Blackberry-Alternative Westfälische Antwort

Die ganze Businesswelt huldigt dem Blackberry, der Mobil-Droge aus Kanada. Die ganze? Nein. Ein kleines Start-up aus dem Westfälischen bietet eine Alternative für kleine und mittlere Unternehmen. manager-magazin.de hat das Gerät getestet.

Hamburg - So viel Service gibt es selten: Ein Anruf bei der Hotline, und der Geschäftsführer persönlich nimmt ab. Nicht nur das - er kümmert sich selbst darum, alle technischen Fragen zu klären und ruft zur Kontrolle von sich aus an, ob nun alles klappt. So sieht es aus, wenn ein Mittelständler wie Christian Schröder aus der westfälischen Gemeinde Steinhagen sich anschickt, einem Weltmarktführer Konkurrenz zu machen.

Es geht um ein Milliardengeschäft, das automatische Weiterleiten von E-Mails an mobile Empfangsgeräte, genannt Pushmail. Der kanadische Hersteller Research in Motion  hat bereits acht Millionen seiner Blackberry-Geräte verkauft. Der Marktanteil reicht für eine absolute Mehrheit, Blackberry ist zum Inbegriff der Erreichbarkeit rund um die Uhr geworden.

Selbst große Namen der IT-Branche mühen sich bislang vergeblich, den Kanadiern den Rang abzulaufen. Nokia , Motorola  und Acer (Kurswerte anzeigen) haben eigene Empfangsgeräte auf den Markt gebracht, die alles das können sollen, was Blackberry auch kann. Microsoft  vertreibt sein Betriebssystem Windows Mobile, das auf verschiedenen Geräten mobiles Internet ermöglicht, über eine Vielzahl kleiner Partner mit eigenen Pushmail-Diensten. Der deutsche Webmail-Marktführer 1&1 (GMX, Web.de, Tochterunternehmen von United Internet ) bietet mobiles Internet als Paketlösung mit einem kleinen, handlichen Gerät namens Pocket-Web an. Google  verschickt Mails seiner Webmail-Kunden kostenlos an jedes beliebige Mobiltelefon.

Trotzdem feiern die Kanadier munter weiter Absatzrekorde. Vor allem unter Führungskräften ist Blackberry ein Must-have - obwohl immer wieder Bedenken laut werden, etwa wegen dauernder Prozesse um Lizenzen für einzelne Blackberry-Funktionen oder Zweifeln an der Sicherheit der Daten. Zudem verfügen die meisten Blackberrys nicht einmal über Zugang zum UMTS-Netz.

Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Ein Blackberry erfüllt im Wesentlichen zwei Funktionen. Erstens ist es ein auffälliges, teures Spielzeug, das seinen Nutzer als Angehörigen der Business-Elite ausweist. Ein Statussymbol. Den Markenwert von Blackberrys macht neben dem eigenwilligen, leicht klobigen Design auch die Eigenschaft aus, dass es in kurzen Abständen mit leisem Piepsen Aufmerksamkeit verlangt. Wie einst die Tamagotchis, mit dem Unterschied, dass Blackberrys einen wichtigen Eindruck machen.

Zweitens hat Blackberry auch einen praktischen Nutzen. Außerhalb des Büros erreichbar zu sein, kann zwar in allzu starke Abhängigkeit münden und sogar Arbeitszeit verschwenden. Zweifellos hilft es aber, zumal auf Reisen, schnell auf wichtige Nachrichten zu reagieren.

Stabile Kosten

Stabile Kosten

Den Glamour-Faktor von Blackberry versucht Schröders Firma Cougar Bay gar nicht erst zu kopieren. Ihr Gerät namens Trims Pushmail Server richtet sich an diejenigen, denen es auf den Nutzwert ankommt. In dieser Hinsicht will Cougar Bay Blackberry sogar in den Schatten stellen.

Das wichtigste Argument sind die Kosten. Firmenkunden müssen nur einmalig für das Gerät zahlen, der Pushmail-Service selbst ist gratis. Und weil der Server E-Mails von jedem beliebigen Mailserver abholt und auf jedes beliebige Mobiltelefon verschickt, spart man sich die Anschaffung teurer Empfangsgeräte. Der Server selbst kostet einmalig 2599 Euro (für 15 Nutzer) oder 6950 Euro (für 50 Nutzer). Hinzu kommen nur Gebühren für einen Mobilfunkbetreiber, denn die E-Mails werden komprimiert und als SMS an das Empfangsgerät versendet. Hier kann ein Tarif mit SMS-Flatrate helfen.

