Datenrausch Google will gegoogelt werden

Das erklärte Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich zu machen. Eigene Unternehmensdaten behütet der Konzern allerdings wie einen Schatz. Nordeuropa-Chef Philipp Schindler hat dafür eine einfache Erklärung - und verrät YouTubes Idealmaße.

Hamburg - Vor wenigen Tagen machte der Verleger Christian DuMont Schütte eine düstere Prophezeiung. "In zehn Jahren ist Google tot", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" im Interview. Spitze Zungen bezeichnen seine Prognose als Wunschgedanken, der insgeheim vielen traditionellen Medienmachern vorschwebt.

Sie fürchten den Internetkonzern wie kaum einen zweiten: Mit Angeboten wie Google News drohe der Datenkrake, konventionelle Geschäftsmodelle zu unterlaufen. Oder wie es DuMont Schütte drastisch ausdrückt: "Google schöpft mit unserer Hilfe den Werbemarkt ab. Das ist pervers."

Philipp Schindler, Nordeuropa-Chef von Google , ist die Kritik an seinem Unternehmen gewohnt - und doch immer wieder darüber erstaunt. "Es herrscht eine unglaublich große Unwissenheit über unser Geschäftsmodell", sagt er am Dienstagabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten (CHW)  in den bunten Hallen von Google Deutschland an der Hamburger ABC-Straße. "Ein gehöriger Teil der Einnahmen des Werbeprogramms AdSense wird an die Kunden ausgeschüttet." Immerhin habe das Unternehmen seinen Werbepartnern im vergangenen Quartal etwa eine Milliarde Dollar gezahlt. Darüber, nach welchem System die Kunden an den Werbeeinnahmen beteiligt werden, macht Schindler allerdings keine Angaben.

Überhaupt sind Informationen zu Kosten und Zahlen bei Google rar, ob auf der firmeneigenen Webseite oder vom Nordeuropa-Chef persönlich. Zugegeben: Google im Allgemeinen und Schindler im Speziellen wissen die Zurückhaltung mit solchen Informationen charmant zu verpacken. "Sie möchten doch keinen spießigen Vortrag hören, oder?", fragt der Manager die Hamburger Journalisten.

So verwundert es nicht, dass sich Internetbranche und Medien ihr eigenes Bild machen und auf Grundlage der veröffentlichten Daten heitere Zahlenspiele veranstalten. Sicher ist immerhin, dass der börsennotierte Konzern im zweiten Quartal dieses Jahres einen Umsatz von 3,9 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 925,1 Millionen Dollar erwirtschaftete. Großbritannien war im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 15 Prozent zweitwichtigster Markt nach den USA.

Idealmaße 20-10-80

Idealmaße 20-10-80

Über die Deutschland-Zahlen schweigt sich Google  aus. Da der hiesige Umsatzanteil unter 10 Prozent liegt, müssen sie nicht veröffentlicht werden. Es darf allerdings davon ausgegangen werden, dass der deutsche Markt bei Google Platz drei im internationalen Umsatzvergleich einnimmt. "In Deutschland bemerken wir derzeit ein Aufwachen", sagt Schindler kryptisch.

Auch die Mitarbeiterzahlen für die einzelnen deutschen Büros, fünf an der Zahl, bleiben weitestgehend unter Verschluss. Klar ist lediglich, dass Google insgesamt rund 150 Mitarbeiter hierzulande beschäftigt sowie derzeit auf der Suche nach mehr als 50 weiteren ist. Die meisten Beschäftigten, nämlich deutlich über 100, arbeiten in der Deutschland-Zentrale von Google an der ABC-Straße nahe dem Gänsemarkt in Hamburg. Die übrigen verteilen sich auf die Büros in München, Frankfurt, Düsseldorf und seit Neuestem auch in Berlin. In München soll zudem laut Schindler in den nächsten Jahren eines der größten Google-Entwicklungszentren außerhalb des Hauptsitzes im kalifornischen Mountain View entstehen.

Auf eine aktuelle Zahlenreihe geht Schindler dann doch noch ein: 20-10-80. Dahinter verstecken sich die Idealmaße, mit denen die im Herbst vergangenen Jahres erworbene Google-Tochter YouTube in Zukunft Geld verdienen will. Bislang hat sich das Videoportal mit Werbung zurückgehalten, doch mit 20-10-80 sind diese Zeiten - wenn auch zunächst nur in den USA - vorbei: Die Werbebanner dürfen höchstens 20 Prozent der Fläche einnehmen. Maximal zehn Sekunden darf der Spot dauern, und 80 Prozent der Reklame muss transparent sein, damit das Video noch gut sichtbar bleibt.

Auch ein Kernelement der Google-Philosophie verrät Schindler: "Wir wollen den Nutzer so schnell wie möglich wieder von der Seite bekommen." Zumindest für die deutsche Homepage des Unternehmens scheint das Konzept aufzugehen: Die Seite ist äußerst einfach gehalten, beispielsweise sind keinerlei Informationen über Struktur oder Management in Deutschland verfügbar. Was der einfachen Navigation dienlich ist, schadet der Transparenz.

Für diejenigen, denen die verfügbaren Daten nicht ausreichen, hat Schindler jedoch eine einfache Lösung parat: Er schlägt vor, die Informationen einfach zu googeln.

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