Foto-GPS Der Bilder-Navigator

Der schier endlos erscheinende Speicherplatz auf Digitalkameras verführt Fotofreunde häufig zum erbarmungslosen Drauflosknipsen. Schnell stellt sich da mal die Frage, wo bestimmte Fotos entstanden sind. Mit dem sogenannten Geotagging lässt sich der Entstehungspunkt eines Bildes metergenau anzeigen.

Hamburg - Früher hemmten hohe Kosten fürs Entwickeln der Negativ- oder Diafilme die Knipswut. Somit schoss man die meisten Bilder mit Bedacht, schrieb vielleicht sogar die Negativnummer und das Motiv in ein kleines Notizbuch. Ins Album geklebt, konnte man jedes Bild noch mit Notizen über das Wann und Wo der Aufnahme versehen.

In der Welt der Digitalfotos ist das anders. Zwar werden viele digitale Bilddaten mit dem Foto abgespeichert, aber nicht der Ort, wo die Aufnahme entstand. Mit dem sogenannten Geotagging schaffen Bilderdienste wie Flickr jetzt Abhilfe. Jedes Foto lässt sich in Alben packen, mit einer Beschreibung versehen und auch mit Stichwörtern, den sogenannten Tags.

Der Clou: Auf einer Landkarte können Sie den Aufnahmeort fürs Foto suchen, und es dort wie auf einer Pinwand fixieren. So können Sie leicht den Überblick behalten. Wer allerdings wirklich fleißig knipst, für den artet das Anpinnen der Fotos per Hand in Stress aus.

Das ist auch beim von Google  übernommenen spanischen Anbieter Panoramio nicht anders. Dessen Datenspeicher umfassten im Juni bereits zwei Millionen Fotos, die meisten davon nicht öffentlich. Nur die schönsten Bilder werden den Benutzern des kostenlosen Atlas-Programms "Google Earth" weltweit gezeigt.

Kombination von GPS- und Kameradaten

Auch bei Panoramio muss man bislang jedes Bild einzeln einer Position auf der Karte zuordnen. Und ob das tatsächlich der Ort war, wo der Finger den Auslöser drückte, ist Glückssache.

Mit dem automatischen Geotagging lassen jedoch auch die Bilderfluten von Fotofans beherrschen. Das funktioniert beim Internetangebot von Locr.com  so: Der Besucher lädt zunächst ein kostenloses Programm ("GPSPhoto") herunter. Das ordnet den ausgewählten Bildern die Positionsdaten aus einem GPS-Empfänger zu.

Im Detail funktioniert das folgendermaßen: GPSPhoto liest aus den Bilddaten den Aufnahmezeitpunkt heraus und aus dem mitgenommenen GPS-Empfänger die Positionsdaten. Stimmen Positionsdaten und Aufnahmezeitpunkt des Fotos überein, ist klar, an welcher geographischen Position das Foto gemacht wurde. Die Positionsangaben werden daraufhin den Bilddaten hinzugefügt. Das Bild erhält ein sogenanntes Geotag.

Kinderkrankheiten

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Das Foto lässt sich anschließend zur Locr-Internetseite überspielen und auf einer Karte anzeigen. Dabei kann jeder selbst entscheiden, wer die Bilder sehen darf.

Um GPSPhoto anwenden zu können, braucht man einen GPS-Empfänger, bei dem sich der zurückgelegte Weg als "Krümelspur" in einem sogenannten Track speichern lässt. Ein Track enthält jede Menge Positionsdaten, und zu jedem Datenpunkt auch die Zeit, wann man dort war. Dieser Track wird aus dem GPS-Empfänger zum Computer überspielt und von dem Programm GPSPhoto verarbeitet.

Im praktischen Einsatz funktioniert das automatische Geotagging allerdings bei weitem noch nicht reibungslos. Einer der Gründe: Gewöhnliche GPS-Daten müssen zunächst in ein Format umgewandelt werden, das von GPSPhoto verstanden wird. Dabei treten immer noch Fehlermeldungen auf. "Hier müssen wir noch etwas tun", räumt Malte Schloen, Geschäftsführer von Locr.com, ein.

GPS-Tracker ist empfehlenswert

"Wir dachten eigentlich zuerst daran, dass Fotofreunde sich einen speziellen GPS-Tracker separat kaufen", sagt Schloen. Das für rund 100 Euro im Handel erhältliche entsprechende Modell CS1-KA von Sony  zeige solche Fehler beispielsweise nicht. Allerdings greifen viele Nutzer zu den nicht viel teureren Geräten mit Karten- und Richtungsanzeige, die dafür universeller einsetzbar sind und auch bei Wanderungen oder Radtouren ein nützlicher Begleiter sein können.

Sinkende Hardwarepreise sollen dem Geotagging zum Durchbruch verhelfen. "Zu Weihnachten wird es Geräte geben, die deutlich günstiger sind", sagt Schloen. Die sollen dann im Bündel mit Extrafunktionen für Locr.com angeboten werden. Dafür liefen bereits Verhandlungen mit rund 30 taiwanesischen GPS-Herstellern.

Michael Link, ddp