Navigation Mobile Wegweiser

Wer sich mit seinem Auto nur selten auf neue Wege begibt, muss kein teures Navigationsgerät kaufen. Viele der aktuellen Handys eignen sich ebenfalls als mobile Wegweiser, wie ein Test von vier Softwarelösungen zeigt.

Hamburg - Es ist eine Szene, die man jedes Jahr wieder entlang der Urlaubsrouten zu sehen bekommt. Er und Sie sitzen im Auto, streiten heftig über eine riesig ausgebreitete Straßenkarte, wie es wohl weitergehen könnte. Sie würde ja aussteigen und jemanden nach dem Weg fragen, aber dem versperrt Er sich vehement. Inzwischen fangen auf der Rückbank die Kinder an zu nörgeln, wann es denn endlich weitergeht.

Wer derlei Streitereien aus dem Weg gehen will, lässt sich komfortabel und zielsicher von einem Navigationsgerät zum Reiseziel lotsen. Das aber ist ganz schön teuer. Festeinbau-Systeme von PKW-Herstellern kosten meist über 2000 Euro. Portable Navis, die man an die Windschutzscheibe heftet, gehen zu Preisen ab rund 200 Euro über den Tresen. Aber selbst das ist zu viel, wenn man das Gerät vielleicht nur für wenige Wochen im Jahr, etwa für den Sommerurlaub, braucht.

Eine günstige Alternative sind in solchen Fällen Karten- und Navigationsprogramme für Handys. Denn ein Handy hat man in der Regel schon, muss also nur noch für die Software bezahlen, wenn überhaupt.

Ohne Zubehör geht gar nichts

Allerdings kommen in der Regel noch einige weitere Kosten auf den Handy-Navi-Nutzer zu. Das ist vor allem der GPS-Empfänger, den man anschaffen muss. Der sollte auf jeden Fall mit Bluetooth arbeiten, sich also kabellos ans Handy koppeln lassen. Kabellösungen hingegen sind meist veraltet und stören aufgrund der zusätzlichen Kabel nur. Bluetooth-GPS-Empfänger sind zu Preisen ab etwa 69 Euro erhältlich.

Damit nicht genug, braucht man zwingend noch eine Halterung für das Handy. Einfache Ausführungen mit Saugnapf für die Windschutzscheibe gibt es bereits für rund zehn Euro. Bessere, weil stabilere Modelle kosten entsprechend mehr. Für einige Mobiltelefone gibt es sogar Halterungen mit integrierter Stromversorgung samt Antennenanschluss. Das ist sehr komfortabel aber auch teuer.

Doch auch auf eine Handy-Stromversorgung für den Zigarettenanzünder sollte man nicht verzichten. Die ist dringend anzuraten, da der Handyprozessor bei der Navigation voll gefordert ist und zudem das Display durchgehend genutzt wird. So kann der Akku schon binnen weniger Stunden entleert werden.

Bevor man jedoch daran geht, sich mit Navi-Zubehör einzudecken, sollte man überlegen, welche Art der Navigation man überhaupt haben möchte und welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist - oder ob man nicht ein paar Einschränkungen in Kauf nimmt und dafür zu einem kostenlosen System greift.

TomTom Navigator 6

TomTom Navigator 6

Die Firma TomTom ist insbesondere für ihre Navigationsgeräte der TomTom Go-Serie bekannt. Zusätzlich bietet das Unternehmen aber auch Navigationssoftware für Handys und Handhelds an. Die aktuelle Version der Software gibt es, je nach Umfang der Karten und mitgeliefertem Zubehör, zu Preisen ab 99 Euro.

Besonders empfehlenswert ist hier das Komplettpaket inklusive GPS-Empfänger, Auto-Ladegerät und Halterung für 199 Euro. Für so viel Geld bekommt man freilich auch schon ein günstiges Navigationsgerät. Gelegentlich gibt es aber auch günstige Paketlösungen. So bekommt man beim Kauf eines Palm Treo-Smartphones der Serien 680 und 750 derzeit ein TomTom-Komplettpaket auf Wunsch kostenlos dazu.

Teuer, aber gut

Einmal auf dem Handheld installiert - dazu reicht es, die entsprechende Speicherkarte einzuschieben - lässt die Software kaum Wünsche offen. Die Routenplanungsoptionen entsprechen dem, was man auch von TomTom-Navigationsgeräten her kennt. Dazu zählt beispielsweise, dass man auch eine komplette Urlaubstour, samt Zwischenstationen, planen kann. Ebenso muss man sich nicht mit der voreingestellten Stimme für die Sprachführung zufrieden geben, sondern kann sich beispielsweise von Kaiser Franz leiten lassen - gegen Gebühr, versteht sich.