Auf die Kosten für den Server könnte man sogar verzichten, denn Cougar Bay bietet auch den reinen Pushmail-Dienst an. In der Sicherheit eines eigenen Servers sieht man jedoch einen entscheidenden Vorteil gegenüber Blackberry. Research in Motion beharrt zwar darauf, den internationalen Sicherheitsstandards zu genügen. Vorsichtige IT-Beauftragte können aber durchaus Anstoß daran nehmen, dass die Korrespondenz des Unternehmens einen Umweg über Server in den USA und Großbritannien nimmt. Für das französische Verteidigungsministerium war das jüngst Grund genug, seinen Mitarbeitern die Benutzung von Blackberrys zu verbieten.

Mit dem eigenen lokalen Server umgeht Cougar Bay dieses Problem. Weil das Gerät keinen Lüfter hat, läuft es geräuschlos, und es nimmt auch nicht übermäßig viel Platz weg - zumal ein Server für bis zu 50 Nutzer und 500 E-Mail-Postfächer reicht. Mit dieser Lösung hebt sich das Unternehmen von den vielen kleinen Blackberry-Konkurrenten ab, die nur den Pushmail-Dienst im Angebot haben.

Einfach zu bedienen soll der Trims Pushmail Server auch sein. "Plug and ready", verspricht der Hersteller. Also: "50 Mitarbeiter können in 20 Minuten mit einem laufenden Email-Push-System versorgt werden." Ganz so einfach läuft es im Test aber doch nicht - sonst wäre die bereits erwähnte gute Betreuung gar nicht nötig gewesen.

Einfache Bedienung

Einfache Bedienung

Grundsätzlich ist der Dienst zwar mithilfe eines übersichtlichen Web-Interface fast kinderleicht einzurichten. Aber das Gerät muss über das interne Netzwerk auf die Firmenmail zugreifen, Firewalls überwinden und natürlich mit den korrekten Server-Einstellungen gefüttert werden. Für den Netzwerk-Administrator sind das keine echten Hürden, doch wenn Fehler auftreten, ist die Bedienmaske etwas zu übersichtlich, um die Ursache herauszufinden. Sie ist klar auf einen fehlerfreien Betrieb ausgelegt, der in den meisten kleinen und mittleren Unternehmen auch funktionieren dürfte.

Ein weiteres Problem im Test war der Versand von E-Mails vom Telefon aus. In manchen Fällen kam nur die Betreffzeile beim Empfänger an, der Textkörper war leer. Das Problem verschwand von allein wieder, sodass der Grund für das rätselhafte Phänomen - das nach Angaben des Unternehmens zuvor noch nie aufgetreten war - nicht ermittelt werden konnte. Schwerer wog, dass der Server über das IMAP-Protokoll keine E-Mails ans Telefon verschickte - ebenfalls unerklärbar. Alternativ kann man das POP3-Protokoll verwenden. Das funktionierte im Test tadellos, bietet aber keine Möglichkeit zu differenzieren, welche Mails aus welchen Ordnern weitergeleitet werden sollen und welche nicht. Das Ergebnis: eine Spam-Mail-Flut im Telefon.

Um als Empfangsgerät zu taugen, muss ein Mobiltelefon Java-Anwendungen zulassen. Das von Cougar Bay gelieferte Mailprogramm ist klar gegliedert, bietet dafür alle notwendigen Ordner, die man von Computer-Mailprogrammen gewohnt ist. Auch eine Archivfunktion gibt es, die schnell notwendig wird, wenn man eine Nachricht behalten möchte. Ansonsten heißt es nämlich "First in, First out" - nach 100 Nachrichten ist der Speicher voll. Ob die Anwendung ruhig im Hintergrund läuft oder jede neue Nachricht mit Warnton auf dem Display anzeigt, kann der Nutzer selbst entscheiden.

Ebenfalls frei zu wählen ist, in welchem Zeitraum E-Mails weitergeleitet werden sollen und wie lang sie sein dürfen. Das hängt von der Anzahl der versendeten SMS ab. Standardmäßig wird eine Nachricht in maximal drei SMS zusammengefasst, was (bei konsequenter Kleinschreibung) eine Länge von 1500 Zeichen erlaubt, also die meisten E-Mails ungekürzt übermittelt.

Maximal sind je fünf SMS oder 2500 Zeichen je Mail möglich. Anhänge werden nicht mitgeliefert. Es wird aber angezeigt, ob es welche gibt. Die allermeisten Mobiltelefone könnten mit den üblichen Dateien in Mail-Anhängen ohnehin nichts anfangen.

Ob es sich für Unternehmen lohnt, auf den Trims Pushmail Server zu setzen, hängt von einigen Wenns ab. Wenn nicht ohnehin alle Führungskräfte ein privates Blackberry besitzen, wenn Verwaltung des Netzwerks und der E-Mail-Server in einer Hand liegen, und wenn das Unternehmen den Nutzen der 24-Stunden/7-Tage-Erreichbarkeit schätzt, dann ist der Trims Pushmail Server eine günstige Alternative zu Blackberry und Co. Um es auf Westfälisch zu sagen: Kamman machn.

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