Sicherheitsportal Lotse im IT-Dschungel

Tagtäglich greifen Hacker Tausende Rechner an. Doch noch immer verzichten vor allem Mittelständler auf den nötigen Schutz vor den kriminellen Attacken, häufig aus Unwissenheit über mögliche Sicherheitslösungen. Ein vom Staat unterstütztes Internetportal soll die Suche nach entsprechenden Anbietern nun erleichtern.

Hamburg – Ein Hacker schleust sich im Auftrag eines Konkurrenten in ein Firmennetzwerk ein und legt die gesamte IT lahm. Die Folge: Das angegriffene Unternehmen kann tagelang nicht arbeiten, es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe – zur Freude des listigen Wettbewerbers.

Auch wenn die Mehrheit der Firmen sicherlich mit legalen Mitteln arbeitet, ein Leichtes wären solche Attacken allemal. Vor allem Mittelständler sparen noch immer an dem Schutz ihrer IT und sind Angriffen von Viren und Hackern wehrlos ausgeliefert.

Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) ermittelte in einer Umfrage, dass im vergangenen Jahr nur knapp ein Fünftel der IT-Verantwortlichen mehr als 7,5 Prozent des gesamten IT-Budgets in die Sicherheit der IT steckte. Im Jahr 2004 waren es mit rund 40 Prozent der Befragten noch mehr als doppelt so viele.

Fehlendes Know-how

Dabei scheitern ausreichende Schutzmaßnahmen häufig nicht am Geld, sondern am fehlenden Know-how. "Gerade Mittelständler verfügen selten über eine IT-Abteilung, die den erforderlichen Überblick über die heute notwendigen Sicherheitslösungen hat", erklärt BSI-Präsident Udo Helmbrecht gegenüber manager-magazin.de.

Die Landesinitiative Secure-it.nrw, die vom Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen getragen wird, hat deshalb gemeinsam mit dem Gelsenkirchener Institut für Internetsicherheit (Ifis) ein Webportal zum Thema IT-Sicherheit entwickelt, das am 1. August online geht. Hier können Unternehmen Anbieter entsprechender Produkte und Dienstleistungen finden, geordnet nach Postleitzahl und Stichwort, wie in einem herkömmlichen Branchenbuch.

"Ziel des Portals ist es, den Mittelständlern einen vollständigen Überblick über die Anbieter von IT-Sicherheitslösungen zu geben und damit die Markttransparenz zu verbessern", berichtet Ifis-Direktor Norbert Pohlmann gegenüber manager-magazin.de. "Vor allem die Lokalisierung ist ein wichtiger Baustein, da wir festgestellt haben, dass der Mittelstand gern nebenan kauft", so Pohlmann.

Anwenderberichte als Orientierungshilfe

Anwenderberichte als Orientierungshilfe

Wer nicht genau weiß, wonach er suchen soll, findet weitere Informationen im Glossar, im Basiswissen oder in den Hintergrundtipps. Auch Anwenderberichte und Referenzen sollen die Mittelständler bei ihrer Lösungssuche unterstützen.

Dennoch ist gerade zum Start des Portals ein gewisses Grundwissen hilfreich. Pohlmann fügt deshalb hinzu: "Wir sind für jede Anmerkung seitens der Nutzer dankbar und wollen zusammen mit den Unternehmen das Branchenbuch weiterentwickeln".

Auch die Zahl der Anbieter ist derzeit noch gering: Bis jetzt haben sich erst 500 Unternehmen auf dem Portal registriert. Bis zum Jahresende soll das Branchenbuch nach den Plänen der Betreiber mehr als 1000 IT-Dienstleister umfassen.

Für sie ist das Portal bis Jahresende kostenfrei, danach nur noch der Kurzeintrag mit Namen, Anschrift und dem Link zur Homepage. Wer weitere Informationen wie beispielsweise einen Ansprechpartner oder einen direkten Link zu den entsprechenden Produkten angeben möchte, muss pro Jahr 180 beziehungsweise 300 Euro zahlen.

"Keine Gewinnerzielungsabsicht"

Ifis-Direktor Pohlmann betont allerdings, dass das Branchenbuch IT-Sicherheit kein kommerzielles Portal sei. "Wir haben keine Gewinnerzielungsabsicht, sondern wollen uns lediglich refinanzieren", erläutert Pohlmann. Bis Ende des Jahres seien die gesamten Kosten mit rund 200.000 Euro veranschlagt, ein Teil davon werde durch Sponsoren abgedeckt. Ab 2010 soll sich das Portal dann selbst tragen.

Auch das BSI unterstützt die Initiative, wenn auch nur mit Hintergrundinformationen und nicht monetär. "Wir wollen die IT-Sicherheit in Deutschland erhöhen, um den immensen volkswirtschaftlichen Schaden, der jedes Jahr durch Internetkriminelle entsteht, zu verringern", erklärt BSI-Präsident Helmbrecht. Und das Branchenbuch IT-Sicherheit sei dazu eine sinnvolle Maßnahme.

Der Start des Branchenbuchs IT-Sicherheit ist sicherlich ganz im Sinne der Bundesregierung. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist es ein erklärtes Ziel, den IT-Standort Deutschland zu stärken. Dazu rief sie im Dezember bereits den ersten nationalen IT-Gipfel ein. Und für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) lauern im Internet sowieso mehr Gefahren als Chancen. Das Portal könnte somit seinen kleinen Teil dazu beitragen, die IT-Sicherheit in Deutschland zu erhöhen.

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