Triple Play Dreierpack mit Macken

Pakete aus TV, Telefon und Internet gibt es ab 42 Euro im Monat. Außerdem locken einige Triple-Play-Anbieter mit virtuellen Videotheken oder Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga. Das klingt toll - ist es aber nicht. Stiftung Warentest hat ermittelt, welche Probleme die Dreifachpakete in der Praxis haben.

Berlin - Triple Play gibt es auf zwei Wegen: entweder per Kabelnetz oder über das Telefonnetz. Keiner von beiden Wegen ist perfekt. Die Kabelnetzbetreiber Kabel BW, Kabel Deutschland und Unitymedia liefern zwar exzellente Fernsehbilder. Doch bei Telefonaten im Kabelnetz sieht es weniger erfreulich aus. In den ersten Wochen der Testphase gingen bei allen Anbietern ankommende Anrufe verloren. Nachbesserungen waren nötig. Fazit: Die Kabelnetzbetreiber verstehen etwas vom Fernsehen, haben aber noch einige Schwierigkeiten mit dem Telefonieren.

Zuverlässige Telefonanschlüsse liefern dagegen Alice und T-Com. So sollte es bei einem Telefonanbieter auch sein. Dafür versagen sie beim Fernsehen: Bei Alice ruckeln die Bilder gelegentlich. Einzelne Sender fallen auch mal aus. Beim Umschalten erscheint der neue Sender erst nach mehreren Sekunden. Grund: Die Bilder gelangen per Internetprotokoll ins Haus. Diese Technik ist noch nicht sehr ausgereift.

Es bleibt also die Wahl zwischen prima Fernsehen mit unzuverlässigem Telefonanschluss. Oder problemlosen Telefonverbindungen mit miesem Fernsehbild. Beides verdirbt auf Dauer die Laune. Kleiner Trost: Die Internetverbindungen funktionieren bei allen Anbietern zuverlässig und schnell.

Auch die Bestellung und Einrichtung des Dreifachanschlusses macht in der Regel wenig Freude: Bei T-Home ging die erste Onlinebestellung verloren. Bei Alice warteten zwei Testhaushalte mehrere Monate vergebens auf das DSL-Fernsehen. Und bei Kabel BW dauerte es zwölf Wochen, bis der Dreierpack einsatzfähig war.

Zugegeben: Der Umstieg ist nicht ganz einfach. Für Kabelanschlüsse muss eine neue Multimediadose angebaut werden. In Mietwohnungen geht das nur mit Erlaubnis des Eigentümers. Die eigentliche Installation übernimmt ein Techniker des Anbieters.

Der Zuschauer ist nicht länger anonym

Wer sich für Fernsehen übers Telefonnetz anmeldet, sollte zumindest eins wissen: Die Leitungen sind rückkanalfähig. Anders als beim herkömmlichen Fernsehkabel können auch Signale vom Zuschauer zum Sender gelangen. Vorteile sind die interaktive Teilnahme an Gewinnspielen oder der Filmverleih aus virtuellen Videotheken. Nachteil: Der Zuschauer ist nicht länger anonym. Datenschützer befürchten, dass die Anbieter den Zuschauer über die IP-Adresse identifizieren und ihm individuell zugeschnittene Werbung senden können.

Wer beispielsweise über IPTV die Tour de France verfolgt, könnte je nach Standort Werbebanner des nächstgelegenen Fahrradhändlers auf den Bildschirm bekommen. Solche Werbung ohne Streuverluste lässt sich besonders teuer verkaufen. Für die Empfänger wäre es das Ende des anonymen Fernsehens.

Die Kombination aus Telefon, Fernsehen und Internet von einem Anbieter hat noch Macken. Am ehesten können die Kabelnetzbetreiber zufrieden stellen. Erst mit Nachbesserungen am Telefonanschluss funktionieren ihre Triple-Play-Pakete halbwegs zuverlässig. Bei den Telefonnetzbetreibern liegt die Schwäche jedoch im System. Fernsehen übers Internet ist noch nicht schnell genug, um es mit herkömmlichen Fernsehbildern aufzunehmen. Hier braucht es bessere Technik und Software.

Wer sparen will, sollte ohnehin kein Triple-Play kaufen. Ein günstiges Paket aus Internet- und Telefonanschluss zusammen mit kostenlosem Fernsehempfang über Satellit oder digitales Antennenfernsehen DVB-T ist in jedem Fall billiger.

TV-Telefon-Internet: Die Anbieter im Überblick Ratgeber: So richten Sie Ihren Anschluss ein

Verwandte Artikel