Telekom "Wir nehmen Risiko des Scheiterns in Kauf"

Erweitertes Internet-TV-Angebot, neue Mobilfunkpläne: René Obermann bemühte sich auf der IFA-Pressekonferenz in Berlin, den rosa Riesen endlich wieder glänzen zu lassen. Bei der Entwicklung von Innovationen will der Telekom-Chef aber auch Flops in Kauf nehmen.

Berlin - Einschneidende Umbaupläne? Konfliktpotenzial mit der Gewerkschaft Verdi? Mit diesen Dauerbrennerthemen will sich René Obermann bei der Pressekonferenz zur IFA-Eröffnung nicht auseinandersetzen. In einem Nebensatz erwähnt der Telekom-Chef zwar "Effizienzsteigerungen, die unerlässlich sind." Den Rest seiner Rede widmet er jedoch "unseren Produkten und Innovationen". Endlich soll wieder im Vordergrund stehen, was der Bonner Konzern zu bieten hat - und worauf er seine Zukunftshoffnungen setzt.

Der Telekom-Chef lächelt den Fotografen entgegen, als er die Bühne in Messehalle 7 in Berlin betritt. Seine Krawatte leuchtet in grellem Magenta. Los geht's. "Das Produkt Internet-TV ist jetzt marktreif", erklärt Obermann. Bis Jahresende sollen 17 Millionen Haushalte Fernsehen über Highspeed-Internet (IPTV) empfangen können, derzeit liegt die Reichweite bei rund 15 Millionen.

Über konkrete Nutzerzahlen schweigt sich die Deutsche Telekom  weiter aus. T-Com-Chef Timotheus Höttges erklärt lediglich: "Wir sind sehr zufrieden mit der Akzeptanz." Man liege bereits im fünfstelligen Bereich, 100.000 bis 200.000 Fernsehkunden will der Bonner Konzern bis Jahresende erreichen. Das ist maximal ein Fünftel dessen, was Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke als ursprüngliche Zielmarke ausgegeben hatte. Höttges betont jedoch: "Wir gehen davon aus, dass das ein Millionen-Kundengeschäft wird."

Die neuen Bündeltarife für Telefonie, Internet und TV (Triple Play), die die Telekom erstmals im August vorgestellt hat, sollen nicht nur den Schwund der Festnetzkunden abfedern, betont Höttges: "Es geht nicht darum, dass wir nur Bestandssicherung betreiben". Stattdessen will die Telekom neue Nutzer gewinnen, "und es soll ein höherer Umsatz pro Kunde erzielt werden." Das Basispaket "Entertain Comfort" ist für knapp 60 Euro erhältlich. Darin enthalten ist neben Internet- und Telefonflatrate unter anderem der Zugriff auf 70 TV-Kanäle und eine Onlinevideothek. Für Bundesliga-Liveübertragungen müssen Kunden allerdings zehn Euro extra bezahlen.

Gefährliche Innovationen

Gefährliche Innovationen

IPTV ist sowohl über das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL als auch über das aufgerüstete DSL-Netz ADSL2+ empfangbar. Trotz der wochenlangen Streiks gebe es keine Verzögerungen beim Netzausbau, betonte Höttges. VDSL ist nach Telekom-Angaben in 27 Städten in Deutschland verfügbar, ADSL2+ in 750 Städten. "Breitbandkommunikation ist der Zukunftsmarkt der Deutschen Telekom", sagt Höttges.

Deshalb möchte die Telekom ihre Monopolposition für das VDSL-Netz in Deutschland auch gern aufrecht erhalten. Die Gesetzgeber, so Obermann, sollten Infrastrukturinvestitionen nicht durch eine neue Regulierung abschrecken. Er plädiere für eine "Rückführung der Regulierung" statt einer Ausweitung.

Presseberichten zufolge will die Telekom allerdings auch Konkurrenten Zugang zum Hochgeschwindigkeitsnetz ermöglichen - und damit das Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen die deutsche Bundesregierung abwenden. Dazu sagt Obermann auf Nachfrage von manager-magazin.de: Die Telekom sei bereit, mit Wettbewerbern zusammen zu arbeiten - "aber zu Bedingungen, die wir mitgestalten wollen".

Serviceverbesserung braucht noch Zeit

Gestalten will Obermann auch im Mobilfunkbereich: Der Tarif "MyFaves", bislang nur in den Vereinigten Staaten erhältlich, soll auf den deutschen Markt kommen. Nutzer können sich fünf bevorzugte Gesprächspartner aussuchen und diese zu günstigeren Konditionen anrufen. "Mit rund 2,5 Millionen Nutzern ist das MyFaves-Angebot in den USA eine Erfolgsgeschichte, die wir jetzt nach Europa übertragen wollen", wirbt Obermann. Die Markteinführung in Deutschland ist für den 1. Oktober vorgesehen.

Der Telekom-Chef betont, weiterhin Innovationen initiieren zu wollen - dabei sei jedoch der ein oder andere Flop nicht auszuschließen: "Wir nehmen auch das Risiko des Scheiterns in Kauf." Wer das Wagnis, bei der Entwicklung von Innovationen Fehler zu machen, nicht eingehe, "wird nur auf alte Rezepte setzen, und das ist nicht zukunftsträchtig."

Der Eindruck möglicher Misserfolge soll gar nicht erst entstehen. "Wir halten, was wir versprechen", steht auf einem Schaubild, das T-Com-Chef Höttges präsentiert: Versprochenes in der linken Spalte, Gehaltenes in der rechten. Beispiel: Angekündigt hat die Telekom einen gefestigten Marktanteil im DSL-Neukundengeschäft - erreicht hat sie 40 Prozent über die vergangenen drei Quartale. Ein prominentes Versprechen taucht in der Auflistung jedoch nicht auf: Obermanns Ziel, den Service zu verbessern.

Dazu brauche die Telekom noch Zeit, erklärt Obermann: "Sie müssen uns diese Zeit geben." Höttges weist darauf hin, dass in den Callcentern inzwischen 85 Prozent der Anrufer einen Ansprechpartner erreichten. Allerdings sei das Ziel, den Kunden nicht länger als 20 Sekunden in der Warteschleife hängen zu lassen, noch nicht erreicht. Künftig sollen Aufträge auch schneller erledigt werden. Insgesamt zeigen dem T-Com-Chef zufolge jedoch "alle Servicelevel nach oben". Vom Risiko des Scheiterns ist diesmal nicht die Rede.

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