Webvideothek Wenn Hollywood zweimal klingelt

Wer mit einem Video gern einen gemütlichen Heimkinoabend auf der Couch verbringt, muss nicht weit aus dem Haus. Ein paar Schritte zum Briefkasten genügen, denn Onlinevideotheken verschicken die Silberlinge per Post. Doch nicht für alle Nutzer lohnt sich das Geschäft.

Düsseldorf/München - Die Onlineanbieter von DVDs setzen meist keine Leihfristen und locken mit riesiger Auswahl und Pauschaltarifen - ideal für Filmfans, die sonst nur schwer an Nachschub kommen. "Onlinevideotheken sind interessant für Nutzer, die keine Videothek um die Ecke haben oder nur Automaten mit begrenztem Angebot", erklärt Tobias Teetz, Internetredakteur der Zeitschrift "PC Praxis". "Man kann einen DVD-Vorrat zu Hause haben und ohne Zeitdruck schauen", sagt Martina Bruder, Geschäftsführerin des Anbieters Glowria , zu dem auch die Portale Dividi, Invdeo und DVD-leihen gehören.

Bequemer geht es kaum: Unabhängig von Öffnungszeiten stöbert der Kunde am heimischen PC in der Onlinedatenbank und wählt einen oder mehrere Streifen aus. Der Zusteller liefert die Scheiben dann ins Haus. Ist der Filmgenuss vorbei, werden die Silberlinge zurückgesandt. Im vorfrankiertem Rückumschlag wirft der Kunde sie in den nächsten Postkasten - so viel Körpereinsatz muss dann doch sein.

Mehr als zwei Dutzend Onlinedienste buhlen inzwischen um die Gunst der Videofreunde, schätzt Stefan Lehne, Betreiber des Ratgeberportals DVD-Verleih . Zu den großen Anbietern gehören neben Glowria auch Amango , Amazon  und Netleih . "Die Dienste bieten ganz unterschiedliche Tarife an, die eigenen Sehgewohnheiten sind entscheidend."

Bei Volumenabonnements darf für einen Pauschalbetrag eine bestimmte Anzahl von Titeln pro Monat bestellt werden, bei Amazon  zum Beispiel insgesamt drei DVDs für 8,99 Euro. Bei einer Flatrate leihen Kunden so viele Streifen aus wie sie möchten, etwa bei Amango für 14,99 Euro maximal zwei DVDs auf einmal.

Die Höchstanzahl der DVDs, die gleichzeitig zu Hause verbleiben kann, ist begrenzt. Die Leihfristen entfallen bei diesen Modellen. Der Nutzer schickt die Streifen zurück, wenn er ihrer "überdrüssig" ist. Aber erst dann gibt es automatisch neue Streifen, die zuvor auf einer "Wunschliste" eingetragen wurden. "Es liegt im Eigeninteresse, die DVDs rechtzeitig einzusenden, damit man nicht weniger erhält als man bezahlt", erläutert Teetz von "PC Praxis".

Die Abos sind meist zum Monatsende kündbar, bei längeren Laufzeiten bieten manche Dienste Rabatte, erläutert Experte Lehne. Einige erlauben auch "Urlaubspausen". Wer sich nicht binden will, leiht einfach einzeln aus. Das geht zum Beispiel bei Verleihshop  oder bei Ovideo . Dann wird pro Vorgang bezahlt. Rückgabefristen existieren, fallen laut Lehne aber großzügig aus, eine Woche und länger sind drin.

Konsum und Portokosten beachten

Konsum und Portokosten beachten

Erstnutzer sollten mit einem Einsteigerabo ihren Konsum ausloten, empfiehlt Bruder von Glowria. "Eine Flatrate eignet sich nur für Vielgucker." Die Einzelbestellung biete sich für Kunden an, die selten und gezielt ausleihen. In jedem Fall gilt: "Nutzer sollten auf die Portokosten achten. Selbst bei manchen Angeboten, die als Flatrate bezeichnet werden, sind sie nicht inklusive. Dafür ist dann die Pauschalgebühr niedriger", sagt Experte Lehne.

Nach Angaben des Bundesverbandes Audiovisuelle Medien (BVV) ist die Onlinebestellung mit durchschnittlich 3,45 Euro pro Verleihvorgang optisch teurer als in der Videothek, wo die Leihmiete im Schnitt nur 2,51 Euro beträgt. "Das relativiert sich aber, da die Kunden die online ausgeliehenen DVDs länger zu Hause behalten", erklärt BVV-Geschäftsführer Oliver Trettin. Gerade bei Flatratetarifen kann der auf eine DVD umgerechnete Preis noch deutlich sinken.

Unschlagbar ist zudem die Auswahl der Onlinevideotheken, sie verfügen je nach Anbieter über bis zu 20.000 Titel. "Damit kann kein Automat und keine Videothek mithalten", sagt Trettin. "Man findet auch viele Klassiker und Programmfilme", ist die Erfahrung von Teetz. So hat der Filmverleih per Internet eine kleine treue Anhängerschaft gefunden. Dem BVV zufolge werden bereits 7 Prozent aller Leih-DVDs per Post verschickt.

Verzögerungen kommen vor

Ein paar Mankos hat der Internetverleih dennoch. Der Versand dauert zwar im Idealfall ein bis zwei Tage und verlief bei Tests einiger Anbieter durch "PC Praxis" reibungslos. Doch manche Leser berichteten in Ausnahmefällen von Wartezeiten von bis zu einer Woche. "Verzögerungen kommen immer mal wieder vor. Die Zuverlässigkeit schwankt von Anbieter zu Anbieter", weiß auch Lehne. Gedulden müssten sich Kunden bisweilen bei begehrten Neuerscheinungen. Nutzer können Wartezeiten auch selbst vorbeugen, indem sie ihre Wunschliste nicht zu knapp bemessen. "Sie sollte mindestens 20 Titel umfassen", rät Bruder.

Hinzu kommt das Prinzip Wundertüte: Die Prioritätenliste wird nicht von oben nach unten abgearbeitet. "Der Nutzer weiß nicht genau, wann welcher Film eintrifft", erklärt Experte Lehne. Filmabende müssen zudem im Voraus geplant werden. Eine spontane Ausleihe ist weiterhin nur in der Videothek um die Ecke möglich.

Ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor ist der mögliche Verlust der Silberlinge auf dem Postweg. Die großen Onlinevideotheken sind laut Teetz in der Regel kulant und tragen das Risiko. Interessenten sollten sich dennoch informieren, wer haftet, wenn die DVD nicht oder nur kaputt beim Verleih zurückkehrt, rät Lehne.

Berti Kolbow, dpa

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