Ohnehin wird man, um die Möglichkeiten des Systems voll ausnutzen zu können, nochmals zur Kasse geben. So ist beispielsweise der Empfang von Verkehrsmeldungen kostenpflichtig, schlägt mit 39,95 Euro pro Jahr zu Buche. Ebenso wird für 49,95 Euro pro Jahr angeboten, eine stets aktualisiert Datenbank mit Radarfallen zu abonnieren. Immerhin, es gibt auch kostenlose Zusatzangebote: Die Wettervorhersage nämlich, lässt sich für jeden von den TomTom-Karten abgedeckten Ort, gratis abfragen.

Im Test erwies sich das System als eine Wonne. Routen werden zügig berechnet, verlässt man die Strecke, erfolgt innerhalb weniger Sekunden eine Neuberechnung. Vor allem aber wird man von den Sprachanweisungen stets rechtzeitig auf kommende Abbiegungen hingewiesen.

Wer daran interessiert ist, was am Rande der Straße los ist, kann sich von A wie Andachtsstätte über P wie Parkplatz bis hin zu Z wie Zahnarzt jede Menge Zusatzinformationen auf der Karte einblenden lassen. Insgesamt mag die TomTom-Lösung also zwar teuer sein, macht aus dem Handy allerdings auch einen vollwertigen Navigationscomputer.

Nokia Maps

Nokia Maps

Die hauseigene Kartensoftware Nokia Maps  gibt Nokia  ganz uneigennützig kostenlos heraus. Das ist nett, aber mit einigen Einschränkungen verbunden. Da ist zum einen die Kompatibilität. Die Software läuft nur auf den Modellen N70, N72, N73, N93i, 6110 und 6120. Wer ein älteres oder anderes Modell besitzt, kann sich den Download sparen. Unter dem Titel Smart2Go ist die Software zudem in einer Version für Windows-Mobile-Geräte auf einer eigenen Webseite erhältlich . Die andere Einschränkung: Navigation gibt es nur gegen Bares.

In der Grundversion bekommt man lediglich eine digitale Karte auf das Handy geladen. Die ist zunächst einmal sehr grob. Details und Zusatzinformationen, etwa über Flughäfen, Bahnhöfe, Restaurants, werden über das Handynetz geladen. Das kann bei intensiver Nutzung oder im Ausland (Stichwort: Roaminggebühren) teuer werden.

Freundlicherweise stellt Nokia eine PC-Software bereit, mit der man Kartendaten über die DSL-Leitung auf den Rechner ziehen und von dort ohne weite Kosten aufs Handy transferieren kann. Empfehlenswert ist hier eine große Speicherkarte einzusetzen. Ein Gigabyte ist eine gute Richtgröße.

Navigation im Abo

Doch selbst derart mit Karten beladen, wird das Handy mit Nokia Maps nur zur digitalen Variante der Faltkarte. Will man die Software tatsächlich zur Routenplanung nutzen, werden Gebühren fällig. Der Navigationsdienst kostet, je nach Laufzeit von 7,99 Euro für einen Monat bis maximal 99,99 Euro für einen Dreijahresvertrag. Damit ist das Paket sowohl für Gelegenheitsnutzer, die das Navi nur im Urlaub brauchen, als auch für Vielfahrer, tauglich.

Allerdings sollte man vor einer Auslandsreise dringend die benötigten Kartendaten per PC oder über das heimische Handynetz laden, da ansonsten hohe Roaminggebühren fällig werden. Erfreulicherweise weist die Software vor einem Download im Ausland darauf hin, das Roaminggebühren anfallen können.

In Kombination mit einem GPS-Empfänger macht die Software das jeweilige Handy zu einem vollwertigen Navigationssystem, dem es an nichts mangelt. Die Fahranweisungen sind klar, die Bildschirmdarstellung übersichtlich. Sogar an einen 3D-Modus und eine Nachtfunktion, die das Display auf dunkle Farben umschaltet, wurde gedacht. Die Anweisungen kommen in der Regel rechtzeitig, sodass man keine Abzweigung verpasst. Wer also ohnehin eines der kompatiblen Handys besitzt, kann als Gelegenheits-Navi-User zur Nokia-Lösung greifen

Google Maps

Google Maps

Google Maps  ist eigentlich keine echte Navigationssoftware, sondern eine digitale Kartensoftware, die Navigationsfunktion ist sehr rudimentär. Dafür glänzt die Software mit Extras, die unterwegs das Leben leichte machen können - zumindest theoretisch. Denn Über Google Maps lassen sich via Handy ganz prima Informationen über den jeweiligen Standort besorgen. So kann man sich beispielsweise nach Eingabe des jeweiligen Standorts die Restaurants in der Nähe anzeigen lassen. Wahlweise lässt sich eine solche Auswahl auch auf Pizzerien oder Sushi-Bars einschränken.

