Bertelsmann Milliarden für Investitionen

Durch den Rückkauf eines milliardenschweren Aktienpakets im Mai 2006 häufte sich bei Bertelsmann ein riesiger Schuldenberg an. Nach der Konsolidierungsphase steht nach Aussagen von Bertelsmann-Chef Gunter Thielen nun aber wieder eine Wachstumsperiode bei Europas größtem Medienkonzern bevor.

Gütersloh - Die Schulden von Bertelsmann würden Ende des Jahres auf die selbstgesteckten Zielgrößen zurückgeführt sein, sagte der zum Jahresende aus dem Amt scheidende Bertelsmann-Chef Gunter Thielen. Von 2008 an stünden jährlich 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro für Investitionen bereit.

Die Schulden waren vor allem durch den Rückkauf eines Aktienpakets von 25,1 Prozent der Firmenanteile vom belgischen Finanzinvestor Groupe Bruxelles Lambert (GBL) für 4,5 Milliarden Euro angehäuft worden. Das Geschäft war durch den Verkauf des Musikverlages BMG Music Publishing an Universal Music für 1,63 Milliarden Euro nur zum Teil gegenfinanziert worden.

Eines der bisher größten Sorgenkinder im Konzern, die Musiksparte Sony BMG, wird Thielen zufolge im laufenden Jahr wieder bessere Geschäfte machen. Dennoch sei das Geschäft mit Tonträgern von weiter sinkenden Umsätzen geprägt, berichtet der Vorstandschef, ohne Zahlen zu nennen. Ziel sei es, die Plattenfirma stärker in den Mittelpunkt zu rücken und künftig auch von Geschäften mit Merchandisingprodukten und Konzertveranstaltungen zu profitieren. Dies sei jedoch nur bei neuen Künstlerverträgen möglich.

Thielen bekannte sich außerdem zur Zukunft der Clubsparte Direct Group. "Wir wollen nicht verkaufen", sagte er. Vor allem im Ausland sieht er noch Wachstumspotenziale. Die Pläne, in Deutschland die Zusammenarbeit mit einem stationären Buchhändler nach dem Vorbild von Frankreich, Portugal und Spanien voranzutreiben, seien bisher nicht erfüllbar gewesen. Flächendeckend werde dies in Deutschland wohl nicht mehr möglich sein, sagte Thielen.

Neuer Kuratoriumsvorsitzender

Neuer Kuratoriumsvorsitzender

Unterdessen übernahm am Mittwoch der bisherige Bertelsmann-Aufsichtsratschef Dieter Vogel das Amt des Kuratoriumsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung. Der 65-Jährige folgt Ernst Buschor, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgibt. Der 64-jährige Schweizer Buschor war seit dem Jahr 2000 Mitglied des Kuratoriums und seit 2005 dessen Vorsitzender.

Vogel, früher Chef des Stahlkonzerns Thyssen und einst auch langjähriger Bertelsmann-Manager, soll bis Ende des Jahres auch noch Aufsichtsratsvorsitzender des Medienkonzerns bleiben. Zum 1. Januar 2008 übernimmt dann Thielen das Amt.

Die stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Liz Mohn sagte, der scheidende Vorsitzende Buschor habe mit seinen Kenntnissen im Bildungs- und Gesundheitswesen die Reformarbeit der Stiftung in den letzten Jahren "ganz wesentlich mitgeprägt." Das Kuratorium fungiert nach Angaben der Stiftung ähnlich einem Aufsichtsrat und berät und kontrolliert deren Arbeit. Die 1977 gegründete Stiftung hält 76,9 Prozent der Anteile am Medienkonzern Bertelsmann. Sie hat im laufenden Jahr einen Etat von rund 72 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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