige Zweite.

Geht es hingegen um Streaming-Angebote, also Filme und Musik, die nicht auf die Festplatte geladen, sondern als Datenstrom übers Internet direkt an den Player geschickt werden, sind die Abspielprogramme noch so gut wie unverzichtbar. Will man Web-TV-Angebote nutzen oder Internetradio hören, ist man meist auf einen Mediaplayer angewiesen. Aber auch da gibt es schon Anbieter, wie etwa Last.FM, die ihr Musik- und Videoprogramm über Flash anbieten.

Zoom Player

Mehr Auswahl durch weniger Kopierschutz

Bleibt die Kaufmusik als vorerst letzte Domäne der Abspielprogramme. Denn kopiergeschützte Songs, die man bei Musicload, iTunes und Co. gekauft hat, lassen sich nur mit entsprechend gerüsteten Programmen wiedergeben. Besonders drastisch geht hier Apple  vor und weigert sich bislang, sein "Fairplay"-System offenzulegen. Von Microsofts Windows Media kopiergeschützte Musik jedoch soll sich auch mit einigen alternativen Abspielprogrammen wiedergeben lassen.

Doch kündigt sich auch hier langsam ein Umdenken an. Zumindest im iTunes Store gibt es seit einigen Monaten auch Musik ohne Kopierschutz zu kaufen. Allgemein wird das als Trend angesehen, der sich, wenn auch sehr langsam, mehr und mehr durchsetzen könnte.

Und wer auf Kaufmusik ohne Kopierschutz setzt oder sowieso nur die eigenen CDs auf den Computer übertragen und in ein zum jeweiligen Musikplayer passendes Format übertragen will, ist mit einem der folgenden Abspielprogramme mindestens ebenso gut beraten wie mit dem Media Player von Microsoft .

Zoom Player - Die Media-Player-Alternative

Das israelische Unternehmen Inmatrix versucht seinen Zoom-Player  ganz eindeutig als Alternative zum Windows Media Player zu platzieren - und das gar nicht so schlecht. Zoom kann alle wichtigen und etliche weniger wichtige Audioformate abspielen.

Darunter natürlich MP3, WMA und via Plug-in auch AAC (ohne Kopierschutz). Auf der Video-Seite werden unter anderem AVI, DIVX und, wiederum per Plug-In, Quicktime geboten.

Allerdings ist nur die sogenannte Standard-Version des Zoom-Players kostenlos. Wer DVD damit betrachten will, mit die 28 Dollar (ca. 20 Euro) teure Professional-Version erwerben.

Noch mal teurer, nämlich 36 Dollar (26 Euro), wird es, will man gar die WMV Professional-Variante kaufen. Die soll dafür aber auch Musik abspielen können, die mit Microsofts Windows-Media-Kopierschutz versehen ist.

Real Player und Winamp

Real Player - Der Quasi-Standard fürs Streaming

Zeitweilig war der Real Player  der Quasi-Standard für Streaming im Internet, hat diesen Vorsprung aber nach und nach an die Konkurrenz verloren. Dabei ist der Player selbst in der kostenlosen Standardversion nicht zu verachten.

Das Programm beherrscht zumindest die wichtigsten Audio- und Videoformate, taugt auch als DVD-Player und kann genutzt werden, um den einen oder anderen MP3-Player zu befüllen.

Mittlerweile hat Real den hauseigenen Mediaplayer allerdings zu einer Art digitalem Schweizer Messer umfunktioniert. In der kostenpflichtigen Plus-Version kann man ihn auch verwenden, um seine CDs samt eleganter Übergänge zu brennen oder, um analoges Audiomaterial, beispielsweise von Schallplatten, zu digitalisieren. Der Preis für diese Goldies liegt bei 25 Euro.

Winamp - Viel Spaß mit den Skins

Einer der Hauptgründe, weshalb sich Winamp  so großer Beliebtheit erfreut, dürften die sogenannten Skins sein.

Diese Skins sind kleine Dateien, mit deren Hilfe dem Player ein neues Gewand übergezogen werden kann. Auf diese Weise kann man seinen Winamp im Star-Trek-Look, im Design eines alten Autoradios oder im Design des Lieblingsspiels benutzen.

Aber auch funktionell lässt Winamp wenig zu wünschen übrig. Er unterstützt alle wichtigen Formate und kann durch Plug-ins um weitere aufgerüstet werden. Zudem eignet er sich prima als Webradio-Empfänger oder als Steuereinheit für MP3-Player.

Auch hier gibt es eine Pro-Version. Für 18 Euro ermöglicht diese es unter anderem, Musik selbst zu digitalisieren und CDs schneller zu brennen.

Quicktime/iTunes und Videolan-Player

Quicktime und iTunes - Ein Muss für Apple-Fans

Von Apple  als Medienstandard für den Mac entwickelt, gibt es Quicktime und iTunes  seit langem auch für Windows. In der aktuellen Version 7.2 können beide alle wichtigen Audio- und Videoformate abspielen.

Dank des von Microsoft  selbst programmierten Zusatzmoduls Flip4mac  gehören mittlerweile auch Windows Media Audio und -Video zum Repertoire des Apples Planers. Unverzichtbar ist der natürlich auch, will man Kaufmusik aus Apples iTunes Store abspielen, da Apple den dort verwendete AAC-Kopierschutz bisher an keinen Drittanbieter lizenziert hat.

Die Quicktime-Pro-Version des Players verfügt nicht etwa über zusätzliche Abspielformate, sondern enthält in erster Linie Funktionen zur Audio- und Videobearbeitung. Für 30 Euro macht sie den Player zu einer Art minimalistischem Videoschnittplatz.

Videolan-Player - Kinderleicht zu bedienen

Als kostenloses Freeware-Produkt erfreut sich der Videolan-Player (VLC)  in der Webgemeinde großer Beliebtheit.

Ihn zeichnen drei Merkmale ganz besonders aus. Zum einen wird er parallel für verschiedene Betriebssysteme entwickelt. Neben Windows und dem Mac OS gehören dazu auch Linux und das BeOS. Wer also unterschiedliche Systeme einsetzt oder von einem auf ein anderes umsteigt, muss sich nicht umgewöhnen.

Darüber hinaus kann der VLC mit einer riesigen Zahl von Medienformaten und Eingabemedien umgehen, also beispielsweise nicht nur CDs abspielen, sondern auch DVB-Datenströme vom Fernsehen dekodieren. Und schlussendlich ist er kinderleicht zu bedienen und übersichtlich - was will man mehr?

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