Apple vs. Microsoft TV Duell im Wohnzimmer

Seit langem kämpft Microsoft mit seinen Mediacentern um den Einzug ins digitale Wohnzimmer – bisher vergeblich. Wie so oft musste der Softwarekonzern kürzlich mit ansehen, wie Erzfeind Apple mit seinem Apple TV an ihm vorbei zog. Nun wagt Microsoft mit dem Mediaroom einen neuen Angriff.

Hamburg – Die Wohnzimmertür blieb Microsoft  bislang weitgehend verschlossen. Mit sogenannten Mediacentern wollte der Softwarekonzern Musik, Bilder und Videos vom Schreibtisch ins Wohnzimmer bringen. Schließlich ist es weitaus bequemer und schöner, seinen Freunden die neuesten Urlaubsfotos von der Couch aus auf dem schicken neuen Flachbildfernseher zu präsentieren, als dicht gedrängelt vor dem kleinen PC-Monitor zu stehen.

Bisher war der Versuch jedoch nur von geringem Erfolg gekrönt. Die Lüfter der Mediacenter erzeugen eine unangenehme Lautstärke und die Rechner stürzen häufig ab. Die Verbraucher hielten sich daher mit dem Kauf der Wohnzimmer-PCs lange zurück.

Anfang dieses Jahres zeigte Erzfeind Apple  dem Redmonder Konzern dann wieder einmal, dass es auch einfacher geht. Vorstandschef Steve Jobs präsentierte auf der Hausmesse Mac World das neue Apple TV. Der kleine Kasten in Apple-typisch weißer Verpackung zaubert die auf dem Computer gespeicherten Daten auf den Fernseher – und zwar im Handumdrehen. Die etwa buchgroße Box wird über einen Router an das Heimnetzwerk angeschlossen und dann via Kabel mit dem Fernseher verbunden. Und schon kann es losgehen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Apple TV ist nur etwas für Apple-Fans. Musik, Bilder und Videos können nur dann auf den Fernseher übertragen werden, wenn zuvor alles in der Apple-Software iTunes – egal ob auf dem Mac oder PC - gespeichert wurde. Wer sowieso mit dem Programm seine Dateien verwaltet und darüber hinaus über einen iPod verfügt, für den ist der Transfer ein Kinderspiel.

Wie ein iPod erscheint Apple TV im Menü von iTunes. Hier können die Einstellungen vorgegeben werden, beispielsweise welche Dateien an das Gerät übertragen werden sollen. Da die Festplatte der Box mit 40 beziehungsweise 160 Gigabyte vergleichsweise klein ist, sollte man sich hier auch genau überlegen, wie viele der Musiktitel und Bilder überspielt werden sollen.

Viel versprochen, wenig gehalten

Viel versprochen, wenig gehalten

Sind die Grundeinstellungen abgeschlossen, kann man sich dem eigentlichen Gerät zuwenden. Bedient wird Apple TV mit einer Fernbedienung, die von den Ausmaßen her und der minimalistischen Ausstattung mit Tasten stark an den iPod erinnert. Damit kann sich der Nutzer dann munter durch das Menü tippen. Zu finden sind hier die Punkte "Filme", "Fernsehsendungen", "YouTube", "Musik", "Fotos", "Podcasts", "Einstellungen" und "Quellen".

Das verspricht viel, hält allerdings nicht alles. Da die Box weder über einen TV-Empfänger noch über einen Festplattenrekorder verfügt, lässt sich das normale Fernsehprogramm über Apple TV nicht wiedergeben und vor allen Dingen auch nicht aufzeichnen. Nur wer in seinem Rechner über eine TV-Karte verfügt, kann über eine entsprechende Fernsehsoftware Sendungen aufzeichnen, in iTunes überspielen und anschließend über die Box auf dem Fernseher anschauen.

Ebenfalls unausgereift ist der Menüpunkt Filme. Alle Kinostreifen müssen zuvor über iTunes gekauft und an Apple TV übertragen werden, bevor sie abgespielt werden können. Nur Filmtrailer können kostenlos und direkt über die Box abgerufen werden. Hinzu kommt, dass alle Videos momentan nur auf Englisch verfügbar sind.

DVD-Player fehlt

Möglich ist allerdings auch, eigene DVDs in die Software einzuspielen und diese anschließend zu übertragen. Doch dieser Transfer kann je nach Größe und Länge des Films einige Stunden dauern. Schöner und einfacher wäre sicherlich ein integrierter DVD-Player. Aber da dieser wiederum einen eingebauten Lüfter erfordert, der das Gerät im Wohnzimmer unüberhörbar macht, verzichteten die Produktentwickler darauf.

Dieses Manko versucht Apple  mit der Funktion "YouTube" wieder wettzumachen. Seit der neuen Version 1.1, die im Juni dieses Jahres vorgestellt wurde, haben die Nutzer direkten Zugriff auf über 10.000 Kurzfilme der Videoplattform YouTube, täglich kommen weitere hinzu. Da Apple und die Google-Tochter unterschiedliche Formate verwenden, muss jeder einzelne Film mühsam konvertiert werden. Bis Ende des Jahres sollen aber alle Streifen für Apple-TV-Nutzer zur Verfügung stehen.

