Deutsche Telekom Obermanns Versprechen

Ergebnis verbessert, Gewinnprognose bestärkt: Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen hat sich Telekom-Chef René Obermann bei der Halbjahrespressekonferenz etwas Luft verschafft. Doch sein Zahlenwerk macht auch deutlich, dass der Bonner Konzern weiterhin schwere Probleme hat. Besonders im Inland.
Von Simon Hage und Karsten Stumm

Bonn - "Wir liegen im Plan". Diesen Satz wiederholte Konzernchef René Obermann bei der Halbjahrespressekonferenz der Deutschen Telekom  in Bonn immer wieder. Mehrfach bekräftigte er auch, das Jahresziel von 19 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) werde erreicht. Die Folgen der wochenlangen Streiks, so Obermann, "haben wir erfolgreich abfedern können". Auch an den Plänen, zwei Milliarden Euro bis Jahresende einzusparen, hält die Telekom fest.

Eine klare Botschaft, die Obermann hoch konzentriert verkündete. Verhaspler leistete er sich kaum. Die Börse reagierte positiv auf die Ausführungen des jungen Konzernchefs. Gegen zwölf Uhr lag die T-Aktie gegen den Trend mit 1,15 Prozent im Plus.

Tatsächlich hat der Bonner Konzern die Analysten mit einigen Eckdaten positiv überrascht. Das bereinigte Ebitda stieg im zweiten Quartal um 1,8 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Auch der Gesamtumsatz legte um 2,9 Prozent auf 15,57 Milliarden Euro zu. Als dicker Wermutstropfen verbleibt der bereinigte Konzernüberschuss, der im Vergleich zum Vorjahresquartal um 46 Prozent auf 574 Millionen Euro nachgab. Dies ist laut Telekom in erster Linie auf gestiegenen Abschreibungen und einen erhöhten Steueraufwand zurückzuführen.

Bei näherem Hinsehen finden sich weitere dunkle Flecken im Zahlenwerk der Telekom. Wirkliches Wachstum hat sie nur für das Auslandsgeschäft zu vermelden. Wie erwartet bleibt T-Mobile USA, die Mobilfunktochter in den Vereinigten Staaten, wichtigster Wachstumstreiber. Insgesamt nahm der Auslandsumsatz im zweiten Quartal um 13,7 Prozent auf 7,95 Milliarden Euro zu.

Dagegen schrumpft das Inlandsgeschäft der Telekom weiter. Diesen Trend konnte der Bonner Konzern auch im ersten Halbjahr 2007 nicht stoppen. 1,1 Millionen Festnetzkunden kehrten der Telekom den Rücken - davon 516.000 im zweiten Quartal. Zwar legte das DSL-Geschäft zwischen April und Juni mit 448.000 Neukunden zu. Doch das reichte nicht aus, um die abgewanderten Kunden zu ersetzen: Der Inlandsumsatz ließ um 6,3 Prozent auf 7,62 Milliarden Euro nach.

Unklare Zukunft für T-Systems

Unklare Zukunft für T-Systems

Auch das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL wird die Probleme im Inland kurzfristig nicht lösen können. Diesbezüglich nannte Obermann keine konkreten Kundenzahlen - lediglich Potenziale: Derzeit können 6,2 Millionen Haushalte VDSL bekommen, insgesamt soll das Netz binnen Jahresfrist für 17 Millionen Haushalte ausgebaut werden. Auf Nachfrage erklärte der Telekom-Chef jedoch: Er gehe nicht davon aus, den Kundenschwund im Festnetzbereich in absehbarer Zeit durch VDSL-Neukunden auffangen zu können. Denn Kundenverluste seien hierzulande auch von der Regulierungsbehörde gewollt.

Immerhin: Von der neuen Billigmarke Congstar, die im Juli eingeführt wurde, erwartet Obermann bis 2010 eine Milliarde Euro Umsatz. "Insgesamt ist der Start gelungen", so Obermann.

Unklar bleibt die Zukunft von T-Systems. Mancher Anleger hatte sich ein klares Wort des Konzernchefs zur Geschäftskundensparte erhofft. Dafür sucht der Telekom-Konzern seit Monaten einen strategischen Partner. Möglicherweise werde sogar bereits bei der Pressekonferenz ein solcher Partner präsentiert, hatte es in Branchenkreisen zuvor geheißen. Doch Obermann erklärte lediglich, er wolle die Suche in einigen Monaten abschließen - je schneller, desto besser.

Bisweilen etwas unwirsch

Bisweilen etwas unwirsch

Mehrere Gespräche seien geführt worden. Finanzchef Karl-Gerhard Eick erklärte: "Wir hätten zwischen mehreren Partnern wählen können." Dann habe sich die Telekom allerdings entschieden, erst einmal genauer zu definieren, welche Bereiche von T-Systems überhaupt in die Partnerschaft eingehen sollen - und welche ganz bei der Telekom verbleiben. Obermann sagte dazu: "Diese Abgrenzung ist komplex und braucht Zeit."

Nachfragen von Journalisten zu T-Systems beantwortete Obermann - ansonsten betont gelassen - bisweilen etwas unwirsch. Er bitte um Verständnis, noch keine näheren Details verkünden zu können. Überdies erklärte der Telekom-Chef, es gebe bei der Geschäftskundensparte weiteren Restrukturierungsbedarf - ohne konkrete Zahlen zu nennen. T-Systems wird derzeit kommissarisch von Finanzchef Eick geführt. Der bisherige Spartenchef Lothar Pauly musste das Unternehmen im Mai verlassen - offenbar wegen der Befürchtung, der Ex-Siemens-Manager könnte in die Korruptionsaffäre verstrickt sein.

Nun laufe die Suche nach einem neuen Chef für die Geschäftskundensparte, erklärte Obermann. Dadurch zeige die Telekom, dass der Konzern sich der Sparte klar verbunden fühle.

Obermann hinterließ heute nicht den Eindruck, als stehe er unter unerträglichem Druck. Die Vorstellung in Bonn ist ihm geglückt. Jetzt muss er seine optimistischen Ziele erreichen.

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