"Nacht der Löwen" Gut gebrüllt, Werber

Wenn sich eine Branche selbst feiert, kann das auch lustig sein. Bei der "Nacht der Löwen", bei der die deutschen Gewinner des diesjährigen Werbefestivals von Cannes geehrt wurden, kamen humorvolle Spots besonders gut an.

Hamburg - Es ist die "Nacht der Löwen", doch Ingmar Bartels lächelt etwas verunsichert in die Kameras. Als Werbetexter ist er eigentlich für die Arbeit hinter den Kulissen zuständig. Nun steht er selbst im Mittelpunkt. Bei der Präsentation der Cannes-Rolle, den preisgekrönten Werbefilmen, erhielten Bartels und sein Team am Montagabend in Hamburg einen "Goldenen Löwen".

Beim International Advertising Festival in Cannes kommen jedes Jahr Tausende Werber und Marketingfachleute zusammen, um die beste Werbung der Welt in den Bereichen "Film", "Press", "Outdoor" sowie "Media", "Cyber", "Radio", "Directmarketing" und "Promo" zu sehen und zu prämieren. Deutsche Agenturen haben bei der diesjährigen Verleihung im vergangenen Juni 39 Trophäen gewonnen. Damit lag Deutschland im Nationenvergleich erstmals auf Platz zwei, geschlagen nur von den USA.

Das erfolgreiche Abschneiden feierten mehr als 1000 Gäste im Theater im Hafen. "Die deutschen Agenturen haben in den vergangenen Jahren viel dazugelernt", sagte Florian Weischer, der Veranstalter der Gala. Die Werbung sei mutiger geworden, das Publikum werde nicht mehr unterschätzt, sondern gut unterhalten. Humor sei das Rezept, um auch schwierige Themen zu vermitteln.

Einen Trend für die Zukunft erkennt er aber nicht. Neu sei lediglich die starke Vernetzung der einzelnen Werbeformen. Für das nächste Jahr steht für Weischer fest: Mindestens 50 Löwen sollen nach Deutschland gehen. Und wenn man schon einmal dabei sei, könne man auch gleich versuchen, die USA vom Thron zu stoßen.

Viel Applaus für humorvolle Spots

Viel Applaus für humorvolle Spots

"Die Freude ist riesig. Der Preis ist eine der höchsten Ehren, eine Adelung", sagte Preisträger Bartels. Er hat mit seinem Team von der Hamburger Agentur Nordpol den Werbespot "Power of Wind" für die Wind Energie Initiative entwickelt. In dem Video wird der Wind als Person dargestellt, die Schirme umknickt oder Kindern Sand in die Augen streut. Die Botschaft sei einfach, erklärte Bartels. Der Wind habe eine enorme Kraft, die man für positive Zwecke nutzen könne.

Insbesondere humorvolle Spots wurden in der "Löwen"-Nacht mit viel Applaus bedacht. So ließen Springer & Jacoby in einem automatisch auf jede Olympus-Kamera gespielten Film einen Hai auf den Betrachter zu schwimmen und diesen plötzlich breit grinsen. Damit sollte ein zusätzlicher Unterwasserschutz für die Kameras verkauft werden.

Während TBWA Germany mit gesungenen Ansagen im Bus für ein ausverkauftes Haus bei der Oper "Nabucco" gesorgt hatte, zeigte Tribal DDB Hamburg den langen Weg der Kunstfigur Horst Schlämmer bis zum Führerschein im Volkswagen. Lokalmatador war neben Nordpol die Agentur Jung von Matt, die mit einmal Gold und dreimal Bronze die meisten Preise erhielt.

Nach Hamburg werden die preisgekrönten Arbeiten am 30. August in Frankfurt am Main, am 4. September in Düsseldorf, am 6. September in Berlin und am 18. September in München zu sehen sein.

Sophie Lübbert, dpa

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