W-USB Schluss mit der Strippenzieherei

Tastaturen, Mäuse, Handys - all diese Geräte können bereits drahtlos mit dem Computer kommunizieren. Drucker und Co. haben da noch ihre Schwierigkeiten. Ein kabelloser USB-Anschluss könnte das Kabelwirrwarr am Computer endgültig beenden - wenn die letzte Hürde genommen wird.

Hamburg - Die W-Lan-Technologie hat es vorgemacht: Um ständig mit dem Internet verbunden zu sein, bedarf es keiner Kabel mehr. Ebenso wenig muss man Tastaturen, Mäuse und Handys heute noch mit dem Rechner verdrahten. Bluetooth-Funktechnologie hat die Strippen für solche Geräte obsolet gemacht.

Drucker, Scanner, externe Festplatten und viele weitere Geräte müssen aber weiterhin per Kabel an den Rechner angeschlossen werden. Das ist umständlich, unübersichtlich und sieht auch nicht gut aus. Doch damit soll es bald vorbei sein. Wireless USB (W-USB), eine Funkvariante des USB-Standards, tritt an, die (vor)letzten Kabel vom Schreibtisch zu verbannen.

Dass dieser Schritt bisher noch nicht gelungen ist, liegt vor allem an den Beschränkungen bestehender Standards. So ist der Drahtlos-Netzwerkstandard W-Lan prinzipbedingt nicht sonderlich gut geeignet, Anschlüsse für Peripheriegeräte bereitzustellen. Zu kompliziert ist die Installation, zu teuer die Chips, zu groß deren Stromverbrauch.

Volle Leistung nur bei minimaler Reichweite

Die Bluetooth-Technik hingegen leidet an chronisch schmaler Bandbreite. Selbst in der Version 2.0 mit EDR (Enhanced Data Rate) kommt der Kurzstreckenfunk gerade mal auf magere 2,1 Megabit pro Sekunde. An einem USB-Anschluss hingegen werden, zumindest theoretisch, bis zu 480 Megabit pro Sekunde übertragen.

Genau diese Datenrate sei mit W-USB auch ohne Kabelverbindung erreichbar, verspricht das USB-IF, ein Zusammenschluss von Firmen, die sich um die Weiterentwicklung und Standardisierung von USB kümmern. Allerdings, so schränkt das Gremium selbst ein, sei die hohe Geschwindigkeit nur über Entfernungen von maximal drei Metern gewährleistet. Bei Strecken von bis zu zehn Metern sollen aber immerhin noch Datenraten von bis zu 110 Megabit pro Sekunde möglich sein. Damit bietet W-USB eine Leistung, die seinem kabelgebundenen Vorbild kaum nachsteht.

Um das zu erreichen, nutzt W-USB den sogenannten Ultrabreitband-Funk (UWB), ein sehr breit angelegtes Frequenzband. Kritiker fürchten allerdings, die Nutzung dieser Frequenzen könnte andere Funkbasierte Anwendungen stören, weil UWB genau jene Frequenzbänder nutzt, auf denen auch andere Funktechnologien, wie etwa W-Lan, Bluetooth oder der Flugradar, senden und empfangen.

Nur eine Handvoll Produkte

Nur eine Handvoll Produkte

Wohl auch aufgrund solcher Bedenken ist die Benutzung von W-USB-Geräten in der EU zurzeit noch nicht erlaubt. Da bislang noch keine Endgeräte verfügbar waren, konnte man schwerlich abschätzen, welchen Einfluss die neue Technik auf andere Geräte haben wird. Die EU-Kommission hat jedoch bereits erklärt, dass die Regelungen zur Nutzung der UWB-Frequenzen EU-weit in Einklang gebracht werden sollen. Noch in diesem Jahr sollen entsprechende Richtlinien in Kraft gesetzt werden.

Noch ist die Zahl der Produkte, die vom USB-IF für Wireless USB zertifiziert wurden, allerdings sehr kurz. Nur zwei Notebooks und zwei W-USB-Sets, bestehend aus je einem W-USB-Stick und einem W-USB-Hub, bekamen bislang das Siegel der Standardisierer. Vorerst sind all diese Geräte zudem nur für den US-Markt angekündigt worden, wo W-USB bereits den Segen der staatlichen Zulassungsbehörde bekommen hat. Allen gemeinsam ist, dass sie erst im Herbst in die Läden kommen sollen.

Einzig Zubehörhersteller Belkin ist bereits mit einem fertigen, wenn auch nicht zertifizierten W-USB-Produkt, dem 200 Dollar teuren "Wireless USB Hub", auf dem Markt. Der zeigt auch gleich, wie in der Einführungsphase die typische Nutzung von W-USB aussehen wird. Sie wird wohl darin bestehen, dass man sich ein Set wie das von Belkin kauft, seine verdrahteten USB-Geräte an dessen W-USB-Hub anstöpselt und fortan mit einem per W-USB-Stick umgerüsteten Laptop die kabellose Freiheit nutzt.

"W" wie Wohnzimmer

Probleme sollte es dabei kaum geben, denn als einen der größten Vorteile von W-USB wird seine Kompatibilität zu bestehenden USB-Standards gepriesen. Dadurch sollen sich alle bereits jetzt mit USB ausgestatteten Geräte per Adapter Funkfähig machen lassen. Neue Treiber seien dafür nicht nötig, heißt es. Sollte der Standard allerdings ein Erfolg werden, dürften künftig beispielsweise Digicams und Drucker ab Werk mit W-USB ausgeliefert werden.

Die W-USB-Unterstützer-Gruppe um Intel, HP, Sony und Philips, wünscht sich allerdings, dass die neue Technik sich auch in der Unterhaltungselektronik als Kabelersatz durchsetzt. Schon jetzt schwärmen die Unterstützer von TV-Geräten und Videorekordern, die per W-USB verbunden Filme und Musik austauschen.

Wenn es tatsächlich soweit kommen sollte, könnte W-USB zum Killerfeature werden. Schließlich könnte man endlich und ohne umständliches Gefummel mit Spezialkabeln oder Kartenlesern, Bilder und Videos aus Camcordern, Digicams und Fotohandys auf den Bildschirm zaubern.

Was dann noch fehlt, ist eine Möglichkeit, die Akkus der vielen mobilen Gadgets aufzuladen, ohne dass man dazu an die Steckdose muss. Aber auch an Lösungen für dieses Problem wird schon eifrig geforscht.

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