Online-Supermärkte Bequem, aber teuer

Alle nötigen Einkäufe über das Netz erledigen - das ist für manche längst selbstverständlich. Auch wer sich mit Lebensmitteln eindecken will, muss keinen Schritt mehr vor die Tür unternehmen: Internet-Supermärkte liefern Speis und Trank nach Hause. Das ist bequem, hat aber seinen Preis.

Düsseldorf/Berlin - "Der Lebensmitteleinkauf im Internet ist zum Beispiel für Berufstätige mit wenig Zeit attraktiv - oder für Menschen, die wegen körperlicher Handicaps nicht mobil sind", sagt Bernd Huppertz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Die Zeitersparnis muss man sich aber leisten können." Die Preise seien meist etwas höher als im Laden. Dazu kommen häufig Versandkosten. Dafür fällt der Einkaufsrummel weg: Die Bestellung am Rechner ersetzt Warteschlangen an der Kasse, Parkplatzsuche und Schleppen.

Das Prinzip des Internet-Supermarkts ist einfach: Per Klick wählt der Kunde die Artikel aus, legt sie in einen Warenkorb und bezahlt dann per Rechnung, Kreditkarte oder Nachnahme beim Kurier. "Das Interesse, Lebensmittel online zu bestellen, steigt deutlich", sagt Florian Koch, Experte für elektronischen Handel beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Demnach haben 2006 in Deutschland rund drei Millionen Menschen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren Nahrung und Getränke im Internet eingekauft - mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2005.

Nische im Onlinehandel

Das macht die virtuellen Supermärkte zu einer wachsenden, aber noch immer kleinen Nische. Nach Schätzungen des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels werden in diesem Jahr Lebensmittel im Wert von 322 Millionen Euro im Internet bestellt. Zum Vergleich: Für Bekleidung, Textilien und Schuhe werden es voraussichtlich fast vier Milliarden Euro sein.

"Angeboten werden vor allem höherpreisige Artikel. Die Dienste richten sich an Kunden, denen der Preis nicht das Wichtigste ist", sagt Bitkom-Experte Koch. Besonders beliebt seien Delikatessen, die im Laden schwer zu bekommen sind. Auch Tiefkühlkost und Wein würden gern im Internet gekauft.

Die Anbieter betreiben oft kleine, spezialisierte Shops. Frische Produkte wie Gemüse oder Molkereierzeugnisse liefern sie allerdings meist nur in Ballungsräumen aus. Große Internet-Supermärkte und -Drogerien mit breiter Auswahl, die bundesweit zustellen, gibt es noch immer wenige. Und das Sortiment ist sogar bei ihnen lückenhaft.

Wenig Angebote im Netz

Wenig Angebote im Netz

"Wer den Lebensmitteleinkauf komplett über das Internet abwickeln will, findet noch nicht viele Alternativen", sagt Daniel Ochs von der "Lebensmittel Zeitung". Nachdem viele um die Jahrtausendwende entstandene "E-Supermärkte" Pleite gegangen sind, würden sich nur zaghaft Lieferdienste ins Internet wagen. Die Zusammenstellung und der Versand vieler einzelner Artikel ist für die Anbieter aufwendig. Gerade leicht verderbliche Ware ist daher nicht immer online bestellbar.

Die Drogerien Rossmann, Schlecker und Kloppenburg etwa haben Onlineshops, in denen es auch Nahrungsmittel und Getränke gibt. Der Lieferdienst der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist in Berlin und München verfügbar. Edeka Flauer liefert im Großraum Köln-Bonn aus. Auf Hamburg konzentriert sich der Netz-Supermarkt Deliefery. Bundesweit stellen hingegen Lila-se.de und Doit24.de zu.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt den Kunden, die Preise mehrerer Anbieter zu vergleichen. Denn bei einem Test von vier großen Online-Supermärkten stellten die Verbraucherschützer fest: Wer den richtigen Shop auswählt, kann erheblich sparen. Nicht nur die Produktpreise auch die Versandgebühren schwanken stark.

Lieferung in ein bis drei Tagen

Lieferpauschalen von zwei bis neun Euro sind üblich. Sie fallen jedoch ab bestimmten Bestellwerten weg - etwa bei Lila-se.de ab 69 Euro. Generell gilt: "Bei kleinen Warenkörben fallen die Versandkosten stark ins Gewicht. Es lohnen sich eher größere Einkäufe", so Ochs. Einige Anbieter fordern auch einen Mindestbestellwert, Schlecker zum Beispiel 15 Euro, Doit24.de 100 Euro.

Extraservice kostet mehr. Zuschläge werden nach Angaben der Verbraucherzentrale für den Express-Paketversand verlangt oder wenn spezielle Kühlboxen zum Einsatz kommen. Bei Kurierfahrern können Aufschläge anfallen, wenn der Kunde am Rand des Zustellungsgebiets wohnt oder Getränkekästen mehrere Stockwerke hoch getragen werden sollen. Wer nicht den ganzen Tag auf den Einkauf warten will, zahlt bei Doit24.de für die Absprache eines Zeitfensters 3,99 Euro. Nach Erfahrungen der Verbraucherschützer dauert es in der Regel einen bis drei Tage, bis der Zusteller mit den Einkäufen klingelt.

"Die Lieferung sollten Kunden am besten sofort überprüfen", rät Huppertz von der Verbraucherzentrale. Für Ware mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder für eine geplatzte Milchtüte könne Ersatz oder das Geld zurückgefordert werden. Wer jedoch versehentlich den falschen Joghurt gekauft hat, darf ihn nicht einfach zurückschicken - für Leichtverderbliches gelte kein Widerrufsrecht, so die Verbraucherzentrale.

Berti Kolbow, dpa

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