TV+PC-Monitor Flimmernde Verbindung

Das Fernsehen erobert zunehmend das Internet. Immer mehr Filme und Serien werden daher direkt auf dem PC-Bildschirm geschaut. Als Ersatz für den Fernseher eignet sich der Monitor allerdings noch nicht.

Berlin/Stuttgart - Der PC-Bildschirm ist aus dem Arbeitszimmer nicht mehr wegzudenken, zahlreiche Stunden werden vor ihm verbracht. Ist die Arbeit erledigt, bleibt der Bildschirm meist ausgeschaltet und ungenutzt bis zum nächsten Tag.

Doch das könnte sich in manchen Haushalten bald ändern. Denn der PC-Bildschirm kann nicht nur Texte und Zahlen darstellen, sondern auch als Fernseher für Filme und Seifenopern genutzt werden. Die Entwicklung der Schreibtischfernseher ist jedoch noch nicht hundertprozentig ausgereift.

Ein Vorteil ist dem Verbraucher jedoch gewiss, wenn er ein Flachdisplay gleichermaßen als Fernseher und PC-Monitor nutzt: Er spart Platz. "Für die Studentenbude ist die Lösung optimal", sagt Dirk Lorenz von der Stiftung Warentest. Wer aber glaubt, mit einem Gerät allen Ansprüchen gerecht zu werden, der täuscht. Die Hersteller tun sich Lorenz zufolge noch schwer, beide Welten - die der Computer- und TV-Freaks - unter einen Hut zu bringen.

Unterschiedliche Farbwelten

Gerade bei der Farbwiedergabe zeichnen sich oft Probleme ab. "Die PC-Welt verwendet andere Farben als die Fernsehwelt", erklärt Friedrich Gierlinger vom Institut für Rundfunktechnik. Bei analogem TV seien die Farben oft blass, sagt Markus Wölfel vom Magazin "Video". Bei digitalem Bildempfang könne es hingegen passieren, dass die Farben stark überstrahlen und unangenehm wirken. "Das hängt von dem jeweiligen Modell ab", so Wölfel.

Der Experte gibt zu bedenken, dass auch glänzende Bildschirmflächen störend wirken können. Die Bildschirme, die zwar schick aussehen und jedes Bild in kräftigen Farben funkeln lassen, sind derzeit der absolute Renner. "In der Praxis ist das aber oft von Nachteil, weil sich jede Lampe darin spiegelt und den Blick ablenkt", erklärt Wölfel.

Während im PC-Betrieb der Bildschirm ein annehmbares Bild liefert, patzen die Geräte oft im Fernsehbetrieb. "Schriftzüge gibt der Monitor gestochen scharf wieder. Kommt Bewegung ins Bild, wird es schwierig", sagt Wölfel. Das Bild wirkt dann bei manchen Geräten sofort unnatürlich und unscharf. "Die PC-Monitore sind nicht für schnelle, bewegte Bilder gemacht", fügt Dietrich Sauter, ebenfalls vom Institut für Rundfunktechnik, hinzu.

Schlechter Blickwinkel

Schlechter Blickwinkel

Wer das eigene Heimkino mit großem Bildschirm bevorzugt, dem rät sein Kollege Gierlinger von einem PC-Monitor als Fernsehersatz ab: "Die Displays sind zu klein, das ist kein richtiger Fernsehgenuss." Der Einblickwinkel ist bei den meisten PC-Monitoren schmal. Wer nicht exakt in der Bildachse sitzt und nur einen Platz auf dem Sofarand ergattert, hat schlechte Karten.

Außerdem hat die Angelegenheit auch einen unbequemen Aspekt: Meist fehlt es den PC-Monitoren an einer Fernbedienung. Es bleibt beim lästigen Aufstehen, wenn man das Programm wechseln möchte.

Und wer am Feierabend viel Wert auf guten Sound legt, ist mit dem TV-Ersatz eher schlecht beraten. Die Lautsprecher hielten nicht viel aus, erklärt Warentester Lorenz. "Der Ton ist nicht berauschend."

Zudem hapert es ab und zu beim Fernsehbetrieb bei der 4:3-/16:9-Umschaltung. Bei manchen Geräten wird nicht die ganze Bildschirmfläche genutzt. Sie fügt sich nicht optimal in die Fernsehwelt ein und ist nicht kompatibel zum Computer. "Das 4:3-Format des Computers stirbt beim Fernsehen ja aus", erklärt Lorenz. Flachbildfernseher mit 16:9-Format hingegen besitzen eine für PC-Bildschirme unübliche Auflösung.

Lieber 16:10-Format

Lorenz empfiehlt daher das 16:10-Format. "Die Bilder können sonst matschig aussehen." Einen Nachteil kauft der Verbraucher laut Lorenz bei der neuen Pixeltechnik allerdings mit: "Texte werden nicht mehr richtig scharf wiedergegeben."

Lorenz rät beim Kauf eines PC-Monitors mit TV-Empfänger auf die höchstmögliche Auflösung, die Full-HD mit 1920 mal 1080 Bildpunkten, zu achten. Zudem sollten die multifunktionalen Geräte über einen Scart-, DVD- sowie Videorecorder-Anschluss verfügen. Nicht zu vergessen ist eine HDMI-Schnittstelle.

Der Käufer muss sich entscheiden, ob für ihn die PC- oder die Fernsehtauglichkeit wichtiger ist. Wer beim Fernsehen großen Wert legt auf hochwertige Farbdarstellung und gestochen scharfe Bilder, der sollte bei einem herkömmlichen Fernsehgerät bleiben. Kompromisslösungen bieten sich für all diejenigen an, die wenig Platz zu Hause haben und die über die kleinen Macken der PC-Monitore mit TV-Empfänger hinwegsehen können.

Stefanie Zenke, dpa

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