Telekommunikation Trübe Aussichten

Die stetig schrumpfenden Telefonkosten setzen der deutschen Telekommunikationsbranche schwer zu. Fürs laufende Jahr muss der Verband Bitkom jetzt sogar seine Umsatzprognose senken. Und auch der weitere Ausblick fällt nicht gerade rosig aus.

Berlin - Der anhaltende Preisverfall beim Telefonieren bremst das Wachstum auf dem deutschen IT-Markt. Beim Umsatz sei in diesem Jahr statt der bisher erwarteten 2 Prozent nur ein Plus von 1,3 Prozent auf 147,8 Milliarden Euro zu erwarten, teilte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) am Mittwoch mit.

Dabei zeichne sich in der Telekommunikation ein Minus von 1,8 Prozent auf 64,8 Milliarden Euro ab. Das Geschäft mit Informationstechnologien (IT) dürfte dagegen um 3,5 Prozent auf 72,5 Milliarden Euro zulegen, der Umsatz digitaler Unterhaltungselektronik um 6,7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro.

Der Preisrückgang bei Telefongesprächen könne weder durch die steigende Nachfrage noch durch satte Zuwachsraten in der Informationstechnik und der Unterhaltungselektronik aufgefangen werden, erläuterte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer in Berlin.

Das immer noch große Gewicht des Telekommunikationssektors verhindere ein Wachstum des Gesamtmarktes von 2 oder 3 Prozent. "Geradezu paradox wird die Situation, wenn wir feststellen, dass die Telekommunikation und gerade auch die Sprachtelefonie derzeit einen absoluten Boom erleben. Noch nie wurde so viel telefoniert wie heute", sagte Scheer.

Dabei gebe es deutliche Verschiebungen vom Festnetz zum Mobilfunk. "Im Mobilfunk ist die Zahl der Gesprächsminuten im vergangenen Jahr um ein Drittel nach oben geschnellt", sagte Scheer. Doch die Preise gehen stetig nach unten. Die Umsätze im Mobilfunk werden 2007 nach Bitkom-Prognose um 2,5 Prozent auf knapp 23 Milliarden Euro sinken.

Stark wachse auch die Telefonie über das Internet und das Fernsehkabel. "Über Kabel wurde 2006 mehr als doppelt so viel telefoniert wie 2005, das Gesprächsvolumen über Internet hat sich gar vervierfacht."

Boomende Internettelefonie

Boomende Internettelefonie

Auf die Umsatzentwicklung wirke sich dieser Boom jedoch gegenteilig aus. "Zehn Milliarden Gesprächsminuten, die im vergangenen Jahr so geführt wurden, sind in Euro und Cent kaum messbar." Im Internet werden Gespräche zum Teil auch kostenlos angeboten.

Gewinner des Konkurrenzkampfes auf dem Telekommunikationsmarkt seien die Kunden, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer in Berlin. Im Mobilfunk seien die Tarife in den vergangenen zwei Jahren um 15 Prozent gefallen. Zudem würden die Preise für Gesprächsweiterleitungen ins Ausland (Roaming) sowie in andere Netze deutlich sinken.

Für 2008 rechnet der Verband für die Telekommunikation mit einem halbierten Umsatzminus von 0,9 Prozent. Bei der Informationstechnik zeichne sich dagegen auch im nächsten Jahr ein stabiles Umsatzwachstum von 3,5 Prozent ab.

Dabei gebe es wieder eine größere Nachfrage nach Computern, da sich Kunden für neue energiesparende Geräte interessierten. Zu schaffen macht zahlreichen Firmen der anhaltende Fachkräftemangel. Rund 40.000 Stellen seien in der Branche und bei Unternehmen, die IT anwenden, derzeit unbesetzt.

Der Verband forderte eine rasche Zuteilung von Frequenzen zum Aufbau eines Angebots für Handy-Fernsehen. Mit der Fußball- Europameisterschaft und den Olympischen Spielen gebe es 2008 zwei Großereignisse, die der Technologie einen Schub geben sollten.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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