Freenet Wütende Spoerringspartner

Freenet-Chef Eckhard Spoerr hat sich beim Aktionärstreffen Optionen offen gehalten: Der Konzern könne selbst zukaufen. Aber es werde auch geprüft, wer als Käufer von Freenet in Frage käme. Nur von einer Aufspaltung will Spoerr nichts wissen, anders als ein Teil seiner Großaktionäre - und erhielt dafür jetzt entscheidende Rückendeckung.

Hamburg - Freenet-Chef Eckhard Spoerr hat einer Aufspaltung des Telefonanbieters eine Absage erteilt. Die Unternehmensführung habe nicht 18 Monate die Mitarbeiter auf die Fusion eingeschworen, um sie kurz danach wieder in Frage zu stellen, sagte er am Freitag auf der Hauptversammlung in Hamburg. Freenet  habe neben der Deutschen Telekom  und Arcor/Vodafone  als einziger Anbieter am Markt gleichermaßen Erfahrung und Kompetenz in allen drei Bereichen Mobilfunk, Internet und Festnetz.

Für seine Haltung bekam Spoerr Rückendeckung von der Mehrheit seiner Aktionäre. Freenet-Vorstand und Aufsichtsrat wurden am Ende des Aktionärstreffens am späten Freitagabend in Hamburg mit deutlicher Mehrheit von 87,61 Prozent und 66,87 Prozent entlastet. Der Mitgesellschafter und Wettbewerber Drillisch  hatte beantragt, genau diese Entlastung zu verweigern.

Kein Wunder eigentlich, war es zuvor doch Drillisch, der sich als zweitgrößter Freenet-Anteilseigner für einen Verkauf des Festnetzgeschäfts des Unternehmens und damit für seine Aufspaltung ausgesprochen hatte. Die erst im März erfolgte Fusion von Mobilcom und Freenet zur neuen Freenet AG würde damit rückgängig gemacht. Eine Aufspaltung sei im Interesse aller Aktionäre, bekräftigte Drillisch-Chef Paschalis Choulidis auf der Freenet-Hauptversammlung. Bei einem Verkauf der Festnetzsparte sei ein höherer Erlös zu erzielen als bei einem Verbleib im Unternehmen.

Spoerr: "Stehen Konsolidierung offen gegenüber"

Wie wenig harmonisch das Verhältnis von Spoerr zu Drillisch ist, zeigte sich auch an einem kurzen Satz über den Zustand der Branche: "Drillisch verbucht in diesem Jahr bisher 12 Prozent weniger Umsatz als im Vergleichszeitraum 2006", so der Freenet-Chef, der an dieser Stelle auch durchaus die Geschäftsentwicklung eines anderen Wettbewerbers hätte zitieren können.

Der Subtext zur Bemerkung könnte lauten, dass ein solches Unternehmen weder ein lohnender Zukauf noch ein geeigneter Käufer sei. Freenet habe neben der Deutschen Telekom  sowie dem Mobilfunkbetreiber Vodafone  und seiner Festnetztochter Arcor als einziger im Markt gleichermaßen Erfahrung und Kompetenz in allen drei Bereichen. Vor allem im Bereich des mobilen Internets werde in den kommenden Jahren das größte Wachstum erwartet. Somit sei Freenet gerüstet. "Wir stehen in keiner Weise unter Druck, wir müssen keine Zukäufe tätigen", sagte Spoerr. "Wir könnten es aber."

Käme es allerdings zu einer Marktbereinigung, könne die durchaus in beide Richtungen gehen. "Man kann der Konsolidierer sein oder man kann unter Umständen selbst übernommen werden", ergänzte Spoerr. "Wir stehen der Konsolidierung in beiden Richtungen offen gegenüber."

Spoerr sagte weiter, dass Freenet die Investmentbank Morgan Stanley beauftragt habe, "Optionen zu prüfen", die am Ende auch zu einem Verkauf des TecDax-Unternehmens führen könnten. "Ein Zusammengehen mit einem Wettbewerber könnte sinnvoll sein", sagte Spoerr. Der Freenet-Chef reagierte damit auf die Forderung einiger Großaktionäre wie K Capital und Hermes.

