Premiere Teures Rückspiel

Nach dem Rückkauf der Fußball-Bundesligarechte von dem Bezahlsender Arena kehren die Kunden scharenweise zu Premiere zurück. Vorstandschef Georg Kofler weicht dennoch nicht von seiner bereits gesenkten Prognose für das laufende Geschäftsjahr ab. Schließlich muss er den Erfolg auch teuer bezahlen.

München - "Wir können heute schon feststellen, dass der Vermarktungsstart von Premiere in die neue Bundesligasaison geglückt ist", sagte Vorstandschef Georg Kofler am Donnerstag. Seit dem Erwerb der Sublizenz für die Übertragungsrechte vor knapp zwei Wochen seien 45.000 Bundesliga-Abos verkauft worden. "Mit über 3000 verkauften Bundesliga-Abos pro Tag verzeichnet Premiere einen schönen Vertriebserfolg."

Bis Ende August will Premiere  200.000 Bundesliga-Abos verkaufen. Die Kunden sollen mit Hilfe einer breiten Werbekampagne gewonnen werden, in deren Mittelpunkt FC-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer steht. "Wir gehen zuversichtlich in die kommenden Wochen. Premiere wird seine Marketing- und Vertriebsstärke über alle Kanäle ausspielen", sagte Kofler.

Premiere überträgt alle 612 Spiele der 1. und 2. Bundesliga live. Als Experten engagierte der Sender unter anderem DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und die Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus und Stefan Effenberg. Auftakt der Saison ist am 10. August mit der Partie des Meister VfB Stuttgart gegen den Vorjahreszweiten Schalke 04. "Ich freue mich auf die Saison. Ich glaube, sie wird die letzte noch einmal toppen." Viele Mannschaften hätten sich gut verstärkt.

Der Platzhirsch Premiere hatte die Bundesliga-Rechte vor anderthalb Jahren in einem spektakulären Wettbieten an den Neuling Arena verloren. Allerdings musste Arena nach nur einer Saison und hohen Anlaufverlusten die eigene Berichterstattung aufgeben. Der neue Sender, hinter dem der Kabelanbieter Unity Media steht, reicht die Übertragungsrechte an Premiere weiter. Auch Arena sendet weiter die Bundesliga-Spiele live, allerdings wird das Programm von Premiere übertragen.

"100 Millionen Euro netto"

"100 Millionen Euro netto"

Die finanziellen Hintergründe des Geschäfts sind weiter unklar. Arena zahlt 220 Millionen Euro pro Saison. Laut Branchenkreisen dürfte Premiere einschließlich einer Beteiligung von Unity Media an Premiere nicht viel billiger davon kommen. Den Nettopreis pro Saion bezifferte Kofler auf 100 Millionen Euro. Hinzu kommen allerdings noch 16,4 Millionen Premiere-Aktien, die die Arena-Mutter Unity Media Anfang des Jahres im Zuge der vereinbarten Kooperation beider Unternehmen mittelbar halten. Sie haben ein Marktwert von rund 312 Millionen Euro.

Trotz der guten Kundenreaktion gebe es bislang aber keinen Grund, an der Prognose für das laufende Geschäftsjahr etwas zu ändern, sagte Kofler. So geht Premiere für 2007 von einem Umsatz von 1,04 bis 1,05 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 80 bis 100 Millionen Euro aus. Die im MDax notierte Aktie legte am Donnerstag um rund 3 Prozent zu.

Das Bundesliga-Einzelabo kostet über Kabel und Satellit knapp 20 Euro. Bei diesem Preis werde es in dieser Saison sicher und in der nächsten Spielzeit 2008/2009 wahrscheinlich bleiben, sagte Kofler.

Übertragen wird auf einem eigenen Premiere-Bundesliga-Kanal. Arena wies darauf hin, dass das eigene Angebot mit knapp 15 Euro zumindest für die Kabelkunden günstiger ist. Die eigene Fußball-Redation musste Arena auflösen. Nur ein kleinerer Teil der Arena-Redakteure fand bei Premiere Unterschlupf, da Premiere weiterhin eine eigene Sportredaktion hatte.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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