Deutsche Telekom Der verpuffte Streik

Tagesschau und Radio berichteten täglich, Gewerkschaften beriefen Pressekonferenzen ein und Politiker ergriffen im größten Streik in der Geschichte der privatisierten Deutschen Telekom ebenfalls Partei. Jetzt, nachdem der Spuk vorbei ist, wird klar: Die Telekom hat die Machtprobe mit der Gewerkschaft Verdi gewonnen.
Von Karsten Stumm

Bonn - Es war der größte Streik in der Geschichte der Deutschen Telekom . Mehrere Wochen lang versuchten Tausende Telekom-Angestellte den rosa Riesen lahm zu legen, um gegen längere Arbeitszeiten, niedrigere Löhne und das große Stühlerücken zu protestieren: Die Verlagerung von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen in sogenannte Servicegesellschaften.

Der Kampf war der Gewerkschaft Verdi so wichtig, dass ihre Streikenden selbst den Staatschefs auf dem vergangenen G8-Treffen in Heiligendamm das Telefon abzuklemmen drohten. Tatsächlich blieb durch den Ausstand der Telekom-Tausenden schließlich so viel Arbeit unerledigt liegen, wie 460.000 Frauen und Männer binnen eines Tag abarbeiten könnten. Gewonnen aber hat die Machtprobe dennoch die Telekom.

Gerade einmal einen zweistelligen Millionenbetrag hat der Arbeitskampf den größten europäischen Telefonkonzern gekostet, hat Telekom-Chef René Obermann heute offengelegt. Gemessen an den 9,6 Milliarden Euro, die das Unternehmen im ersten Halbjahr 2007 vor Steuern und Abschreibungen verdient hat, ist das kaum der Rede wert. Der Streik hat sich deshalb für die Telekom gelohnt.

Denn ab sofort arbeiten schließlich 50.000 Telekom-Leute vier Stunden pro Woche mehr. 31.000 Angestellte bekommen Monat für Monat 6,5 Prozent weniger Geld überwiesen und Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick drückte die Einstiegsgehälter sogar noch deutlicher. "Alles in allem haben wir die Produktivkosten der Mitarbeiter im Telekom-Service-Bereich pro Arbeitsstunde um 20 bis 25 Prozent gesenkt", sagte Obermann heute.

Damit ist die Telekom ihrem Ziel ein gutes Stück nähergekommen, ihre Dienste künftig zu wettbewerbsfähigeren Preisen als in den vergangenen Monaten anzubieten und Schritt für Schritt mehr Gewinn zu erwirtschaften. "Insgesamt planen wir jetzt bis zum Jahr 2010 ansteigende Einsparungen von dann rund 700 Millionen Euro jährlich", sagte Telekom-Finanzchef Eick dann auch.

Kündigungen im unteren Teil des Stapels

Kündigungen im unteren Teil des Stapels

Ob Obermanns Streikerfolg allerdings in einigen Monaten weniger hell glänzen wird als heute, ist noch nicht sicher. Denn neben den Millionen, die der Streik die Telekom bereits jetzt gekostet hat, drohen der Nummer Eins unter den Telekommunikationsfirmen in Deutschland noch Streikkosten, die heute niemand so recht beziffern kann.

"Wir hatten in der Tat eine gewisse Zahl von Kundenbeschwerden, die wir während des Streiks nicht vermeiden konnten", musste Telekom-Lenker Obermann heute eingestehen. Sollten sich einige der verärgerten Kunden aber dazu entschlossen haben, der Telekom den Rücken zu kehren, fällt die Streikbilanz womöglich in einigen Monaten deutlich schlechter für das Unternehmen aus als heute. "Wie viele Kunden wir aufgrund des Streiks verloren haben, können wir nicht genau sagen", antwortete Obermann auf Nachfrage von manager-magazin.de ausweichend. Womöglich sind es einige Tausend.

Im Streikquartal haben sich schließlich 516.000 Besitzer von Telekom-Schmalbandanschlüssen entschlossen, zu einem anderen Telefonanbieter zu wechseln. Zudem hat es das Unternehmen noch sind nicht geschafft, alle Kundenwünsche aus der Streikzeit aufzuarbeiten. Erst im Laufe dieses Monats, hofft Obermann, wird der Papierstapel abgearbeitet sein. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kündigungen in diesem Stapel aber nicht unbedingt als erstes in Angriff genommen worden sind", argwöhnt ein Telekom-Analyst gegenüber manager-magazin.de.

Darüber hinaus wird die Telekom im Laufe dieses Jahres wohl in Folge des Streiks noch auf kleinere Umsatzmöglichkeiten verzichten müssen. Die streikenden Telekom-Leute hatten während ihres Ausstandes natürlich keinen Handschlag für den Ausbau des Internethochgeschwindigkeitsnetzes (VDSL) der Telekom getan. "Auf Jahressicht wird deshalb wohl eine deutsche Stadt weniger als eigentlich geplant an das Netz angeschlossen sein", fürchtet Telekom-Vorstandschef Obermann. Er wird es verschmerzen können.

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