Spoerr stellte für das laufende Geschäftsjahr weiterhin einen deutlichen Ergebnissprung in Aussicht: Die Planungen für 2007 sehen einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 250 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von 160 Millionen Euro vor. Im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ein Ebitda von 147 Millionen Euro und einen Vorsteuergewinn von 117 Millionen Euro ausgewiesen. Zu der Steigerung trägt eine Umstellung der Rechnungslegung bei.

Thoma vergleicht Versatel und Freenet

Thoma vergleicht Versatel und Freenet

Auf der Hauptversammlung sollten die Aktionäre der Ausschüttung einer Sonderdividende von sechs Euro pro Aktie sowie der Berufung von drei neuen Aufsichtsräten zustimmen. Einige Anteilseigner forderten indes eine höhere Ausschüttung von bis zu zwölf Euro. Gegenvorschläge lagen bei der Wahl des Aufsichtsrats vor. So forderte Drillisch eine Ablösung von Aufsichtsrats- und Ex-RTL-Chef Helmut Thoma sowie von zwei weiteren Aufsichtsratsmitgliedern. Choulidis wirft ihnen vor, ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm über bis zu 50 Millionen Euro gebilligt zu haben.

Mit Blick auf seine Kritiker sagte Spoerr, der Ton und die Methoden seien sehr zweifelhaft: "Die Zeiten sind nach der Fusion nicht ruhiger geworden - im Gegenteil." Noch deutlichere Worte fand Thoma. Interessierte Kreise würden Medien gezielt Information zuspielen, um eine negative Berichterstattung gegen Spoerr zu erreichen. Dies sei ein "dreister Versuch eines systematischen Rufmords", sagte Thoma. Diese kritische Aussage bezog Thoma ausdrücklich auch auf Marc Münch, ehemals Leiter des Rechnungswesens bei Freenet. Münch hatte Dokumente veröffentlicht, die unter anderem angeblich belegen sollen, dass Spoerr ein Geflecht von Beteiligungen zum Schaden von Freenet angelegt habe.

Thoma nahm auch ausführlich Stellung zum Thema Aktienoptionen, die üppig an die Führungskräfte von Freenet verteilt wurden. Der Aufsichtsrat habe "intensiv über die Angemessenheit des Programms nachgedacht". Durch die Optionskomponente verdiente allein Spoerr im Jahr 2006 unter dem Strich 3,8 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es 3,5 Millionen. Thoma verteidigte die hohen Summen damit, dass man die Optionen als langfristig anzusehende Gehaltskomponente sehen müsse. Verglichen habe man die Bezüge mit jenen, die Wettbewerber Versatel  an seine Führungsspitze ausschütte - dabei hätten sich keine nennenswerten Unterschiede ergeben.

Thoma nannte den Ex-Deutschlandchef bei Microsoft, Richard Roy, als geeignetes neues Mitglied für den Aufsichtsrat. Roy bekleidet den Chefposten im Aufsichtsrat bereits beim Handyschalen-Produzenten Balda .

Unterstützung für die aktuelle Strategie erhielt der Freenet-Vorstand von Aktionärsvertretern: "Der Schalter ist umgelegt, Freenet kann und muss jetzt durchstarten", sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Eine Zerschlagung lehnte er ab.

Hechtfischer monierte aber das Vergütungsprogramm für die Freenet-Führungskräfte. Das Modell basiere auf zu "schlappen" Erfolgszielen. "Von unserem Aufsichtsrat erwarten wir etwas besseres Haushalten mit unseren Geldern", forderte auch Stephan Howaldt, Vorstandsvorsitzender des Aktionärs Hermes Focus Asset Management Europe. "Wir werden nicht für die Entlastung des Aufsichtsrates stimmen", erklärte der Vertreter des 5-Prozent-Anteilseigners bei Freenet.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp, dpa und reuters

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