Ob eine solche Suche zum Erfolg führt hängt allerdings sehr von den Suchbegriffen und Googles Datenbank ab. Eine Suche nach dem Begriff "Camping" führte in Hamburg beispielsweise neben einem Fachverlag und verschiedenen Händlern keinen einzigen Campingplatz zutage.

Dennoch eignet sich Google Maps ganz hervorragend, um sich in fremden Städten zu orientieren. Das ganz besonders, wenn man per pedes, also zu Fuß, unterwegs ist. Dann nämlich kann man auf die Darstellung in Form, von Satellitenbildern umschalten, was die Orientierung deutlich vereinfacht.

Kostenlos mit guten Tipps

Ebenso positiv ist, dass die Software auf fast allen modernen Handys funktioniert: Neben Smartphones mit Palm OS oder Windows Mobile sowie allen Farb-Blackberrys werden die meisten Java-fähigen Handys unterstützt. Direkt vom Mobiltelefon aus kann die Software unter der Adresse www.google.de/gmm heruntergeladen werden.

Download und Nutzung sind seitens Google  kostenlos. Für die Datenübertragung fallen jedoch Gebühren an. Denn die Kartendaten werden jeweils nach Bedarf vom Handy heruntergeladen. Freundlicherweise wird dabei die jeweils während einer Session geladene Datenmenge auf dem Display angezeigt.

Im Test kamen wir dabei allerdings auf durchaus erkleckliche Mengen. Binnen einer halben Stunde war das erste Megabyte voll. Da lohnt es sich, vorher eine Datenflatrate zu buchen. Bevor man die Software im Ausland verwendet, sollte man sich über die dort fälligen Roaminggebühren für Datenübertragungen erkundigen.

Als echte Navigationshilfe im Auto ist Google Maps aber ohnehin nur sehr eingeschränkt zu empfehlen. Dafür fehlen der Software zwei wichtige Funktionen. Zum einen enthält sie keine Sprachausgabe, man muss sich also ganz auf schriftliche Anweisungen konzentrieren. Und die fallen je nach Handydisplay mal klein, mal sehr klein aus. Das zweite und noch größere Manko ist jedoch, dass Google Maps keine GPS-Signale verarbeitet. Die Karte "wandert" also nicht mit der Bewegung des Fahrzeugs mit. Stattdessen muss man die einzelnen Wegpunkte manuell durchgehen.

Blackberry Maps

Blackberry Maps

Auch die Blackberry Maps sind kaum ernsthaft als Routenplaner zu gebrauchen. Die Kartensoftware arbeitet wie Google Maps ausschließlich in einer zweidimensionalen Ansicht. Ohne angeschlossenen GPS-Empfänger arbeitet das System ebenso wie die Google-Software als digitale Variante einer Faltkarte.

Allerdings war die gefühlte Informationsdichte bei der Blackberry-Software nicht ganz so hoch wie bei Google . Zudem ist die optische Aufmachung der Karten sicher nicht jedermanns Sache. Immerhin jedoch ermöglicht es die Software, sich Adresse aus dem Adressbuch des Blackberry auf der Karte anzeigen zu lassen.

Ein großer Vorteil gegenüber der Google-Lösung ist jedoch, dass Blackberry Maps mit GPS-Empfängern zusammenarbeitet. Koppelt man einen solchen per Bluetooth an den Blackberry, wird die jeweils aktuelle Position auf der Karte angezeigt.

Die Routenplanungsfunktion ist jedoch ebenso rudimentär wie bei Google Maps. Auch der Blackberry-Lösung fehlt es an einer Sprachausgabe. So muss man dem Routenverlauf dank der GPS-Unterstützung zwar nicht mehr manuell folgen, bekommt aber auch hier nur eine schrittweise Fahr-Anleitung.

Kosten für den Download der Kartendaten fallen auch hier an. Aber als Blackberry-Anwender hat man in der Regel ohnehin einen speziellen Datenvertrag.

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