Bildbearbeitung Verzauberte Fotos

Voller Erwartung sitzen viele Hobbyfotografen nach dem Urlaub vor dem Computer - und blicken entsetzt auf ihre Bilder. Der Strand ist überbelichtet und aus dem Familienfoto stechen die roten Augen hervor. Zum Glück gibt es Bildbearbeitungssoftware, mit der die grauseligen Fotos in kleine Kunststücke verwandelt werden können.

Hamburg - Sieht man seine digitalen Fotos das erste Mal in einem größeren Format, kann das enttäuschend sein. Irgendwie ist nicht zu erkennen, was man selbst gesehen hat. Beim Strandfoto sind die schönen Wolken verschwunden, die Burg wirkt auf dem Bild kaum beeindruckend und eine Mülltonne neben Onkel Erwin macht das ganze Panorama kaputt.

Zum Glück gibt es Software, um Bilder zu bearbeiten. Auf diese Weise können ganz neue Werke entstehen - oder aber vollkommen entstellte Zerrbilder, je nachdem, wie geschickt man die gebotenen Möglichkeiten einsetzt.

"Eins ist ganz wichtig: Den Regler für Helligkeit und Kontrast sollten Sie gleich vergessen und nicht benutzen. Das macht ein Bild immer schlechter", sagt Hans Baumann. Er bearbeitet seit rund 20 Jahren Fotos am Computer und ist Anwendern besser bekannt als "Doc". Baumann hat zahlreiche Bücher geschrieben und bringt mit Christoph Künne das Bildbearbeitungsmagazin "Docma" heraus.

Baumanns liebstes Werkzeug ist das Programm Adobe Photoshop. Dieses Software-Urgestein gehört im Profibereich zum Standard. Für den Normalnutzer ist das Programm mit einem Preis von rund 1000 Euro allerdings kaum erschwinglich. Wer sich die Software trotzdem kaufen will, kann mit der englischen Ausgabe oder älteren Versionen als der aktuellen Nummer 10 Geld sparen. Schon die Versionen mit den Nummern 6 oder 7 bringen die zentralen Funktionen mit.

Ebenen helfen beim Bearbeiten

Darüber hinaus gibt es seit einigen Jahren eine etwas vereinfachte Version, die sich direkt an die Besitzer von Digitalkameras richtet: Photoshop Elements (Preis rund 90 Euro). Weitere Alternativen sind unter anderem das von Corel vertriebene Paint Shop Pro Photo, Photo-Impact von Ulead oder das freie Programm Gimp.

Wichtig sei, dass mit dem Programm in "Ebenen" gearbeitet werden kann, sagt "Doc" Baumann. Darunter sind praktisch übereinanderliegende Folien zu verstehen, die sich jeweils einzeln bearbeiten lassen.

Das hat verschiedene Vorteile. Soll beispielsweise ein Bereich des Bildes verschwinden, muss er nicht dauerhaft entfernt werden. Man weist einer Ebene stattdessen eine "Maske" zu, mit der sich der unerwünschte Bildteil ausblenden lässt. Stellt man hinterher fest, dass er doch gebraucht wird, lässt er sich wieder einblenden.

Höherer Kontrastumfang mit HDR

Höherer Kontrastumfang mit HDR

Außerdem gibt es eine Reihe von Zwischenstufen, um Dinge nur leicht auszublenden oder um Ebenen mit verschiedenen Effekten miteinander zu verschmelzen. Filter und andere Einstellungen können oft einzeln auf eine Ebene angewendet werden. Auf diese Weise wird beim Strandfoto der Himmel unabhängig vom Rest des Bildes verbessert.

Wer beim Fotografieren merkt, dass die Lichtverhältnisse schwierig sind, macht am besten gleich mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen und führt sie hinterher zusammen. Auf diese Weise entstehen Bilder, die einen deutlich höheren Kontrastumfang haben. Gerade wenn es sehr helle und sehr dunkle Bereiche gibt, greift diese Technik. Profis sprechen von "High Dynamic Range" oder kurz HDR. Solche Fotos können per Hand erstellt werden oder automatisiert mit einer Software. Neben Photoshop beherrschen das beispielsweise HDRShop, Photomatix Pro, Ulead Photo-Impact oder PhotoLine 32.

Wer nur eine Aufnahme hat, sollte zwar die Finger vom Regler "Helligkeit/Kontrast" lassen, sich dafür aber mit der "Gradationskurve" und der "Tonwertkorrektur" beschäftigen. Hier wird unter anderem in den hellen und dunklen Bereichen des Bildes mehr an Informationen herausgeholt - sofern vorhanden. Ist beim Himmel definitiv nichts zum Verbessern übrig geblieben, kopiert man sich einen aus einem anderen Bild. "Hier muss ich allerdings schauen, ob die Lichtrichtung und die Helligkeitscharakteristika passen", sagt Baumann. Andernfalls wird dieser Trick schnell durchschaut.

Eine andere Möglichkeit ist vielfach der Ausschnitt des Bildes. "Ich schaue mir an, wie gut der gelungen ist, ob ich mit einer anderen Auswahl die Komposition verbessern kann", erklärt der Bildbearbeitungsspezialist. Überflüssige und ablenkende Teile des Bildes einfach wegzulassen und sich ganz auf das Hauptmotiv zu konzentrieren, kann die Wirkung deutlich erhöhen.

Generell gilt, die Werkzeuge eines Bildbearbeitungsprogramms nur gezielt einzusetzen. Einsteiger übertreiben es bisweilen mit den Effekten durch Filter. Die können viele erstaunliche Dinge per Knopfdruck mit einem Bild anstellen. Werden sie übermäßig eingesetzt, hat man sich daran allerdings auch schnell sattgesehen. "Filter und Effekte sind kein Selbstzweck, sondern sie sollen dabei helfen, die Aussage eines Bildes zu verstärken, ohne selbst in den Vordergrund zu treten", sagt Baumann.

Jan Tißler, ddp

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