Balda Ärger mit Apple

Der Handyausrüster Balda ist in der ersten Jahreshälfte tief in die Verlustzone gerutscht und hat sich von seiner Ergebnisprognose verabschiedet. Verantwortlich dafür sollen kurzfristige Änderungen bei einem Großauftrag sein. Dabei handelt es sich offenbar um die Touchscreen-Lieferungen für Apples iPhone.

Bad Oeynhausen - Bei einer großen Bestellung von berührungsempfindlichen Bildschirmen habe sich der Auftraggeber unmittelbar vor Produktionsbeginn für eine andere Touchscreen-Variante von Balda  entschieden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Dadurch käme es zu Verzögerungen. Einige Umsatz- und Ergebnisbeiträge verschöben sich daher ins kommende Jahr.

Dabei könnten weitere Verzögerungen entstehen, sollte es durch die Produktionsumstellung zu Lieferengpässen und Qualitätsschwankungen kommen, erklärte Balda. Angesichts dieser Faktoren verabschiedete sich Balda von seinen Jahreszielen, die einen Vorsteuergewinn 50 bis 55 Millionen Euro vorsahen und ein Umsatzplus von 70 Prozent auf 600 bis 650 Millionen Euro.

Bei dem Touchscreen-Großauftrag handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Bestellung des US-Konzerns Apple  für dessen neues Handy iPhone. Balda hatte zwar offiziell nie betätigt, dass das Unternehmen die Touchscreens liefert. Dennoch gilt es in der Branche als offenes Geheimnis, dass Balda Apple beliefert.

Als die Spekulationen bekannt wurden, zogen Balda-Aktien deutlich an. Seit der Einführung des iPhones auf dem US-Markt im Juni verloren die Papiere allerdings ein Drittel ihres Wertes, da sich Experten nicht einig sind, ob sich das 500 bis 600 Dollar teure Gerät am umkämpften Mobilfunkmarkt durchsetzen wird. Bis Ende 2008 will Apple zehn Millionen Geräte verkaufen. Einer Studie des US-Marktforschungsinstituts iSupple zufolge kostet das iPone-Display 27 Dollar.

Die Verzögerungen kommen Branchenkreisen zufolge deshalb zustande, weil Apple unter anderem statt einer Plastik- eine Glasscheibe für den Sensorbildschirm verlangt habe. Balda-Chef Joachim Gut lehnte einen Kommentar dazu ab.

Umsatzrückgang um 21 Prozent

Umsatzrückgang um 21 Prozent

Die Zahlen für die erste Jahreshälfte sehen durch die Verzögerungen auch alles andere als gut aus. In den ersten beiden Quartalen rutschte Balda tief in die Verlustzone. Während der Umsatz um 21 Prozent auf 129 Millionen Euro absackte, fiel ein Vorsteuerverlust (Ebit) von knapp sieben Millionen Euro an. Im Vorjahr hatte Balda noch ein Plus von zwölf Millionen Euro ausgewiesen.

Der Fehlbetrag belief sich auf drei Millionen Euro nach einem Überschuss von acht Millionen Euro. Neben Verzögerungen bei den Touchscreens führte Balda den Gewinneinbruch auf die schwache Entwicklung in Europa zurück.

Trotz der Ausfälle durch die Pleite des deutschen Handyherstellers BenQ Mobile habe sich das Geschäft in Asien gut entwickelt, sagte Gut. Von der Insolvenz war Balda trotz anfänglich gegenteiliger Beteuerungen stärker getroffen worden. So wurden Werke verkauft und die Zahl der Mitarbeiter von 1600 auf 600 reduziert.

Um Balda mit frischem Kapital zu versorgen, hatten zwei Großaktionäre einen Börsengang der chinesische Tochterfirma TPK vorgeschlagen. Vorstandschef Gut lehnt dies zum jetzigen Zeitpunkt ab, schloss aber einen Gang auf das Börsenparkett zum späteren Zeitpunkt nicht aus.

Die Aktie von Balda brach im frühen Handel um über 7 Prozent ein, drehte dann jedoch ins Plus. Zuletzt notierte das Papier 1,5 Prozent fester mit 8,27 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters