US-Wahlkampf Im YouTube-Kreuzfeuer

Erstmals haben sich Präsidentschaftskandidaten der USA in einer Fernsehdebatte den Fragen von YouTube-Nutzern gestellt. Rund 2000 Bürger sendeten ihre Videobeiträge ein, fast 40 von ihnen wurden den demokratischen Bewerbern vorgespielt. Und ein Gewinner des Abends steht nach Meinung von Experten auch schon fest.

Charleston - In den USA sind die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in einer Fernsehdebatte erstmals durch Internet-Videoclips von Bürgern befragt worden. In der vom US-Sender CNN am Montagabend übertragenen Diskussion schickten mehr als 2000 Nutzer über das Onlineportal YouTube Fragen ein, von denen über 30 ausgewählt  und den acht Spitzenpolitikern gestellt wurden.

Viele der Fragen drehten sich um soziale Belange und Nöte, etwa im Zusammenhang mit dem amerikanischen Gesundheitssystem. Nur eine Handvoll beschäftigte sich mit dem Irakkrieg. Unter den ausgewählten YouTube-Beiträgen waren auch ein animierter Schneemann, der sich über die Folgen der Erderwärmung sorgte, und ein Musiker, der sich seinen Ärger über die US-Steuerpolitik von der Seele sang.

Die größten Differenzen zwischen den beiden aussichtsreichsten Kandidaten Hillary Clinton und Barack Obama traten bei der Frage auf, ob sie sich mit den Staatschefs von Nordkorea, Kuba, Venezuela, Syrien oder Iran an einen Tisch setzen würden. "Es ist eine Schande, dass wir nicht mit ihnen gesprochen haben", erklärte Obama. Die USA müssten auch mit diesen Ländern nach Bereichen suchen, wo man gemeinsam vorankommen könne. Hier widersprach Clinton ihrem parteiinternen Rivalen deutlich. Es sei sicher keine gute Idee, sich mit den Präsidenten jener Staaten zu treffen, so lange man nicht bessere Optionen habe.

Unter den demokratischen Präsidentschaftskandidaten führt die US-Senatorin Clinton den Umfragen zufolge vor dem Schwarzen Obama, der wiederum über das größere Wahlkampfbudget verfügt. Die Debatte wurde in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina aufgezeichnet, wo Anfang kommenden Jahres eine der ersten Vorwahlen der Demokraten stattfinden wird.

Zuvor war jeder Kandidat aufgefordert worden, einen eigenen Videofilm zu produzieren. Senator John Edwards aus North Carolina machte sich darüber lustig, wie viel Aufmerksamkeit seinem teuren Haarschnitten gewidmet wurde. Zur Musik des Musicals "Hair" waren zahlreiche Nahaufnahmen seiner Frisur zu sehen, danach folgten Bilder aus dem Irak. Zum Schluss wurde die Frage eingespielt: "Was ist wirklich wichtig? Du entscheidest." Clintons Video endete mit dem Satz: "Manchmal ist der beste Mann für einen Job eine Frau."

Die Bewertung der von CNN als "historisch" bezeichneten Debatte fiel derweil unterschiedlich aus: Ein Wähler, der seine Frage per Videoclip eingeschickt hatte, befand: "Es war im Großen und Ganzen schon unterhaltsam. Aber war es auch informativer?". Der frühere Präsidentenberater David Gergen sagte dagegen: "Klarer Gewinner (der Debatte) war das Format." Da die Fragen schwer vorauszuberechnen gewesen seien, hätten sich die Kandidaten kaum vorbereiten können.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters