Google Ein Spaziergang durchs All

Nach der Erde erobert Google nun den Weltraum. Die Zusatzfunktion Sky in der Landkartensoftware Google Earth erlaubt die virtuelle Reise des Nutzers ins All.
Von Alexander Zeuner

Hamburg - Rund 22 Millionen Dollar zahlte der amerikanische US-Millionär Dennis Tito für seinen Urlaub. Im Jahr 2001 verbrachte der damals 60-Jährige acht Tage im All. Bislang haben es ihm vier weitere Wohlhabende nachgemacht: Charles Simonyi, Mark Shuttleworth, Gregory Olsen und Anousheh Ansari. Google  will nun auch weniger gut betuchten den Blick ins All ermöglichen.

Der Internetkonzern steigt zwar nicht in das Reisegeschäft ein. Aber die neue Funktion Sky in der Landkartensoftware Google Earth eröffnet den Nutzern einen Blick ins Universum, den die Weltalltouristen in dieser Form nicht gesehen haben. Während man bei Google Earth über die Erde schwebt, klicken sich die Nutzer bei der Zusatzfunktion Sky durch den Orion-Nebel oder verfolgen die Mondphasen im Zeitraffer. Pop-up-Fenster liefern Informationen zu den jeweiligen Stationen, zum Beispiel den Horsehead Nebula.

"Heute wurde der Hebel umgelegt, das neue Feature in Google Earth steht zum Download bereit", verkündete Google-Sprecher Stefan Keuchel im Planetarium Hamburg die weltweite Premiere. Um auf Sky zugreifen zu können, ist die Installation der neuen Google-Earth-Version erforderlich. Danach hat der Sky-Nutzer verschiedene Möglichkeiten, seine Entdeckungsreise zu starten.

Durch 200 Millionen Galaxien kann man sich bewegen. Das beginnt bei der Abbildung der Sternbilder oder der Planeten, Details dazu erscheinen in eigenen Fenstern. Über einen Zeitraum von zwei Monaten lassen sich die Planetenstellungen und Mondphasen darstellen. Spektakuläre Bilder liefert der Menüpunkt HST. Die Nasa beziehungsweise die Esa stellten 129 Bilder zur Verfügung, aufgenommen von dem Hubble Space Telescope (HST).

Werbebanner am Mond?

Werbebanner am Mond?

Die Arbeit mit Nasa und Esa sind nur zwei der zahlreichen Partnerschaften, die Google  für das neue Feature einging. Um die Weltallkarte zu erstellen, wurden Bilder von wissenschaftlichen Insitutionen und Projekten verbunden. Über die Höhe der Investitionen schweigt sich Google wie immer aus. Dass der Nutzer auf seinem Spaziergang im All künftig über Flaggen mit Firmenlogos stolpert, schließt Keuchel aus: "Die Möglichkeit, im neuen Programm Werbung zu schalten, gibt es nicht".

Spielwiese Weltall: Die Funktionen von Google Sky

Als Präsentationsort für die virtuelle Reise durch den Weltraum wählte Google das Hamburger Planetarium. Kaum waren die Sitze zu Liegestühlen zurückgeklappt, begann das Einführungsvideo, das an die Kuppel des Planetariums projiziert wurde. Danach stellte der Ingenieur und Head von Google Earth und Maps, Samuel Wiedmann, die neue Funktion vor.

"Um die riesigen Rechenkapazitäten zu bewältigen, sind eine schnelle DSL-Verbindung und ein moderner Computer erforderlich", erklärte Wiedmann. So werden etwa die Planetenbahnen vom jeweiligen Startpunkt aus berechnet. Dadurch hat der Nutzer in Hamburg eine andere Sicht auf den Weltraum als ein Hobbyastronom in Sydney.

Auch Planetariums-Direktor Thomas Kraupe war anwesend. An einen Konkurrenzkampf zwischen seinem Haus und dem neuen Feature von Google glaubt er aber nicht: "Das Rundum-Erlebnis in unserem Planetarium ist nicht zu ersetzen".

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