Infineon Handychip-Sparte gestärkt

Infineon-Chef Wolfgang Ziebart verfolgt emsig das Ziel, sein Unternehmen durch Zukäufe zu stärken. Erst vor zwei Monaten übernahm der Halbleiterkonzern die Breitbandchip-Sparte von Texas Instruments. Nun kauft Infineon das Handychip-Geschäft des US-Herstellers LSI Logic Corporation.

München - Der Kaufpreis für das Handychip-Geschäft von LSI Logic Corporation (LSI) betrage rund 330 Millionen Euro, teilte Infineon  mit. Hinzu komme eine bedingte erfolgsabhängige Zahlung von bis zu 37 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion werde im vierten Kalenderquartal 2007 erwartet.

Mit dem Kauf übernehme Infineon rund 700 Mitarbeiter, die im ersten Halbjahr einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro erwirtschaftet hatten. Die Sparte entwickelt hauptsächlich Basisband-Chips und Mobilfunkplattformen, ohne eine eigene Fertigung zu unterhalten.

Größter LSI-Kunde sei die Mobilfunksparte des koreanischen Elektrokonzerns Samsung , der zu den fünf größten Handyherstellern der Welt zählt. Infineon habe sich mit der Übernahme einen wichtigen Zugang zu Samsung als Basisband-Lieferant geschaffen, sagte ein Infineon-Sprecher.

Ursprünglich gehörte die von Infineon übernommene Sparte zu Agere Systems. Im vergangenen April 2007 war Agere vom Speicher- und DVD-Chip-Spezialisten LSI für rund drei Milliarden Euro in Aktien übernommen worden.

Sprung in die schwarzen Zahlen

Durch die Akquisition des Handychip-Geschäfts der Amerikaner erwartet Infineon einen "deutlich positiven Beitrag" beim Betriebsergebnis vor Abschreibungen von immateriellen Vermögenswerten (Ebita) für das Geschäftsjahr 2008. Die bislang Verluste schreibende Kommunikationschip-Sparte peilt bereits für das kommende Weihnachtsquartal den Sprung in die schwarzen Zahlen an.

Die Übernahme ist für Infineon nach dem Kauf der Breitbandchip-Sparte des Konkurrenten Texas Instruments die zweite Akquisition innerhalb weniger Monate. Konzernchef Wolfgang Ziebart hatte nach der Abspaltung der schwankungsanfälligen Speicherchipsparte Qimonda  angekündigt, das verbleibende Geschäft mit Halbleitern für die Telekommunikation, die Industrie und die Autobranche auch mit Zukäufen auszubauen und so nachhaltig in der Gewinnzone zu verankern.

Von der Mehrheit der in New York börsennotierten Qimonda will sich Ziebart so rasch wie möglich trennen. Bis zur Hauptversammlung 2009 soll die Beteiligung auf deutlich unter 50 Prozent von zuletzt rund 86 Prozent reduziert werden. Mit den Erlösen sollen unter anderem Zukäufe finanziert werden. Da die Aktien der im vergangenen Quartal verlustreichen Qimonda derzeit nur schwer verkäuflich sind, schwebt Ziebart vor, die bis Anfang 2009 noch verbleibenden Papiere an die Infineon-Aktionäre zu verschenken.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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