Übernahme Nokia kauft YouTube-Konkurrenten

Der finnische Handyhersteller Nokia hat den Internetdienst Twango übernommen. Damit betritt der Konzern die Welt der sogenannten "Sozialen Netzwerke". Bei dem 2004 gegründeten Unternehmen können Nutzer wie bei YouTube Bilder und Videos online stellen, der Dienst zählt allerdings deutlich weniger Mitglieder.

Helsinki - Mit dem Erwerb der Internetgesellschaft Twango werde es den Kunden von Nokia möglich, leichter Fotos und Videos auf ihren Mobiltelefonen und Computern zu verwalten, teilte der finnische Handyhersteller am Dienstag mit. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Dem "Wall Street Journal" (Dienstagausgabe) zufolge soll der Preis knapp unter 100 Millionen Dollar liegen.

Mit der Akquisition der privat gehaltenen Gesellschaft will Nokia seine Position in dem Bereich Multimediahandys stärken. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern weltweit über 140 Millionen Mobiltelefone mit Fotofunktion verkauft. Der Zukauf sei ein Schritt hin zu einem nahtlosen Informations- und Unterhaltungsangebot, sagte Anssi Vanjoki, Chef von Nokias Multimediabereich.

Auf den Twango-Seiten können Mediadaten jeglicher Art (Fotos, Videos, Audiodateien) kostenlos eingestellt und so mit anderen geteilt werden. Der Dateispeicher ist dabei unbegrenzt, es besteht nur eine Beschränkung auf die Bandbreite pro Monat und die maximale Dateigröße.

Soziale Netzwerke gelten inzwischen als wichtiger Teil des Mediengeschäfts. Die Fotoplattform Flicr wurde im Frühjahr 2005 für 35 Millionen Euro von Yahoo übernommen, das Videonetzwerk YouTube im August 2006 für 1,6 Milliarden Dollar von Google. Das 2004 gegründete Twango hat aber deutlich weniger Nutzer als diese beiden Konkurrenten.

Derzeit versuchen verschiedene Unternehmen, das Phänomen der sozialen Netzwerke vom Computer auf das Handy zu übertragen. Entsprechend nannte Analyst Ben Wood von CCS Insign den Kauf von Twango einen logischen Schritt für den finnischen Handyhersteller. "Nokia hat kaum Alternativen, als in diese Richtung zu expandieren", sagte er.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters