Telekom "Hohes Maß an Verbitterung"

Bei seinem Konzernumbau kann Telekom-Chef René Obermann wohl nicht auf Unterstützung aller Mitarbeiter zählen. Die Mehrheit hält die Veränderungen für nicht nachvollziehbar. Auch die spartenübergreifende Kooperation wird als mangelhaft betrachtet. Das ergab die interne Befragung "spirit@telekom", die manager-magazin.de vorliegt.

Hamburg/Bonn - Konzernchef René Obermann hat der Deutschen Telekom ein gewaltiges Umbauprogramm auferlegt. Etliche Beschäftigte haben damit offenbar erhebliche Schwierigkeiten. Knapp 24 Prozent der befragten Telekom-Mitarbeiter gaben an, die Maßnahmen seien "überhaupt nicht" nachvollziehbar. Weitere rund 34 Prozent haben wenig bis kein Verständnis für den Reformprozess. Uneingeschränkte Zustimmung kommt von lediglich 8 Prozent der Mitarbeiter.

Das ist das Ergebnis der internen Befragung "spirit@telekom", die Mitte Juli durchgeführt wurde. 31.344 Mitarbeiter aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, der Tschechischen Republik, Österreich und der Slowakei nahmen an der Onlineumfrage teil. Beteiligt waren die Geschäftseinheiten T-Mobile, T-Com, Produkthaus (ehemals T-Online), Kundenservice und der Technikbereich.

Im Schnitt stimmten die Befragten der Aussage "Die Veränderung im Konzern Deutsche Telekom sind für mich nachvollziehbar" zu 37 Prozent zu. Auf der Skala zwischen 0 Prozent ("stimmt überhaupt nicht") und 100 Prozent ("stimmt völlig") fällt der Zustimmungsgrad also deutlich in den negativen Bereich.

Die fünfseitige Power-Point-Präsentation, die seit 3. August intern vorgestellt wird, hat für das Topmanagement hochexplosiven Gehalt. Wenn es Obermann nicht gelingt, die Mitarbeiter von seinen Maßnahmen zu überzeugen, wird er sie kaum zu Höchstleistungen anspornen können. Doch genau das will der forsche Telekom-Chef erreichen. Insbesondere im Servicebereich, wo die Stimmung derzeit besonders mies ist.

Denn zum 1. Juli wechselten nach wochenlangen Streiks rund 50.000 Mitarbeiter in drei neue Servicegesellschaften. Viele der Befragten sind von den jüngsten Sparmaßnahmen betroffen - darauf führen die Studienautoren die schlechten Umfragewerte zurück. Sollte Obermann seine Schützlinge nicht für sich gewinnen können, droht dem rosa Riesen die endgültige Trägheitsstarre.

"Verlorene Glaubwürdigkeit"

Verlorene Glaubwürdigkeit

Auch Telekom-Aufsichtsrat und Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder bemerkt schlechte Stimmung unter den Telekom-Mitarbeitern: "Der immer hemmungslosere, rigidere Kurs des Managements gegen das Personal hat unter den Mitarbeitern zu einem hohen Maß an Verbitterung geführt", sagt Schröder gegenüber manager-magazin.de.

Zwar stimmte die große Mehrheit der Mitarbeiter dem Tarifkompromiss zu, der die Ausgliederungsmaßnahmen besiegelte. Dennoch bleibt Schröder zufolge ein bitterer Nachgeschmack: "Da ist viel Glaubwürdigkeit verloren gegangen." Insgesamt 18 Umbaumaßnahmen hätten die Beschäftigten in den vergangenen Jahren erlebt. "Nun fragen sich die Mitarbeiter", so Schröder, "warum man die Kunden damit immer noch nicht erreicht."

Offenbar herrscht unter vielen Beschäftigten Unsicherheit über weitere Umbaupläne. Vor zwei Wochen bestätigte der Konzern: "Wir sehen in den Zentralfunktionen weiteren Optimierungsbedarf." Unternehmenskreisen zufolge stehen dabei rund 2000 Stellen auf dem Spiel. Zudem sollen 2500 Mitarbeiter der sogenannten Kundenniederlassung Spezial in die konzerneigene Beschäftigungsgesellschaft Vivento ausgegliedert werden. Darüber hinaus steht die Geschäftskundensparte T-Systems vor einer umfassenden Strukturveränderung. "So lange das Management weiter Druck auf das Personal ausübt", sagt Aufsichtsrat Schröder, "wird sich die Stimmung im Unternehmen nicht drehen."

"Erfolge feiern" als Handlungsempfehlung

Für das gravierende Problem nennen die Macher der Befragung nur vage Lösungsvorschläge: Die Umfrageresultate könnten künftig nur positiver ausfallen, "wenn die Ergebnisse der Servicegesellschaften deutlich verbessert werden." Dazu müsse man die strategischen Ziele umsetzen - und endlich mal "Erfolge feiern".

Doch das wird nicht ausreichen. Denn neben dem fehlenden Verständnis für den Konzernumbau hat die Umfrage einen weiteren wunden Punkt ausgemacht: die mangelhafte Zusammenarbeit innerhalb der Telekom.

Der Bonner Konzern verfolgt neuerdings die Strategie "One Group": Nach Jahren der verwirrenden Markenvielfalt und des Nebeneinanders verschiedener Sparten will die Telekom verstärkt als geschlossene Gemeinschaft auftreten. Doch die bisherigen Bemühungen sind - zumindest nach Ansicht vieler Mitarbeiter - kläglich gescheitert.

Keine vergleichenden Schaubilder

Keine vergleichenden Schaubilder

Die Behauptung, dass innerhalb des Konzerns im Sinne von "One Group" zusammengearbeitet werde, finden 21 Prozent überhaupt nicht zutreffend. Weitere gut 43 Prozent beurteilen die Aussage skeptisch oder negativ. Nur 4,1 Prozent bejahen sie uneingeschränkt. Durchschnittlicher Zustimmungsgrad aller Befragten: 39 Prozent.

"Da ist noch einiges an Kommunikationsarbeit zu leisten", kommentiert ein Telekom-Sprecher die Ergebnisse gegenüber manager-magazin.de, "aber wir sind auf dem richtigen Weg." Vorstände und Führungskräfte seien bereits in intensive Gespräche mit den Mitarbeitern an den verschiedenen Standorten getreten.

Eine weitere Maßnahme halten die Befragungsleiter parat: Künftig werde die Telekom in der Konzernkommunikation auf Benchmark-Schaubilder verzichten, "in denen die Geschäftseinheiten untereinander verglichen werden." Nach Wochen der Streiks und des Konzernumbaus ist übersteigertes internes Konkurrenzdenken offenbar tabu. Stattdessen verordnet sich die Telekom eine Art Harmoniekur.

Angesichts der schlechten Umfrageergebnisse könnte man den Eindruck gewinnen, die meisten Telekom-Mitarbeiter seien destruktive, illoyale Miesmacher. Weit gefehlt. Trotz aller Skepsis gegenüber Obermanns Reformwerk: Die Beschäftigten scheinen immer noch an die Telekom zu glauben. Die große Mehrheit der Mitarbeiter, ergab die Befragung, empfiehlt die Produkte ihres Arbeitgebers im privaten Umfeld weiter. Zustimmungsrate: fast 74 Prozent.

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