Bei den anderen Funktionen gibt es kaum Überraschungen. Alles erinnert stark an iTunes. So erscheint beispielsweise während die Musik abgespielt wird, das dazugehörige CD-Cover. Wie bei ähnlichen Produkten können Diashows zudem mit Musik unterlegt oder als Bildschirmschoner verwendet werden.

Microsoft konzentriert sich auf TV

Mangelhafte Ausstattung

Zu bemängeln ist allerdings die Ausstattung. Dem Gesamtpaket liegen lediglich ein Netzkabel und eine Fernbedienung bei. Die Kabel für die Verbindungen zum Fernseher und zur Hifi-Anlage muss sich der Nutzer extra kaufen. Dadurch erhöht sich der Preis für die Apple-Box, die je nach Speicherplatz zwischen 299 und 399 Euro kostet, noch einmal um etwa 50 Euro.

Wer zudem über einen alten PAL-Röhrenfernseher verfügt, guckt sprichwörtlich in die Röhre. Apple TV läuft nur auf einem Breitformat- oder High-Definition-Fernseher optimal. Mit einem Kabel lässt sich zwar auch dieses Problem beseitigen, aber es kostet wiederum etwa 40 Euro.

Alles in allem kommt Apple TV dennoch gut bei den Nutzern an. Vor allem die einfache Konfiguration und die intuitive Bedienung gefallen den meisten Käufern. Angespornt von dem Erfolg der Apple-Box versucht nun auch Microsoft , einen ähnlichen Coup zu landen. Mit dem Microsoft Mediaroom, vormals Microsoft TV, will der Redmonder Konzern die Verbindung zwischen Wohnzimmer und Büro deutlich verbessern.

Microsoft konzentriert sich aufs Fernsehen

Pünktlich zum Start der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin präsentiert das Unternehmen die Erweiterung seiner IPTV- und Multimediaplattform mit Rückkanal. Mit Microsoft Mediaroom kann der Nutzer ähnlich wie bei Apple TV Bilder und Musik, die auf dem Rechner gespeichert werden, von jedem Standort im Haus auf dem Fernseher anschauen – allerdings unabhängig von der Software, mit der die Medien auf dem PC verwaltet werden.

Im Unterschied zu Apple  legt Microsoft zudem den Fokus auf das Fernsehen. Über den Mediaroom können TV-Sender empfangen und auf der 80 Gigabyte großen Festplatte aufgezeichnet werden. Die Aufnahme kann sogar von unterwegs aus via Handy oder über das Internet programmiert werden.

Wer wissen will, was wann wo läuft, schlägt einfach die elektronische Programmzeitschrift (EPG) auf. Um die Entscheidung für ein bestimmtes Programm zu erleichtern, können über die Multiview-Funktion bis zu sechs verschiedene Kanäle gleichzeitig auf dem Fernseher angezeigt werden. Wem dennoch der Zeitpunkt der Ausstrahlung nicht passt, kann sich das Programm auch über die integrierte Timeshift-Funktion zu einem späteren Zeitpunkt anschauen. Und sollte das Angebot der Fernsehsender einmal nicht ausreichen, können verschiedene Filme auch bestellt werden (Video on Demand). Das tröstet ein wenig darüber hinweg, dass auch bei Microsofts Mediaroom der DVD-Player fehlt.

Kooperation mit der Telekom

Kooperation mit der Telekom

Interessenten für die Plattform müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden oder auf eine Zwischenlösung ausweichen. Erst Ende des Jahres soll die Microsoft-Spielekonsole XBox mit der Software ausgestattet werden. Wer schon eine Konsole besitzt, braucht sich allerdings keine neue zu kaufen; die alten Geräte sollen nach Angaben des Konzerns aktualisieren werden können.

Für alle anderen gilt: Entweder warten oder auf Microsofts Partner ausweichen. Denn das Redmonder Unternehmen verkauft seine Plattform auch an Telekomkonzerne, die das Programm für ihre Triple-Play-Pakete nutzen. In Deutschland konnte der Softwarekonzern bisher nur die Deutsche Telekom  für sein Produkt begeistern. Das Bonner Unternehmen bietet Microsoft Mediaroom im Zusammenhang mit seinem Triple-Play-Angebot T-Home Entertain an, bei dem die Kunden neben Telefon und Internet auch die TV-Sender über das Netz der Telekom empfangen.

Das bedeutet aber vor allem eins: monatliche Zahlungen statt eines einmaligen Kaufpreises. Zwischen 60 und 95 Euro verlangt die Telekom für ihr Triple-Play-Paket. Dafür kann der Nutzer dann allerdings auch unbegrenzt ins Telekom-Festnetz telefonieren, ohne Limit im Internet surfen und aus über 70 Fernsehsendern auswählen. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass auch hier eine einmalige Gebühr in Höhe von knapp 100 Euro für die Settop-Box fällig wird, auf der Microsoft Mediaroom installiert ist.

Insgesamt ist es Microsoft  mit seinem Mediaroom jedoch gelungen, den Abstand zu Apple  zumindest zu verringern. Statt absturzgefährdeten Mediacentern kommt eine leicht zu bedienende Settop-Box ins Haus, die eine Fülle an Funktionen für die Unterhaltung im Wohnzimmer bietet - für wahre Apple-Fans wahrscheinlich schon wieder zu viele.

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