Marktmissbrauch EU verklagt Intel

Nach mehrjährigen Ermittlungen gegen den Chiphersteller Intel hat die EU-Kommission nun offiziell ein Verfahren gegen den Marktführer eingeleitet. Sie wirft Intel vor, sich wettbewerbswidrig verhalten und Geschäftsabschlüsse seines Konkurrenten AMD verhindert zu haben. Dem Konzern droht eine Milliardenstrafe.

Brüssel - Die EU-Kommission wirft Intel  den Versuch vor, den in Kalifornien ansässigen Mitbewerber AMD  mit illegalen Praktiken vom Markt für Computerprozessoren fernzuhalten. Intel wies die Vorwürfe zurück.

In einer Mitteilung der Kommission vom Freitag wird Intel unter anderem vorgeworfen, den Herstellern von Computern Rabatte angeboten zu haben, falls diese den gesamten oder fast den gesamten Prozessorbedarf bei Intel deckten. Intel habe auch mit Zahlungen an Computerhersteller versucht, diese dazu zu bewegen, die Markteinführung von Produkten mit AMD-Prozessoren zu verzögern oder ganz darauf zu verzichten. Außerdem habe Intel bei strategisch wichtigen Herstellern von Servern den Hauptprozessor CPU (Central Processing Unit) unter den eigenen Kosten geliefert.

Jeder dieser drei Vorwürfe sei, sollte er als erwiesen gelten, bereits der Missbrauch einer marktbeherrschenden Position, erklärte die Kommission. Ihrer Ansicht nach "verstärkten die drei Handlungsweisen sich wechselseitig und sind Teil einer übergreifenden wettbewerbsfeindlichen Strategie".

2,6 Milliarden Euro Strafe drohen

Intel widersprach heftig. Immerhin werde das Unternehmen nun "die Möglichkeit haben, die Vorwürfe unseres Hauptkonkurrenten zu hören und dazu Stellung zu nehmen", hieß es. Intel betonte, es gehe nicht um Klagen von Kunden. "Der Beweis, dass diese Branche in einem extremen Wettbewerb steht, ist eindeutig", erklärte Intel-Vizepräsident Bruce Sewell. "Wenn Mitbewerber Leistung erbringen, dann belohnt sie der Markt. Wenn sie versagen und zu wenig leisten, dann reagiert der Markt entsprechend."

Nach der Stellungnahme, zu der Intel nun aufgefordert wurde und für die der Konzern zehn Wochen Zeit hat, kann die Kommission das Unternehmen auffordern, das wettbewerbswidrige Verhalten einzustellen und ein Strafgeld verhängen. Dieses kann bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes betragen. Bei Intel, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 35,4 Milliarden Dollar auswies, könnte das Strafgeld also bis zu 3,5 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) betragen.

AMD hatte sich erstmals im Jahr 2000 über wettbewerbswidriges Verhalten von Intel beklagt. Die EU-Kommission hatte 2005 eine Reihe von Büros von Intel in der Europäischen Union durchsuchen lassen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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